Jenseits der Stille

Deutschland Schweiz 1995/1996 Spielfilm

Inhalt

Die Eltern der achtjährigen Lara sind beide taubstumm, daher muss das aufgeweckte Mädchen in allen möglichen Lebenslagen als "Übersetzerin" agieren. Zu ihrem Vater hat Lara ein besonders enges Verhältnis – daher reagiert er überaus eifersüchtig, als Lara sich eines Tages mit seiner Schwester Clarissa anfreundet, zu der er nie eine gute Beziehung hatte.

Clarissa, eine Musikerin, entfacht in ihrer Nichte die Liebe zum Klarinettenspiel, sehr zum Ärger ihrer Eltern, die aufgrund ihrer Gehörlosigkeit zur Musik keinen rechten Bezug haben. Zehn Jahre später ist Lara zu einer hübschen jungen Frau herangereift. Ihr Entschluss, zu Clarissa nach Berlin zu ziehen, um dort auf ein Konservatorium zu gehen, führt zu einem heftigen Streit mit ihren Eltern. In Berlin lernt sie ihre erste Liebe kennen und verspürt ein Gefühl ungekannter Freiheit. Der plötzliche Unfalltod ihrer Mutter führt Lara für kurze Zeit nach Hause zurück. Doch ein erneuter Streit mit ihrem Vater droht das einst so vertrauensvolle Verhältnis der beiden endgültig zu zerrütten.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Das fulminante, zu Herzen gehende Kinodebüt der 32-jährigen Caroline Link hat den deutschen Film Mitte der 1990er Jahre einen enormen Schritt nach vorn gebracht auf internationalem Parkett, was naturgemäß auch an der internationalen Besetzung liegt mit der französischen Entdeckung Sylvie Testud, dem gehörlosen Amerikaner Howie Seago und der ebenfalls behinderten französischen Schauspielerin Emmanuelle Laborit, die schon in „Gottes vergessene Kinder“ nachhaltig beeindruckte.

Die Geschichte ist melodramatisch, aber wie sie, vielleicht bis auf das klattrige happy end, von Caroline Link erzählt wird, eher mitreißend und humorvoll denn tränendrüsig: Die junge Lara (hinreißend gespielt von Tatjana Trieb) ist die Tochter taubstummer Eltern, mit denen sie in der deutschen Provinz lebt. Vater Martin arbeitet in einer Druckerei, ihre Mutter Kai ist Hausfrau.

Weil die kleine Lara hören und sprechen kann, ist sie der einzige Kontakt ihrer Eltern zur Außenwelt, bei Behördengängen, bei Besuchen in der Stadt, in der Bank. Was natürlich auf Kosten ihrer schulischen Leistungen geht, denn sie muss auch das abendliche Fernsehprogramm, darunter ganze Spielfilme in voller Länge, simultan in die Gebärdensprache der Taubstummen „übersetzen“.

Von ihrer Tante Clarissa bekommt Lara eine Klarinette geschenkt und erweist sich rasch als Meisterin des Fachs, sodass auch der Musiklehrer dafür plädiert, sie nach Berlin auf die Hochschule zu schicken. Um sich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten, zieht Lara, nun bereits – zehn Jahre später – eine junge Frau (beeindruckend verkörpert von Sylvie Testud, die in dieser Rolle vielfach an Anne Bennent erinnert), zu Clarissa und ihrem Gatten Gregor an die Spree.

Die Großstadt offenbart Lara eine neue, aufregende Welt, in der sie förmlich aufblüht. Für ihre Eltern dagegen bedeutet Laras Auszug einen großen Verlust: Die noch wesentlich jüngere Schwester kann Laras Rolle als Kontaktperson der Eltern zur Außenwelt noch lange nicht übernehmen. Während Lara erste Liebeserfahrungen macht mit dem weltoffenen, gewinnend optimistischen, lebensfrohen Taubstummenlehrer Tom, trennen sich Clarissa und Gregor: Der Schriftsteller benötigt Ruhe, um arbeiten zu können, während Clarissa, selbst Klarinettistin in einem Nachtclub, nur sich selbst verwirklichen will.

Da stirbt Laras Mutter in Folge eines Fahrradunfalls und alle Ambitionen auf eine musikalische Karriere scheinen zerstört: Lara kehrt zu ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester zurück und muss sich auch noch Vorwürfe anhören, Mitschuld am tödlichen Unfall der Mutter zu haben. War es Lara doch, die der Mutter, obwohl Gehörlose unter Gleichgewichtsstörungen leiden, das Radfahren beigebracht hat.

Die Wende bringt das Erlebnis eines Konzertes mit dem Klezmer-König Giora Feidmann – die Eintrittskarten hatte noch Laras Mutter besorgt. Nun ist sie davon überzeugt, die Karriere einer Berufsmusikerin anstreben zu müssen und zieht erneut nach Berlin, zu Onkel Gregor. Wo sie überraschend von ihrer kleinen Schwester aufgesucht wird, die es daheim in der provinziellen Enge und beim depressiven Vater nicht mehr aushält. Clarissa, Martins Schwester, bringt die Kleine nach Hause zurück und unterhält sich erstmals seit ihrer Kindheit wieder mit ihrem Bruder in der Gebärdensprache. Sie kann offenbar einiges in Laras Vater bewegen, denn der erscheint zur Aufnahmeprüfung seiner Tochter in der Berliner Akademie...

„Jenseits der Stille“, am 2. April 1999 von Arte erstausgestrahlt, beeindruckt in jeder Hinsicht, von den Darstellern über Gernot Rolls Kameraführung bis hin zur Musik Niki Reisers.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Script

Kamera

Kamera-Assistenz

Material-Assistenz

2. Kamera

Ausstattung

Garderobe

Schnitt

Ton-Assistenz

Casting

Musik

Darsteller

Synchronsprecher

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 01.08.1995 - 22.09.1995: München, Mainburg, Berlin
Länge:
3078 m, 112 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.07.1996, 75727, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 04.07.1996, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 19.12.1996

Titel

  • Originaltitel (CH DE) Jenseits der Stille
  • Arbeitstitel Klang der Stille
  • Weiterer Titel (eng) Beyond the Silence

Fassungen

Original

Länge:
3078 m, 112 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.07.1996, 75727, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 04.07.1996, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 19.12.1996

Digitalisierte Fassung

Länge:
108 min
Format:
DCP, 1:1,78
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

Aufführung (DE): 25.11.2021 [Wiederaufführung]

Auszeichnungen

National Board of Review, USA 1998
  • NBR Award, Bester fremdpsrachiger Film
Academy Awards 1998
  • Oscar Nominierung, Bester fremdsprachiger Film
Vancouver IFF 1997
  • Most Popular Film
Guild of German Art House Cinemas 1997
  • Guild Film Award - Gold, Deutscher Film
Chicago IFF 1997
  • Gold Plaque, Special Mention
Tokyo International Film Festival 1997
  • Bestes Drehbuch
  • Grand Prix
Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater 1997
  • Gilde-Filmpreis in Gold
Bayerischer Filmpreis 1997
  • Pierrot, Beste Filmmusik
  • Pierrot, Beste Nachwuchsregie
Deutscher Filmpreis 1997
  • Filmband in Silber, Bester Film
  • Filmband in Gold, Darstellerische Leistungen
  • Filmband in Gold, Beste Filmmusik