"Inner Emigration", Source: mindjazz pictures, DFF, © Karbe Film GmbH
"Innere Emigranten"

Nächste Woche im Kino: Innere Emigranten

Wie fühlt sich das Leben in einem System an, das jede Form von Zweifel unter Verdacht stellt? Dies ist eine der Fragen, denen Lena Karbe in ihrem Dokumentarfilm "Innere Emigranten" nachgeht, in dem sie drei ehrenamtliche Psycholog*innen einer Moskauer Krisenhotline begleitet, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Menschen in seelischen Ausnahmesituationen betreuen. Zwischen Angst, moralischer Verantwortung und staatlicher Kontrolle geraten sie selbst zunehmend unter Druck. Während sie versuchen, anderen Halt zu geben, müssen sie ihre eigene Haltung immer wieder neu hinterfragen: Wie neutral kann man bleiben, wenn Schweigen bereits zur Komplizenschaft wird? Über drei Jahre hinweg und unter strengster Geheimhaltung entstanden, öffnet der Film einen seltenen Blick in das Innere einer Gesellschaft, die von Propaganda, Repression und Unsicherheit geprägt ist. Ohne plakative Urteile, dafür mit großer Nähe und Genauigkeit, zeichnet Lena Karbe das Psychogramm von Menschen, die innerlich zunehmend auf Distanz zum Regime gehen – und dennoch in dessen Realität gefangen bleiben. "Innere Emigranten" ist ein eindringlicher, hochaktueller Dokumentarfilm über Anpassung und Widerstand, über psychische Belastung und moralische Grenzverschiebungen – und nicht zuletzt über die Frage, was Menschlichkeit unter autoritären Bedingungen bedeuten kann.

Aktuelles

Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946 wurde die Deutsche Film AG, kurz: DEFA gegründet. Aus diesem Anlass präsentiert die Retrospektive "Selbstauskünfte: Filme über Film" vom 8. Mai bis 27. Juni 2026 im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums Gegenwartsfilme der DEFA, die von Film und Kino erzählen. Denn überraschend viele Filme der staatlichen Filmfirma der DDR stellen die Filmproduktion selbst, die Vorbereitung und Durchführung von Dreharbeiten in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen.

Vorgestern ist die Online-Plattform filmexil.de für die Öffentlichkeit freigeschaltet worden. Sie entstand aus dem am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft (FTMK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) angesiedelten Forschungsprojekt "Mapping German Film Exile", das Forschung, Datenanalyse und digitale Visualisierungen zum historischen Filmexil verknüpft hat.

Die European Film Academy gibt die Ernennung der Principals ihrer acht Chapter bekannt und setzt damit einen wichtigen Meilenstein im kontinuierlichen Engagement der Akademie für die Kunst und das Handwerk des europäischen Filmschaffens.

Im Januar dieses Jahres ist der ungarische Filmemacher Béla Tarr im Alter von 70 Jahren gestorben. Das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum widmet dem Regisseur im Mai eine Hommage, die Einblick in sein einflussreiches Werk gibt. Zum Auftakt der Filmreihe ist morgen der Kameramann und Filmemacher Fred Kelemen, Weggefährte und Mitarbeiter Tarrs, zu Gast.

Am Mittwoch feiert das 41. DOK.fest München im Deutschen Theater Eröffnung mit der Weltpremiere von "Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war". Die Regisseurin Regina Schilling wird ihren Film persönlich vorstellen, er konkurriert um den Hauptpreis VIKTORIA DOK.international.