Summary
A highly excessive spectacle picture, filmed with no budget but with a lot of imagination as its main asset: When captain Gustav wants to retire together with his illustrious crew that consists of humans and animals, he runs ashore a mysterious island with his snail ship. At first, Gustav is full of joy and wants to debark immediately. But he does not know that the island is ruled by an evil king called Knuffi.
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Im Laufe der turbulenten Handlung treten u.a. ferner auf: Eva, die bezaubernde Braut des Kapitäns („Ich glaub, ich hab mich in seine Aura verliebt“) und fünf Kapitänskinder (Kathleen Brunke, Yasmin Frischling, Lena Kruse, Christina Renger und Skarlett Schmalz), zwei königstolle Ommas (Marga Heinze und Annemarie Willberg), zwei Propagandaminister, deren Harndrang im ganzen Inselreich berüchtigt ist (auch Ralph Meyer), eine Bordkapelle mit verliebtem Sänger (Gunnar Garrelts, Maik Hutfilz, Jan Klewitz und Ingo Rabe), acht Tierlakaien und der König der Feinschmecker, der Opfer einer Gehirnwäsche wird.
Doch zunächst sehen drei Schneemänner, die in die Zukunft blicken können, ungerührt zu, wie ein kleiner Junge in das Eis eines Sees einbricht und zunächst vergeblich darauf hofft, dass er von seinem Freund gerettet wird: der pinkelt dem nach Luft Schnappenden und wie wild um sich Schlagenden erst auf den Kopf, dann verschließt er das Loch mit einer Schneekugel, ehe er sich doch eines Besseren besinnt. So werden, jedenfalls bei Wenzel Storch, Freundschaften fürs Leben geschlossen: Gustav und Knuffi.
„Was ist aus den Freunden geworden?“ fragt die bekannt-sonore Erzähler-Stimme Friedrich Schoenfelders – und dann beginnt eine knapp 75-minütige wilde Mischung aus Schauspiel, Film und Puppenspiel, entsprungen Wenzel Storchs „kreativem Füllhorn, das keine Rücksicht auf die Zuschauer nimmt.“ So jedenfalls Regie-Kollege Jörg Buttgereit, der selbst als einer von sechs Edelleuten auf der Leinwand erscheint, die im bizarr-barocken Reich König Knuffis umhergeistern, im kurzen Intro zur Filmvorführung Mitte Juni 2014 am Schauspiel Dortmund. In dieser, so der Erzähler, „kleinen Geschichte“ gehen Gustav und Eva auf große Fahrt. Während er seine Schneckenschiff genannte Rumpelkammer steuert, deren Einzelteile tatsächlich vom Sperrmüll und aus abgewracktem landwirtschaftlichem Gerät stammen und in einer 1.000 qm großen Lagerhalle am Hildesheimer Hafen zusammengebaut wurden, bereitet sie ihm in der Kombüse ein leckeres Mahl zu: Bratfisch aus dem Waffeleisen.
Mit Gustavs Lieblingsspielzeug, dem Propeller-Auto, würde der Erste Offizier liebend gerne einen Ausflug unternehmen und mitbekommen, was der Käptn so auf der Insel treibt. Auf der die beiden Propagandaminister ständig mit Wasserlassen beschäftigt sind – wie die dauerarbeitslosen Stammkunden des Kiosks unter der Hildesheimer Wohnung des auch kameraführenden Filmemachers, die sich täglich zwischen 8 und 18 Uhr mit Bier und Kräuterlikör die Birne zugeknallt haben. Ihre infantilen Dialoge sind als schier unerschöpfliches Material für alle seine Filme, besonders aber seinen Erstling „Der Glanz dieser Tage“ von 1989, ausgeschlachtet worden. Nebenbei: Weil die Kamera beim Drehen so laute Geräusche machte, sind alle Dialoge nachgedreht worden. Selfmade-Kino der liebenswerten Art, das aber nicht nur was die Finanzen betrifft, schnell aus dem Ruder laufen kann. Daher die lange Produktionszeit.
Weil der König Geburtstag hat, stehen die Bordsteinschwalben Spalier, als, hoch auf dem gelben Wagen, Eva Einzug hält. Genuss ohne Reue: ist die Frau 'mal aus dem Haus, also: vom Schiff, tanzen die Blagen auf dem Tisch – und erkunden den schrottreifen Kahn. Während Jörg Buttgereit einer Hirnreinigung unterzogen wird, bei der es so wenig zartfühlend zugeht wie beim Putzen der Kloschüssel, sehen sich die anderen Edelleute Jeanette Eisebitt, Jan Hahne, Ralf Hammermeister, Sammy Ochs und Sibylle Steinfurth im skurril-nobilen Kosmos des Königs um. Und kommen dabei auf Dumme-Jungen-Gedanken: die fürs Festbankett in Reih' und Glied sortierten Wachteln werden mit Kanonenschlägen gestopft...
Aber auch sonst kommt der zur Tafel geladene König der Feinschmecker aus dem Staunen nicht heraus – und das Publikum mit ihm. Der surreale Film eines Luis Bunuel kopuliert mit dem anarchischen eines Terry Gilliam und dabei heraus kommt, so wenigstens der „Zeit“-Kritiker Georg Seeßlen, „das gottverdammt prächtige, umwerfend komische, elendiglich poetische Gesamtwerk des Wenzel Storch“. Das hier mit reichlich ekligen Anklängen an das Genre der Splatter-Movies aufwartet, von den königlichen Mauken („Frommage Royale“) über das urinfarbene Gold der Morgenstund' bis hin zum alles andere als kulinarischen Feuerwerk der Wachteln.
Nein, man muss nicht alles mögen, was über einen Zeitraum von acht Jahren fast ausschließlich mit Laien-Darstellern aus Hildesheim und Umgebung entstand. Finanziert durch vier große Benefiz-Veranstaltungen mit reichlich Prominenz u.a. im Hamburger Thalia-Theater und im Berliner Ensemble sowie einer Spendensammlung nach Art des „Crowdfunding“, als dieser Begriff noch gar nicht existierte. Und dennoch: diese „Reise ins Glück“ ist ursprüngliches Kino pur.
Pitt Herrmann