Die Tri-Ergon-Abteilung der Ufa

Titel

Die Tri-Ergon-Abteilung der Ufa

1923 erhielt Guido Bagier als "musikalischer Beirat" der Ufa den Auftrag, die Erfolgsaussichten des Tonfilms zu prüfen. Für die Ufa-Direktion sollte Bagier einen Bericht über die Chancen jenes Lichttonverfahrens erstellen, das von den deutschen Technikern Joseph Engl, Joseph Masolle und Hans Vogt unter dem Namen Tri-Ergon (Werk der Drei) entwickelt worden war. Ein Jahr zuvor, am 17. September 1922, war es im Berliner Alhambra-Saal zur ersten öffentlichen Vorführung verschiedener Tri-Ergon-Kurzfilme gekommen, bei denen der Ton von einer im Filmstreifen integrierten Tonspur kam, die mit einem Lichtstrahl abgetastet wurde. Obwohl Bagier ein durchaus positives Gutachten erstellte, kam es erst 1925 zu einem Vertragsabschluß mit der Tri-Ergon AG Zürich, die inzwischen die Rechte an den Patenten hielten. Das Tonfilmexperiment der Ufa war nun beschlossene Sache; im Sommer 1925 sollte die Tri-Ergon-Abteilung der Ufa unter der Leitung von Bagier die Arbeit aufnehmen. Dabei jedoch stellte es sich als problematisch heraus, in den für die Stummfilmproduktion ausgestatteten Ateliers einen Ort für die Tonfilm-Abteilung zu schaffen.

 
Die Erfinder und ihre Mitarbeiter im September 1922: Joseph Massolle, Hans Vogt, Jo Engl (vorne, v.l.n.r.)
 

"Wir konnten nicht einen Platz in Babelsberg finden, der für akustische Aufnahmen geeignet ist", notierte Guido Bagier am 20. Juli in seinen Tagebuchaufzeichnungen. "So werden wir uns anderwärts einen ruhigeren Ort suchen müssen, der nicht durch das Gebrülle der Aufnahmeleiter, das Klopfen und Hämmern der Bühnenarbeiter, die Schrille Pfeife des Oberbeleuchters, das Gesurre der Scheinwerfer, das Gefauche der Maschinen und Traktoren gestört wird." Gefunden wurde dieser Platz schließlich am 28. Juli 1925 in Weißensee, wo bald die eigentliche Arbeit der Tri-Ergon Abteilung beginnen konnte: die Herstellung des Tonkurzfilms "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Das, so Guido Bagier, "Fiasko" der Vorführung des Films, die am 20. Dezember 1925 an technischen Problemen scheiterte, bedeutete das vorzeitige, unerwartete Ende der Tri-Ergon Abteilung der Ufa. Der Vertrag mit der Tri-Ergon AG wurde umgehend aufgelöst, das Tonfilmexperiment der Ufa bis auf weiteres abgebrochen.

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