"Babystar", Source: Across Nations Filmverleih, DFF, © Jakob Fliedner
Liliom Lewald, Maja Bons, Bea Brocks (v.l.)

Ab Donnerstag im Kino: Babystar

Was bedeutet es, erwachsen zu werden, wenn das eigene Leben nie privat war? Diese Frage gewinnt seit Jahren an Dringlichkeit, je selbstverständlicher Eltern das Aufwachsen ihrer Kinder in sozialen Medien teilen. Regisseur Joscha Bongard rückt dieses Phänomen ins Zentrum seines satirischen Dramas "Babystar", das einen ebenso präzisen wie verstörenden Blick auf eine Jugend im Dauerlicht der Öffentlichkeit wirft. Im Mittelpunkt steht die 16-jährige Luca (Maja Bons), die seit ihrer Geburt Teil eines hochprofitablen Family-Influencer-Imperiums ist. Ihr Alltag ist Content, ihr Aufwachsen ein Geschäftsmodell. Als die Eltern sie vor laufender Kamera mit der Ankündigung eines weiteren Kindes überraschen, gerät Lucas sicher geglaubter Platz ins Wanken. Ihr Versuch, sich der totalen Verwertung zu entziehen, führt in einen schmerzhaften Konflikt, denn sie hat nie gelernt, wie Leben jenseits der Kamera funktioniert. Bongard nähert sich dem Stoff ohne einfache Schuldzuweisungen. Ihn interessieren weniger moralische Urteile als die Bedingungen einer Gegenwart, in der Selbstvermarktung zur ökonomischen Notwendigkeit geworden ist. Entsprechend erzählt der Film aus der Logik sozialer Medien heraus: Kurze Clips, Jumpcuts, frontale Handyaufnahmen und distanzierte Perspektiven von oben prägen die Bildsprache. So entsteht ein Schwebezustand, in dem Realität und Performance kaum mehr zu unterscheiden sind – und ein Film, der eindringlich fragt, was vom eigenen Leben bleibt, wenn alles geteilt wird.

Aktuelles

Das Gremium der Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg vergibt im Rahmen seiner 2. Sitzung über 5,6 Mio. Euro an 25 Produktions- und Entwicklungsvorhaben. Gefördert wird damit die große Bandbreite des Filmschaffens am Standort  – von Kinofilmen und Highend Serien über Dokumentarfilme und 2 KI-Experimente bis zu Family Entertainment für die ganze Familie.

Zum fünften Mal verleiht das "Haus des Dokumentarfilms – Europäisches Medienforum Stuttgart e.V." (HDF) am 24. April 2026 in Berlin den Roman Brodmann Preis. Der mit 10.000 Euro ausgestattete Preis würdigt den politischen Dokumentarfilm mit besonderer Autorenhandschrift. Namensgeber ist der aus der Schweiz stammende Journalist und Filmemacher Roman Brodmann (1920-1990). Brodmann gilt als der heute bekannteste Vertreter der sogenannten Stuttgarter Schule.

Der VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis 2026 geht an die Produzentin und Regisseurin Lena Karbe für "Innere Emigranten". Der Preis wird von der VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH gestiftet, würdigt die besondere Rolle von Produzent*innen bei Dokumentarfilmen und ist mit 7.500 Euro dotiert. Die Verleihung findet im Rahmen des DOK.fest München statt.

Mit dem Short Tiger Award der FFA werden am heutigen Freitag, den 17. April fünf Kurzfilme gewürdigt, die sich in besonderer Weise als Vorfilm fürs Kino eignen. An die Verleihung im Rahmen des Filmfests Dresden schließt sich am Samstag, den 18. April die Premiere des Kurzfilmprogramms Next Generation Short Tiger an, welches FFA und German Films gemeinsam präsentieren.

Von 12. bis 23. Mai 2026 ist die Croisette wieder ganz im Zeichen der Cineasten und Filmschaffenden, wenn die 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes stattfinden. Aus deutscher Sicht sind auch in diesem Jahr zahlreiche Filme vertreten. Sowohl im Wettbewerb als auch in den weiteren Sektionen laufen Filme mit deutscher Beteiligung, die mit Spannung erwartet werden.