Ausstellung "Brandspuren - Filmplakate aus dem Salzstock" eröffnet in der Deutschen Kinemathek

Vom 28.11.2019 bis 31.5.2020 widmet sich eine Sonderausstellung in der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen in Berlin historischen Filmplakaten, die während des Zweiten Weltkrieges unter Tage eingelagert wurden. Die Eröffnung findet am 27. November um 19 Uhr statt.

 

1986 wurden im Salzbergwerk Grasleben bei Helmstedt eingelagerte Materialien des Reichsfilmarchivs entdeckt und geborgen – hauptsächlich mit Brandspuren versehene Fragmente von Filmplakaten und weitere Zeugnisse der 1920 eingeführten Filmreklamezensur im "Deutschen Reich". Die Plakate wurden im Grafikarchiv der Deutschen Kinemathek aufwendig restauriert und digitalisiert. Eine eigene Ausstellung erzählt nun die Geschichte dieses spektakulären Fundes – von der Bedeutung des Reichsfilmarchivs über die Einfahrt in das Salzbergwerk bis hin zu 24 restaurierten Originalplakaten zu insgesamt 22 Filmtiteln.

Die Grubenlampe von Grasleben – kippte sie tatsächlich im Juni 1945 aus Unachtsamkeit um und war Auslöser für die Zerstörung unzähliger Filmmaterialien? Ausgerechnet in einem Salzstock, wo sie mit anderen Kulturgütern vor Kriegsfolgen geschützt werden sollten? Oder hatten amerikanische Agenten und Sonderkommandos das Lager schon zwei Monate zuvor weitgehend geräumt und wollten mit dem Feuer Spuren verwischen? Diese Fragen werden sich vermutlich nie beantworten lassen. Was bleibt, sind historische Filmplakate, denen die Spuren der Zeit buchstäblich eingebrannt sind. Sie befinden sich in Obhut der Deutschen Kinemathek, während weitere Unterlagen noch in den Tiefen des Salzbergwerks schlummern.

Wieso und auf welchen Wegen sind Teile des Filmarchivs in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 dorthin gekommen und was geschah dort nach Kriegsende? Davon erzählt diese Ausstellung ebenso wie vom Kulturgutschutz und den mühevollen Anstrengungen, historische Überlieferungen vor dem Vergessen zu bewahren. Die Ausstellung "Brandspuren" kommt einer Papierarchäologie gleich. Die Besucher*innen erleben die Geschichte der Filmplakate vom Zensurvorgang bis in die Gegenwart. Zu sehen sind neben den 24 Filmplakaten außerdem Zensurmaterialien, Fotografien und Schriftgut aus dem Salzstock, bislang unbekannte Fotos und Stücke zur Geschichte des Reichsfilmarchivs, Filmaufnahmen von zwei Einfahrten in den Salzstock 2017 und 2019 sowie dokumentarisches Filmmaterial zur Restaurierung eines exemplarischen Plakats.

Zeitgleich und ergänzend zur Ausstellung "Brandspuren" werden in einer Online-Präsentation auf der Website der Deutschen Kinemathek unter "Sammlung digital" weitere 50 restaurierte und digitalisierte Filmplakate aus dem Salzstock in Grasleben gezeigt.
In Kooperation mit dem Bundesarchiv, Berlin.

Zu einem Presserundgang mit den Kuratoren laden wir am 27. November um 11 Uhr ein:
Begrüßung durch Rainer Rother, Künstlerischer Direktor
Ausstellungsrundgang "Brandspuren – Filmplakate aus dem Salzstock" mit Rolf Aurich, Georg Simbeni, Kuratoren

Quelle: www.deutsche-kinemathek.de