"Inner Emigration", Source: mindjazz pictures, DFF, © Karbe Film GmbH
"Innere Emigranten"

Nächste Woche im Kino: Innere Emigranten

Wie fühlt sich das Leben in einem System an, das jede Form von Zweifel unter Verdacht stellt? Dies ist eine der Fragen, denen Lena Karbe in ihrem Dokumentarfilm "Innere Emigranten" nachgeht, in dem sie drei ehrenamtliche Psycholog*innen einer Moskauer Krisenhotline begleitet, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Menschen in seelischen Ausnahmesituationen betreuen. Zwischen Angst, moralischer Verantwortung und staatlicher Kontrolle geraten sie selbst zunehmend unter Druck. Während sie versuchen, anderen Halt zu geben, müssen sie ihre eigene Haltung immer wieder neu hinterfragen: Wie neutral kann man bleiben, wenn Schweigen bereits zur Komplizenschaft wird? Über drei Jahre hinweg und unter strengster Geheimhaltung entstanden, öffnet der Film einen seltenen Blick in das Innere einer Gesellschaft, die von Propaganda, Repression und Unsicherheit geprägt ist. Ohne plakative Urteile, dafür mit großer Nähe und Genauigkeit, zeichnet Lena Karbe das Psychogramm von Menschen, die innerlich zunehmend auf Distanz zum Regime gehen – und dennoch in dessen Realität gefangen bleiben. "Innere Emigranten" ist ein eindringlicher, hochaktueller Dokumentarfilm über Anpassung und Widerstand, über psychische Belastung und moralische Grenzverschiebungen – und nicht zuletzt über die Frage, was Menschlichkeit unter autoritären Bedingungen bedeuten kann.

Aktuelles

In ihren ersten beiden Sitzungen des Jahres hat die FFA-Förderjury zusammen 250.000 Euro kulturelle Drehbuchförderung für fünf Spielfilmprojekte vergeben. Weitere 14 Projekte, mehr als die Hälfte davon Dokumentarfilme, erhalten 245.000 Euro Treatmentförderung. Insgesamt wurden somit 19 Filmprojekte mit 495.000 Euro gefördert.

Sieben Kameraleute und sechs Editorinnen und Editoren wurden am Freitag mit dem 36. Deutschen Kamerapreis – darunter zwei Nachwuchspreise – ausgezeichnet. Zudem vergab das Kuratorium den Ehrenpreis an Kameramann Torsten Breuer. Die Laudatio für ihn hielt Michael Bully Herbig.

Das Bremer Projektstipendium Filmstart von nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH und Filmbüro Bremen besteht seit 2014 und fördert Nachwuchsprojekte sowie Filmkunst. Auf das diesjährige Förderbudget von 45.500 € bewarben sich 26 Projekte aller Genres und Längen. 92 Prozent der Anträge kamen aus Bremen, 42 Prozent von Frauen und ebenfalls 42 Prozent von Filmschaffenden mit Migrationshintergrund.

Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946 wurde die Deutsche Film AG, kurz: DEFA gegründet. Aus diesem Anlass präsentiert die Retrospektive "Selbstauskünfte: Filme über Film" vom 8. Mai bis 27. Juni 2026 im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums Gegenwartsfilme der DEFA, die von Film und Kino erzählen. Denn überraschend viele Filme der staatlichen Filmfirma der DDR stellen die Filmproduktion selbst, die Vorbereitung und Durchführung von Dreharbeiten in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen.

Vorgestern ist die Online-Plattform filmexil.de für die Öffentlichkeit freigeschaltet worden. Sie entstand aus dem am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft (FTMK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) angesiedelten Forschungsprojekt "Mapping German Film Exile", das Forschung, Datenanalyse und digitale Visualisierungen zum historischen Filmexil verknüpft hat.