Berliner Zeughauskino setzt Reihe "Aus dem Fernseharchiv" fort

Im 1. Quartal 2017 zeigt das Zeughauskino in Berlin in der Reihe "Aus dem Fernseharchiv" drei Filme des Westdeutschen Rundfunks Köln, die unterschiedliche Blicke auf das im bundesdeutschen Filmschaffen der Zeit um 1970 prominent vertretene Thema Arbeitswelt werfen.

Den Anfang macht am 12. Januar (Donnerstag) um 20 Uhr und am 15. Januar (Sonntag) um 20.30 Uhr "Das Bild" (1967), der erste abendfüllende Spielfilm von Volker Vogeler. Nach einem Drehbuch von Günter Herburger wird geschildert, wie bei einer jungen Warenhausverkäuferin ein Bewußtwerdungs- und damit auch Emanzipationsprozeß beginnt, als sie bei einer Werbekampagne ein bekanntes Mannequin vertreten soll. Für die Photographie des in Regensburg gedrehten Films verantwortlich zeichnete Gérard Vandenberg.

Ein wenig bekanntes Frühwerk von Helma Sanders-Brahms ist "Der Angestellte" (1972), zu sehen am 1. Februar (Mittwoch) um 20 Uhr und am 5. Februar (Sonntag) um 18 Uhr: Der Titelheld des formal strengen, stilisierten Lehrstücks ist ein Mann, der glaubt, sich durch Fleiß und selbstlosen Einsatz in seiner Firma hocharbeiten zu können. Als er eines Besseren belehrt wird, beginnt er, hilflos zu rebellieren. Als Protagonist brillierte Ernst Jacobi, eine wichtige Nebenrolle spielte Wolfgang Kieling.

Dem Thema Umweltverschmutzung, das in den siebziger Jahren immer virulenter wurde, widmet sich "Kein Grund zur Unruhe" (1974), den Peter F. Bringmann, Axel Block, Gabi Kubach und Melanie Walz gemeinsam entwickelten und realisierten: Der Erstling der damals frischgebackenen Absolventen der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen schildert eine von einer Fabrik verursachte Umweltkatastrophe in der Provinz aus der Sicht der Betroffenen, thematisiert dabei aber auch den Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie. Im Zeughauskino zu betrachten am 10. März (Freitag) um 18.30 Uhr und am 12. März (Sonntag) um 20.30 Uhr. Nach der Erstausstrahlung resümierte Michael Stone im "Tagesspiegel" vom 22. August 1974: "Wir werden unsere Lebensweise ändern müssen oder wir werden untergehen", und forderte daher: "diese WDR-Produktion sollte alle sechs Monate wiederholt werden, verbunden mit einem gleichzeitigen Fernsehstop auf allen anderen Kanälen".

Zur der Reihe:
In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands liegt ein kaum bekannter Schatz: Spielfilme teils prominenter Regisseure und/oder Drehbuchautoren, entstanden hauptsächlich in den sechziger und siebziger Jahren, als die Rundfunkanstalten zugleich ein Übungs- und Experimentierfeld auch für Nachwuchsfilmemacher boten. Reine TV-Produktionen, die in aller Regel auch nur im Fernsehen gezeigt wurden, dort allerdings ein Millionenpublikum erreichten. Auf diesen weitgehend vergessenen Teil der deutschen Filmgeschichte möchte die von Jan Gympel initiierte und mitkuratierte Reihe Aus dem Fernseharchiv hinweisen: Monatlich wird ein Fernsehspielfilm präsentiert, der seit langem nicht mehr aufgeführt wurde und anderweitig nicht verfügbar ist. Arbeiten von bemerkenswerter Qualität und Vielfalt, die umso mehr erstaunt, als die thematisch und ästhetisch zum Teil eher "schwierigen" Werke ihre Erstausstrahlung meist im Hauptabendprogramm der ARD erlebten.

Die Veranstaltungen der Reihe Aus dem Fernseharchiv finden bei freiem Eintritt statt.

Quelle und weitere Informationen: www.dhm.de/zeughauskino