Bedenkzeit

DDR 1985/1986 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Feierabend, es ist schon dunkel. Nachdem der Kunsthändler Boltenhagen sein Geschäft abgeschlossen und noch einen prüfenden Blick auf das Arrangement der Auslagen im Schaufenster geworfen hat, begibt er sich auf den Nachhauseweg. In einer Unterführung wird er von einem Motorradfahrer, der ihn offenbar unbemerkt verfolgt hat, über den Haufen gefahren und tödlich verletzt.

Seit einem halben Jahr sitzt Jürgen Seidler in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. Die Anklage lautet auf schweren Raub mit Körperverletzung. Diese stützt sich nicht nur auf eine Reihe von Indizien, zu denen Jürgens Moped als Tatwerkzeug gehört, wobei die verschwundenen 30.000 Mark, die der Händler mit sich geführt haben soll, nicht aufgetaucht sind. Sondern auch auf das Tateingeständnis des Inhaftierten, der jeden Kontakt zur Außenwelt unterbunden und etwa die Briefe seines Vaters ungeöffnet zurückgeschickt hat. Was bei seinem empathischen Zellengenossen Oswin, genannt „Ossi“, auf völliges Unverständnis stößt.

Was Ossi gänzlich auf die Palme bringt, ist Jürgens Weigerung, der dringenden Bitte seiner Schwägerin, der Krankenschwester Veronika, nachzukommen und an der Beerdigung seines Vaters teilzunehmen. Es bedarf allseitigen Drucks, bis Jürgen an der Seite seines älteren Bruders, des KfZ-Werkstattinhabers Peter Seidler, den Trauerzug anführt, naturgemäß unter den wachen Augen von Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Lutz Zimmermann. Letzterer hat den Fall von Ersterem übernommen und ist, obwohl die Staatsanwältin drängt, nicht der Ansicht, dass der wahre Täter bereits gefunden ist.

Jürgen bekommt mit, dass seine Schwägerin die Scheidung eingereicht hat und samt Kind ausgezogen ist, weil Peter nun mit der feschen Kellnerin Claudia Ziegler liiert ist. Sogleich widerruft er in einem Brief an die Staatsanwaltschaft sein Geständnis und gibt an, zur Tatzeit im Kino gewesen zu sein. Das Motorrad sei ihm gestohlen worden. Als Zeugen benennt Jürgen den Lebensmittelhändler Eggert, der ihn bei einer Gegenüberstellung auf der Volkspolizei-Wache tatsächlich identifiziert.

Ossi vermutet, von Zimmermann befragt, dass Peter, der kein Alibi hat, der Täter gewesen ist und sein Bruder ihn nur decken wollte. Als der Oberleutnant nach dieser Aussage die Brüder miteinander konfrontiert, zieht Jürgen sein Schreiben zurück, will seine Strafe absitzen. Doch da seine Unschuld bewiesen ist, kommt Jürgen auf freien Fuß und wird von der schwangeren Veronika am Gefängnistor in Empfang genommen. „Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich“: Jürgens Einsicht kommt spät, aber noch nicht zu spät.

Zimmermann erinnert sich an einen „berühmten Film“, Carol Reeds „Der dritte Mann“ von 1949 bleibt ungenannt, und lässt die Kanalisation in Tatortnähe untersuchen. Nachdem ein umfangreiches unterirdisches Warenlager mit Diebesgut aus zahlreichen Einbrüchen entdeckt worden ist, wird es von der Polizei überwacht: Die beiden Kfz-Schlosser Elmar Raude und Reinhold Banner aus Peter Seidlers Werkstatt tappen in die Falle. Endlich kommt auch Licht in den Moped-Diebstahl, welcher der Tat gezielt vorausging...

Der Fernsehfilm „Bedenkzeit“ aus der populären „Polizeiruf 110“-Reihe ist nicht nur ein an Wendungen reicher spannender Kriminalfilm, sondern auch eine Coming-of-Age-Geschichte, in der Jürgen auf schmerzhafte Weise lernt, sich von seinem um einiges älteren, bislang stets bestimmenden Bruder Peter abzunabeln.

Pitt Herrmann

Credits

Director of photography

Editing

Cast

All Credits

Assistant director

Script editor

Director of photography

Assistant camera

Lighting design

Prop master

Make-up artist

Costume design

Editing

Assistant editor

Audio mixing

Cast

Unit production manager

Shoot

    • 15.05.1985 - 05.06.1985: Greifswald, Schwerin, Görlitz
Duration:
72 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
Orwocolor, Mono
Screening:

Uraufführung (DD): 06.07.1986, DDR1

Titles

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DD) Bedenkzeit

Versions

Original

Duration:
72 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
Orwocolor, Mono
Screening:

Uraufführung (DD): 06.07.1986, DDR1