Pepe Danquart

Pepe Danquart

Darsteller, Regie, Drehbuch, Schnitt, Sonstiges, Produzent
*01.03.1955 Singen (Hohentwiel)

Biografie

Pepe Danquart, geboren am 1. März 1955 in Singen/Hohentwiel, studierte von 1975 bis 1981 Kommunikationswissenschaften in Freiburg im Breisgau. Nachdem er bereits als Jugendlicher erste Super-8-Filme gedreht hatte, gehörte er 1977 zu den Gründern der Medienwerkstatt Freiburg (MWF), einem Filmkollektiv, das mit radikal politischen Videos zu gesellschaftlichen Debatten Stellung bezog. Zwischen 1978 und 1991 war Danquart im Rahmen der MWF als Autor, Regisseur und Produzent an über 30 Dokumentarfilmen beteiligt, so etwa an "Passt bloß auf" (1980) und "Geisterfahrer - Eine utopische Kolportage" (1987), die auf internationalen Festivals preisgekrönt wurden. 1982 wurde die Medienwerkstatt für ihr "Gesamtwerk" mit dem Dokumentarfilmpreis der deutschen Filmkritik geehrt.

1989 verließ Pepe Danquart das Kollektiv und gründete 1994 zusammen mit Mirjam Quinte die Produktionsfirma quintefilm, unter deren Ägide er bis heute seine Dokumentarfilmprojekte realisiert und mit der er und Quinte auch mehrere Filme des Österreichers Michael Glawogger ("Workingman's Death", "Whore's Glory") koproduzierten.

Der große Durchbruch gelang Danquart 1994 mit dem Kurzfilm "Schwarzfahrer", einer humorvollen Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Rassismus, der unter anderem mit dem Oscar für den Besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Auch sein nachfolgender, in Co-Regie mit Mirjam Quinte entstandener Dokumentarfilm "Nach Saison" (1997), über den Bosnienkrieg, war ein überragender Festivalerfolg und erhielt unter anderem den Friedensfilmpreis der Berlinale und den Grand Prize des San Francisco Filmfestival. Im Jahr 2000 stellte er im "Panorama" der Berlinale mit "Heimspiel" (2000) seinen ersten abendfüllenden Kinodokumentarfilm vor. Der Film über die Berliner Eishockey-Kultmannschaft Eisbären wurde unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis für die Beste Regie ausgezeichnet. Zugleich war "Heimspiel" der erste Teil einer Kino-Trilogie aus Sport-Dokumentarfilmen, die Danquart 2004 mit "Höllentour", über die Tour de France, und 2007 mit "Am Limit" über die Extrem-Kletterer Thomas und Alexander Huber, fortsetzte. Beide Filme wurden nicht zuletzt für ihre atemberaubenden Bilder hoch gelobt. Beim Bayerischen Filmpreis 2007 erhielt "Am Limit" zudem den Preis als Bester Dokumentarfilm.

Neben seinen dokumentarischen Arbeiten inszenierte Danquart immer wieder auch Musikvideos, Werbefilme und Spielfilme. So etwa das Fernsehspiel "Mörderinnen" (2002), den Thriller "Semana Santa" (2004), eine internationale Koproduktion mit Mira Sorvino und Olivier Martinez in den Hauptrollen, und die Gaunerkomödie "Basta. Rotwein oder Totsein", die mit Henry Hübchen, Moritz Bleibtreu und Corinna Harfouch zwar ein großes Star-Ensemble vereinte, jedoch weder bei der Kritik noch beim Publikum ein großer Erfolg war.

Anfang 2008 gründete Danquart mit Susa Kusche, Andrea Roman und Uwe Spiller die Produktionsfirma bittersuess pictures GmbH, deren erklärtes Ziel es ist, mit Filmen wie "Shahada" (2010) anspruchsvolle, aber zugleich publikumsträchtige Spielfilme zu finanzieren. Im Frühjahr 2011 kommt nach vielen Jahren wieder ein politischer Dokumentarfilm von Pepe Danquart in die Kinos: "Joschka und Herr Fischer" verknüpft ein Porträt des populären Grünen-Politikers mit einem Rückblick auf fünf Jahrzehnte deutscher Geschichte und Politik.

Beim Cottbus Film Festival 2013 stellte Danquart seinen nächsten Spielfilm vor: "Lauf, Junge, lauf!" (DE/FR), eine Verfilmung des Romans von Uri Orlev, der darin die authentische Geschichte des Holocaust-Überlebenden Yoram Fridman verarbeitete.

Leichterer Stoff war "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" (2017), eine romantische Komödie über eine Frau zwischen zwei Männern, die durch einen Zeitsprung die Chance bekommt, alte Entscheidungen neu zu überdenken.

Seit April 2008 ist Pepe Danquart, der zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie gehört, als Universitäts-Professor für Film an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg tätig.

Filmografie

2016/2017 Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner
Regie, Drehbuch
 
2016 Eine Filmarbeit
Produzent
 
2012/2013 Lauf, Junge, lauf!
Regie, Drehbuch-Mitarbeit, Produzent
 
2010/2011 Joschka und Herr Fischer
Regie, Drehbuch
 
2009-2011 Whores' Glory - Ein Triptychon zur Prostitution
Produzent
 
2005-2007 Am Limit
Regie, Drehbuch
 
2003/2004 Basta. Rotwein oder Totsein
Regie, Drehbuch-Mitarbeit
 
2003/2004 Höllentour
Regie, Drehbuch
 
2002/2003 Herr Lehmann
Darsteller
 
2002-2005 Workingman's Death
Sonstiges, Produzent
 
2002 Im Herzen des Lichts - Die Nacht der Primadonnen
Regie
 
2000/2001 Mörderinnen
Regie
 
2000-2002 Semana Santa
Regie
 
1998-2000 Heimspiel
Regie, Drehbuch
 
1997 Playboys
Regie, Produzent
 
1997 Das 7. Jahr - Ansichten zur Lage der Nation
Regie
 
1995 Iternaries Alsace
Regie, Drehbuch
 
1994/1995 Reise nach Mostar
Mitwirkung
 
1994-1997 Nach Saison
Regie, Drehbuch, Interviews
 
1994-1996 Old Indians Never Die
Regie, Idee, Schnitt
 
1992 Schwarzfahrer
Regie, Drehbuch
 
1990/1991 Daedalus
Regie
 
1988 Schatila - Auf dem Weg nach Palästina
Regie
 
1987 Die neue Kunst des Strafens
Regie
 
1986/1987 Mythos '68. Die Wurzeln der Revolte
Regie, Produzent
 
1986 Schatila
Regie
 
1985 Wackersdorf - Eine Reflektion über Gewalt
Regie
 
1983 Lothar Quinte - 40 Jahre Malerei
Regie, Idee, Schnitt, Produzent
 
1982 Malfunction - Eine Bemerkung zur Volkszählung
Regie
 
1981 Nachrichten über eine Veränderung. Kriminalisierung einer Bewegung
Regie