Eine Kulisse im Wandel – Die Vielseitigkeit der Berliner Straße

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Eine Kulisse im Wandel – Die Vielseitigkeit der Berliner Straße

Man könnte schon fast von Schicksal sprechen, als die Macher der Ostalgie-Komödie "Sonnenallee" im Jahr 1998 keinen passenden Drehort für ihre Zwecke fanden. So konnte die Filmcrew ein lange vernachlässigtes Projekt verwirklichen: Den Bau einer Kulisse in Gestalt eines kompletten Straßenzuges. Innerhalb von nur drei Monaten wurde die Kulissenanlage unter der Leitung von Rainer Schaper errichtet. Der gesamte Straßenzug, der in seinem Aussehen eher einer fiktiven Berliner Umgebung ähnelte als der tatsächlichen Sonnenallee, bestand aus 26 Häuserfassaden und nahm eine Fläche von insgesamt 7.000 Quadratmetern ein. Dank der Gestaltung und Größe der Außenkulisse, die etliche Probleme beim Drehen auf Originalstraßen zu vermeiden hilft, ist die Anlage sowohl in Deutschland als auch international sehr gefragt.


Quelle: Tobis, DIF
"Der Pianist": Adrien Brody

2002 gestaltete das Studioteam die "Berliner Straße" für Roman Polanskis "Der Pianist" in die Kulisse des Warschauer Ghettos um –  eine von vielen Wandlungen, die der Straßenzug in den folgenden Jahren noch durchlaufen würde. Um die Stabilität der Kulisse bei Umbauten zu gewährleisten, wurden die 14 Meter hohen Fassaden an Stahlkonstruktionen montiert, die neun Meter tief in den Boden ragen. Die 130 Meter lange Straße wurde im Stil des frühen 20. Jahrhunderts gebaut und in Kinofilmen wie "Herr Lehmann" (2002/03) zu unterschiedlichen Berliner Schauplätzen. Für Dani Levys Komödie "Mein Führer" (2006/07) mit Helge Schneider in der Titelrolle sorgten Hakenkreuze und Wehrmachtsflaggen für einen so authentischen Eindruck einer Straße im NS-Deutschland, dass diese Verwandlung selbst Studio-Mitarbeiter erschreckt haben soll.

Nach Warschauer, New Yorker und natürlich Berliner Fassaden wurde die Kulisse im Jahr 2009 zu einem Pariser Straßenzugs. Für "Inglourious Basterds" ließ Regisseur Quentin Tarantino hier sogar auch jenes alte französisches Kino errichten, in dem laut Drehbuch alle Größen des Nazi-Regimes ihr blutiges Ende finden. Nach den Dreharbeiten sollte Tarantino die besondere Ehre zuteil werden, dass eine Straße des Studiogeländes nach ihm benannt wurde. In bester Gesellschaft: An die Studiostraße zu Ehren von G. W. Pabst grenzt heute die Quentin-Tarantino-Straße. "Tarantino ist die erste lebende Person", erläuterte der Koproduzent des Films und Vorstand der Studio Babelsberg AG, Christoph Fisser, "der hier eine Straße bekommt".

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