Inhalt
An einem trüben Regennachmittag betritt ein Mann, mit einem Koffer in der Hand, den Laden eines Pfandleihers. Unter dem wahllos zusammengerafften Inhalt des Koffers, dessen Erlös dazu dienen soll, das Leben seiner geliebten Frau zu retten, befindet sich auch eine kostbare Perlenkette, die der Mann oft bei seiner Frau gesehen und bisher für unecht gehalten hat. Diese Kette wird zum Verräter einer verbotenen Liebe, denn sie ist das Geschenk jenes Mannes, den Madeleine wirklich liebt. Dem jungen Komponisten Michael zuliebe hat Madeleine ein Doppelleben geführt, das von einem dritten Mann, dem Dienstvorgesetzten ihres Mannes, entdeckt wurde. Der erpresst die junge Frau, und Madeleine sieht keinen Ausweg mehr ...
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Die DarstellerInnen laufen hier zu Höchstleistungen auf, allen voran natürlich Marianne Hoppe, Ferdinand Marian, Paul Dahlke und Siegfried Breuer.
Ebenfalls loben möchte ich ausdrücklich die Kameraarbeit sowie die Kostüme und die Musik.
Ich finde an diesem Film einfach nichts auszusetzen.
Helmut Käutner hat sich für seinen im ersten Jahr des von Joseph Goebbels und Adolf Hitler ausgerufenen „totalen Kriegs“ entstandenen Film aus Gründen der Zensur bewusst für eine französische Vorlage entschieden: Das Skript eines Spielfilms, in dessen Zentrum die Untreue einer deutschen Frau steht, hätte die Berliner Reichskulturkammer nicht passiert. Zudem kam ihm die Vorlage gerade recht, um die Geschichte einer sehr deutlich zu Tage tretenden Flucht nach Innen erzählen zu können.
„Romanze in Moll“ ist einer der besten Filme Helmut Käutners, was ihm nach Kriegsende auch die internationale Kritik bescheinigte. So hielt Georges Sadoul („Geschichte der Filmkunst“) das bewegende Melodram für den einzigen künstlerisch wertvollen Film, der während des „Dritten Reichs“ gedreht wurde. Käutner erzählt gleich zwei Liebesgeschichten in Form einer doppelten Rückblende: Die auf der Kleinbürgerebene zwischen Madeleine und ihrem Gatten und die, die dem Film seinen Titel gab.
Dabei wählte er bewusst die äußere Form des Kammerspiels mit fließenden Kamerafahrten, ruhigen Überblendungen und gedämpftem Licht: Ein größerer Kontrast zur seinerzeit im Lichtspieltheater stets vorangehenden „Wochenschau“ der Nazi-Propaganda ist nicht vorstellbar. Die mit Fanfarenklang den Endsieg verspricht, während Käutner ein mögliches Glück nur leise durchschimmern lässt – und es seinen Protagonisten am Ende – wie Guy de Maupassant – verweigert.
Neben dem Motiv der Flucht nach Innen könnte man „Romanze in Moll“ auch als sehr mutigen Kommentar interpretieren zu Themen, die in den 1940er Jahren nur hinter vorgehaltener Hand im engsten Familienkreis diskutiert werden konnten: Ein Ehrbegriff, der ritterliches Handeln bis hin zur Austragung eines Duells umfasst, Verpflichtung versus Gewissen, Treue-Schwur versus Überzeugung.
Pitt Herrmann