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Nachdem sie sich sieben Jahre nicht gesehen haben, versucht die gefeierte Pianistin Charlotte, sich mit ihrer ältesten Tochter Eva zu versöhnen. Aber schon kurz nach dem freudigen Wiedersehen brechen alte Konflikte auf: Eva beschuldigt ihre Mutter, sich stets mehr für ihre Karriere als für ihre Familie interessiert zu haben. Und aus diesem gestörten Familienleben rühre auch Evas Unfähigkeit zu lieben. Die Streitigkeiten zwischen den beiden Frauen eskalieren immer weiter und münden schließlich in offenen Hass.
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Nach siebenjähriger Abwesenheit kehrt die weltberühmte Pianistin Charlotte Andergast nach Norwegen zurück, um ihre beiden erwachsenen Töchter wiederzusehen. Sie ist eine so erfolgreiche wie egoistische und egozentrische Frau, die nur sich und ihre Kunst geliebt hat. Charlotte hatte sich, wie in Rückblenden deutlich wird, ihrer Familie rasch entfremdet, dabei aber stets die Sorgen und Nöte ihres schwachen Gatten, dessen Schulden sie stets beglich, und ihrer beiden Mädchen im Blick.
Besonders mit Eva entspannt sich ein intensiver, unter die Haut gehender Dialog, den Ingmar Bergman kammerspielartig konzentriert in Szene setzt. Eva lebt seit Jahren in einem kleinen Dorf als Frau des Pfarrers, und die scheinbare Idylle der Abgeschiedenheit ist eine trügerische: Die Tochter ist erbittert über ihr völlig unbeachtetes Dasein am Rande des Lebens und des Ruhmes ihrer Mutter, welche sie einst sogar zu einer Abtreibung gezwungen hat. Eva hat weder die Weltgewandtheit noch das musikalische Talent ihrer Mutter geerbt, da hätte sie wenigstens ein wenig an deren Glanz und Weltkenntnis teilhaben wollen.
Ohne die Anwesenheit ihrer Mutter war das verkümmerte Dasein in der Provinz ein zu ertragender Normalzustand für Eva. Doch jetzt klagt Charlotte nach dem quälenden Krebstod ihres langjährigen Lebensgefährten selbst über Vereinsamung und nächtliche Alpträume und sucht wieder familiären Anschluss. Und plötzlich reichen Eva die kleinen Konzerte im dörflichen Rahmen nicht mehr, entpuppt sich die stille Zufriedenheit im pfarrhäuslichen Zusammenleben als Lüge: Ihr Gatte Viktor ist nun wahrlich nicht Evas große Liebe gewesen. Jetzt, wo nicht mehr nur ein Bild der berühmten Mutter irgendwo hängt, sondern diese so direkt vor ihr steht...
Ingmar Bergman hat dieses sehr strenge, düstere Psychogramm selbst als „Film für zwei Schauspielerinnen, vielmehr für zwei Violoncelli, weil deren Klang bedeutend ist“, bezeichnet und jeden Realismus von sich gewiesen. Nur 36 Stunden dauert das Aufeinandertreffen von Mutter und Tochter, das die Unfähigkeit der erfolgreichen Künstlerin zu herzlicher Liebe mit dem angestauten Hass der abgrundtief verletzten Pfarrersgattin konfrontiert und auf die Ereignisse der Vergangenheit zurückführt.
Aus dieser Kette von Schuld gibt es kein Entrinnen. Auch wenn sich, nach der Abreise Charlottes, ein entspannteres Verhältnis der Eheleute anzudeuten scheint. Zwischen Viktor, der nicht mehr an Gott glaubt, seit Erik, einziges Kind der beiden, im Alter von vier Jahren ertrank. Und Eva, die sich aufopferungsvoll um ihre gelähmte, unheilbar kranke Schwester Helena kümmert, seit sie diese aus der Heilanstalt ins Pfarrhaus geholt hat. Letztere macht sich selbst Mut, aber es ist der Mut einer Verzweifelten: „Ich gebe nicht auf, selbst wenn es zu spät sein sollte. Ich glaube nicht, dass es zu spät ist. Es darf nicht zu spät sein.“
Nach der Uraufführung startete „Herbstsonate“ am 19. Oktober 1978 in den westdeutschen sowie am 23. November 1979 in den DDR-Kinos. Die populäre DDR-Illustrierte „Filmspiegel“ (4/1979) zitierte Ingmar Bergman: „Es ist ein Film über die Liebe, über die Liebe als unsere einzige Chance zu überleben.“ Das ZDF sorgte am 5. September 1982 für die Erstausstrahlung, das Fernsehen der DDR folgte am 29. November 1983.
Pitt Herrmann