Hauptpreis von goEast für russischen Film "Der Heizer"

12.04.2011 | 16:43 Uhr

Hauptpreis von goEast für russischen Film "Der Heizer"



Am Dienstagabend sind in Wiesbaden bei goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films feierlich die hochdekorierten Preise verliehen worden. Die Hauptpreise gingen an GewinnerInnen aus Russland, Polen, Rumänien und Georgien.


Mit der Vergabe der Preise endete die elfte Ausgabe von goEast, veranstaltet vom Deutschen Filminstitut. Die TV-Moderatorin Gabi Bauer führte durch die Preisverleihung in der voll besetzten Caligari FilmBühne. Festivalleiterin Gaby Babić betonte in ihrer Abschlussrede, dass die Neuausrichtung des Programms auf durchweg positive Resonanz gestoßen sei.

Zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme konkurrierten in der vergangenen Woche im Wettbewerb um die vier Hauptpreise. Die unabhängige Jury unter dem Vorsitz des serbischen Regisseurs Želimir Žilnik gab nun ihre Entscheidung bekannt: Der mit 10.000 Euro dotierte ŠKODA-Preis "Die Goldene Lilie" für den Besten Film, gestiftet von ŠKODA Auto Deutschland, geht an "Der Heizer" (Russland 2010) von Alexey Balabanov. Der Regisseur habe ein stilistisch kohärentes und konsistentes Werk geschaffen, das das Genre des Gangsterfilms nutzt, um ein kompromissloses Abbild des modernen Russland und seiner Geschichte zu entwerfen, so die Jury.

Der Gewinner des Dokumentarfilmpreises "Erinnerung und Zukunft", ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert, ist Piotr Stasik mit dem Film "Das Ende des Sommers" (Polen 2010). Die Jury begründet ihre Wahl damit, dass der Dokumentarfilm Fragen der Identität, des Patriotismus, der Vergangenheit und Zukunft artikuliere. Fragen, mit denen sich die junge Generation in einer post-kommunistischen Welt auseinandersetzen muss. Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" ehrt mit dem Preis herausragende Dokumentarfilme, die sich mit der Vergangenheit ihres Herkunftslandes befassen und hierbei Zukunftsperspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen.

Den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie (7.500 Euro) erhält der Regisseur Marian Crişan für seinen Beitrag "Morgen" (Rumänien, Frankreich, Ungarn 2010). Für die Darstellung der Poesie einfacher menschlicher Beziehungen, für den Respekt und die Liebe, die der Film seinen Figuren entgegenbringe, und für das Entdecken von Komik im alltäglichen und oftmals dramatischen Leben, zeichnet die Jury diesen Film aus.

"Gorelovka" (Georgien 2010) von Alexander Kviria ist der Gewinner des Preises des Auswärtigen Amts "für künstlerische Originalität, die kulturelle Vielfalt schafft" (2.000 Euro). Die Jury lobt die meisterliche Darstellung einer Gemeinschaft mit einer einzigartigen Geschichte und einer reichen, vom Verschwinden bedrohten Kultur. Der Film sei ein berührendes und wichtiges Dokument der Dramatik von Migrationprozessen und dokumentiere das Ringen um die eigene kulturelle Identität in einem fremden Land.

Lobende Erwähnung der Jury fanden der Spielfilm "Aurora" ( Rumänien, Frankreich, Schweiz, Deutschland 2010) von Christi Puiu und der Dokumentarfilm "Katka" (Tschechische Republik 2010) von Helena Třeštíková.

Eine eigene Jury der FIPRESCI, der internationalen Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten, verleiht jährlich den "Preis der internationalen Filmkritik". In diesem Jahr ging dieser Preis ebenfalls an "Der Heizer" (Russland 2010) von Alexey Balabanov. Zum fünften Mal verlieh die Robert Bosch Stiftung im Rahmen von goEast den Filmförderpreis für Koproduktionen von NachwuchsfilmemacherInnen aus Deutschland und Ländern Osteuropas in den Kategorien Animations-, Dokumentar- und Kurzspielfilm. In der Kategorie Animation geht der Filmförderpreis für Koproduktionen 2011 an das deutsch-russisch-kosovarische Projekt "Breaking News" der Produzentinnen Aleksandra Szymanska (Deutschland) und Visar Krusha (Kosovo) und der Regisseurin Alexandra Lukina (Russland) für die hervorragende Zusammenarbeit und für den Versuch, den manipulativen Einfluss der Massenmedien zu entlarven. Preisträger in der Kategorie Dokumentarfilm sind der Regisseur Gabór Hörcher (Ungarn) und die Produzentin Marieke Bittner (Deutschland) mit ihrem Projekt "Roma Rally". Den Preis in der Kategorie Kurzspielfilm erhalten der Produzent Alexander Wadouh (Deutschland) und der Regisseur Peter Kerek (Rumänien) für "Pepsi". Mit einer Gesamtsumme von bis zu 210.000 Euro gehört der Filmförderpreis zu den höchst dotierten Auszeichnungen für Nachwuchsprojekte.

Die schon am Samstagnacht bekannt gegebenen Gewinner der Publikumspreise im Hochschulwettbewerb durften am Dienstagabend ihre Preise offiziell in Empfang nehmen. Der Förderpreis der BHF-BANK-Stiftung, dotiert mit 1.500 Euro, für den herausragenden Beitrag einer teilnehmenden osteuropäischen Hochschule geht an "Through Glass" (Polen 2009) von Igor Chojna, Student der Hochschule PWSFTViT in Lodz.

goEast, das zeigt die zurückliegende Festivalwoche, setzt Themen: Das neue kuratorische Konzept und die neue Festivalsektion Beyond Belonging wurde von Publikum und Festivalgästen vielfach gelobt. Neben den filmischen Dramen fanden besonders die tragischen, schwarzhumorigen und skurrilen Komödien des diesjährigen Programms großen Anklang.
Das von Dr. Grit Lemke kuratierte goEast-Symposium "Aufmarsch in Bildern – die Neue Rechte im osteuropäischen Film" bot ein vielseitiges Diskussionsforum: In produktiven und bewegenden Debatten setzten sich Teilnehmende und Gäste mit den filmischen Verhandlungsweisen dieser beunruhigenden gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander. Bei den traditionellen Filmgesprächen im neuen Festivalzentrum im Gebäude der Wiesbadener Casino-Gesellschaft diskutierten die KünstlerInnen der Wettbewerbsfilme angeregt mit den Anwesenden über ihre Beiträge.

Die vielen Gäste der diesjährigen Matinée kamen mit einem Lächeln aus der Vorführung von "I was on Mars" (Deutschland 1991) von Dani Levy. Sie hatten sich vom Charme der Hauptdarstellerin Maria Schrader bezaubern lassen, die die Tragikomödie persönlich vorstellte.

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird von zahlreichen Partnern unterstützt: Hauptförderer sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Landeshauptstadt Wiesbaden, ŠKODA Auto Deutschland, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die BHF-BANK-Stiftung, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Nassauische Sparkasse, die Saalbau GmbH und 3sat.

Quelle und weitere Informationen:
www.filmfestival-goEast.de

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