"Hollywood made in Babelsberg" – Internationale Koproduktionen seit 2000

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"Hollywood made in Babelsberg" – Internationale Koproduktionen seit 2000

Große Konkurrenz
Während das deutsche Kino und hiesige Babelsberger Produktionen des nationalen Films  Ende der 1990er Jahre einen gewissen Aufschwung erfuhren, blieben internationale Projekte vorerst weitgehend aus. In diesem Jahrzehnt drehte Hollywood in Europa bevorzugt in Prag, da die romantische Kulisse und günstige Produktionsbedingungen die Stadt zu einem attraktiven Drehort machten. Im Jahr 2000 gelang es dem Studio-Manager Rainer Schaper, eine internationale Großproduktion nach Potsdam zu holen. Der Historienfilm über die Schlacht von Stalingrad, "Enemy at the Gates" (2000/01), wurde mit einer Finanzierung von etwa 90 Millionen US-Dollar als einer der teuersten Filme, die je in Europa gedreht wurden, gehandelt. Es sollte ein erster Schritt für Babelsberg zu neuem internationalen Ansehen werden. Zwar argwöhnte der Vorsitzende der Konkurrenzgesellschaft Bavaria Film, Thilo Kleine, damals noch, der Film werde "ein Einzelfall bleiben." Die folgenden Jahre jedoch sollten das Gegenteil beweisen.


Quelle: Constantin, DIF, © MP Film Mgmt. DOS Prods.
"Duell - Enemy At the Gates": Jude Law, Rachel Weisz

Gedreht wurde in Potsdam und weiteren Teilen Brandenburgs. Obgleich der Film mit Ed Harris, Jude Law und  Rachel Weisz kein allzu großer Erfolg in Deutschland war, spielte er in den USA beachtliche Summen ein und bewies dort, dass er den Anforderungen des Hollywoodkinos gewachsen war.

Roman Polanskis preisgekröntes und hochgelobtes Holocaust-Drama "Der Pianist" (2001/02) ließ Aufmerksamkeit und Anerkennung weiter wachsen, stärkte Babelsberg als Stätte internationaler Großproduktionen. Dem folgten die Verfilmung des Jules Verne Klassikers "In 80 Tagen um die Welt" (2003/04) und Kevin Spaceys Biopic "Beyond the Sea" (2003/04).

Leitungswechsel und Konzentration
Nachdem die Unternehmer Christoph Visser und Dr. Carl Woebcken im Juli 2004 die Babelsberger Studios erworben hatten, erhofften sie sich eine größere Auslastung der 16 Studios. Der Weg sollte darin bestehen, sich auf internationale Kinoproduktionen zu konzentrieren. Im darauffolgenden Jahr kam die Warner-Brothers-Produktion "V wie Vendetta" (2005) mit Natalie Portman und Hugo Weaving in den Hauptrollen nach Babelsberg. Visser verkündete damals stolz, Babelsberg habe sich gegen 30 bis 40 Prozent billigere Studios durchgesetzt, was die hohe Qualität und Leistungsstärke der Filmstadt demonstriere. "V wie Vendetta" wurde ein weltweiter Erfolg und spielte mehr als das zweieinhalbfache seiner Produktionskosten ein.


Quelle: Warner, DIF, © Warner Bros.
"V wie Vendetta": Hugo Weaving

Deutsche Filmförderung als Pluspunkt
Seitdem zieht es Produzenten und Filmemacher aus Hollywood immer wieder nach Babelsberg. Auf der Berlinale 2007 lobte Hollywoodstar Matt Damon: "Babelsberg, das ist wie ein Hollywoodstudio….Ihr habt auch eine der besten Filmcrews der Welt." In diesem Jahr stand Damon hier für "Das Bourne Ultimatum" (2007) vor der Kamera, drei Jahre zuvor hatte er hier bereits den ersten Teil der erfolgreichen "Bourne"-Trilogie, "Die Bourne Identität", an der Seite von Franka Potente gedreht. Der Produzent aller drei Teile, Patrick Crowley, hob weitere gute Bedingungen für Produktionen dieses Ausmaßes hervor: Durch den Deutschen Filmförderfonds können Produzenten jährlich mit über 60 Millionen Euro unterstützt werden und internationale Koproduzenten dabei einen Zuschuss von bis zu 20% bekommen. Damit biete das Fördersystem des DFFF, erklärte Crowley, auch für amerikanische Filmemacher einen großen Anreiz. Überdies stellt die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH regelmäßig Gelder zur Verfügung, um bei der Realisation internationaler Produktionen in Babelsberg zu helfen.

Voll des Lobes zeigte sich auch der Produzent Lloyd Phillips, der in Babelsberg Tom Tykwers Thriller "The International"  (2007-2009) produzierte, für den innerhalb weniger Wochen Teile des Guggenheim Museums auf dem Studiogelände nachgebaut wurden: "Was ich hier vorgefunden habe," so Phillips, "sind unglaublich talentierte und effiziente Menschen. Sie sind besonders filmbesessen. Einige der nettesten Menschen, mit denen man zusammen arbeiten kann." 2009 kehrte Phillips in die Babelsberger Studios zurück, um dort Quentin Tarantinos Hit  "Inglourious Basterds" (2009) zu produzieren, für den Christoph Waltz mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. "Der Ort", so Tarantino über Babelsberg, "hat mich magisch mitgenommen. Die Studios und die Außenkulisse waren fantastisch. […] Es war großartig, in einem Filmstudio zu arbeiten, in dem all die Klassiker aus den 20er Jahren entstanden sind."

Quelle: Universal, DIF, © 2009 Universal Studios, Foto: Francois Duhamel
"Inglourious Basterds": Christoph Waltz

"…dann werden wir nicht die Letzten hier gewesen sein."
Das Filmstudio stieg 2007 mit einem Umsatz von mehr als 87 Millionen Euro zu einem der erfolgreichsten großen Produktionsstandorte in Europa auf und konnte in den Folgejahren seinen Ruf bestätigen. Tom Cruise drehte mit Bryan Singer "Operation Walküre" (2007/08), Roman Polanski nach "Der Pianist" auch seinen neuen Film "Der Ghostwriter" (2009/10) in Potsdam. Babelsberg agierte bei beiden Polanski-Filmen als ausführende Produktionsfirma.

Zu den 2011 in Babelsberg abgedrehten Großproduktionen zählen Roland Emmerichs historischer Shakespeare-Thriller "Anonymous" (2010/11) sowie das 3D-Action-Abenteuer "Die drei Musketiere" (2010/11) mit Stars wie Christoph Waltz, Orlando Bloom und Mads Mikkelsen. Weitere Projekte von internationalem Format sind in Vorbereitung. Im Nachhinein gibt der Aufstieg zu einem weltweit angesehen Produktionsstandort somit jener Prognose Recht, die Regisseur Jean-Jacques Annaud im Jahr 2000 bei den Dreharbeiten zu "Enemy at the Gates" in Babelsberg aufgestellt hatte: "Wenn es bei uns gut läuft, dann werden wir nicht die Letzten hier gewesen sein."

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