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Ursprünglich für den Start des Farbfernsehens in der DDR gedacht, entstand "Der kleine Prinz" 1965/66 als Produktion der DEFA im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks. Dieser versäumte es jedoch, die Rechte an der literarischen Vorlage von Antoine de Saint-Exupéry einzuholen, sodass der Film bis 2014 nur zweimal öffentlich zu sehen war. Seit Anfang 2015 sind die Rechte am Werk von Saint-Exupéry jedoch frei, und so kann dieses nachdenklich-charmante "Märchen für Erwachsene" nun gezeigt werden. Wolf siedelt die Geschichte vom in der Wüste abgestürzten Piloten und dem kleinen Prinzen in einer betont künstlichen Kulissenwelt an.
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Beide haben sich in der ansonsten menschenleeren Wüste getroffen, in welcher der Pilot sein Flugzeug mit Maschinenschaden notlanden musste. Der kleine Prinz stammt von einem Asteroiden, also einem anderen Stern im schier unendlichen Weltraum, der „kaum größer als ein Haus“ ist. Und weil er die Sonnenuntergänge so sehr liebt, rückt er seinen Stuhl daheim ein paarmal so zurecht, dass er bis zu 43 von ihnen an einem Tag erleben kann – so klein ist die Kugel, auf der er lebt.
Der kleine Prinz erzählt von seiner geliebten Blume, der er jeden Tag Wasser gibt. Und von den Stationen seiner Reise auf der Suche nach Freunden, die den unbefangenen kleinen Kerl zunächst zu einem Geschäftsmann führt, der nur Zahlen im Kopf hat und Kugeln auf einer altertümlich anmutenden Rechenmaschine hin- und herschiebt. Was für ihn zählt, ist allein das Zählen von Geld, das Kapital.
Da kann der Laternenanzünder schon eher ein Freund des kleinen Prinzen werden, denn der hat nicht nur einen sehr verantwortungsvollen, der Allgemeinheit dienenden Beruf, sondern hat es bei manchen Sternenkonstellationen im Verhältnis zur Sonne so schwer wie Sisyphus: dauernd muss er das Licht anzünden, um es sogleich wieder auszupusten. Schließlich arbeitet er nach Weisung, und Weisung ist Weisung. Sagen alle Bürokraten – und sagen zu allem Ja und Amen.
Bloß weg auf die Erde, hat sich der kleine Prinz gedacht, denn dort soll es Menschen geben. Die Reise hat ihn schließlich auf den Blauen Planen geführt, allerdings in die menschenleere Wüste. In der er immerhin einer Schlange (in Lack und Leder: Inge Keller ein Aufreger in vielfacher Hinsicht) begegnet ist. Und besagtem Fuchs, der ihm eine Blumenwiese mit 50.000 farbenprächtigen Exemplaren gezeigt hat. Doch keine von ihnen ist so schön wie seine einzige Blume daheim, findet der freundliche Außerirdische. Worin ihm der Fuchs mit einem der berühmtesten Aussprüche der Literaturgeschichte Recht gibt.
Weil der Fuchs vom kleinen Prinzen gezähmt werden will, damit endlich Abwechslung in sein eintöniges, ganz von der Hühnerjagd geprägtes Leben kommt, zieht Letzterer weiter - und begegnet dem ersten Menschen. Im Gegenzug berichtet auch der Flieger von seinem Leben. Auch er sei schließlich vom Himmel gefallen, allerdings stamme er nicht von einem anderen Planeten. Ursprünglich habe er ein Maler werden wollen, was aber bei seinen Eltern keine Gegenliebe fand. Zumal er in ganz jungen Jahren immer nur ein merkwürdiges Gebilde zustandegebracht hat, dass niemand als einen von der Schlange gefressenen Elefanten erkannt hat.
Dennoch – oder gerade deshalb? - bittet ihn der kleine Prinz, ihm ein Schaf zu zeichnen, das er mit auf seinen Stern nehmen kann. Aber bitte nicht mit Hörnern, denn dann handelt es sich ja um einen Widder. Sondern mit einem Maulkorb, der Blume wegen, und mit einem Zaun drumherum, damit es nicht weglaufen kann. Und dann endet die Geschichte wie sie begann, mit einem schmalzigen Liebeslied aus der Feder von Kiril Zibulka, im Off gesungen von Manfred Krug.
Bis auf die Rahmenhandlung, die mit dokumentarischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von zerstörten Städten, von verwundeten und traumatisierten Kindern und Familien auf der Flucht einen Bezug zum Zweiten Weltkrieg herstellt, folgt Konrad Wolf streng der literarischen Vorlage von Antoine de Saint-Exupery, die erst Mitte der 1960er Jahre in der DDR erschienen war. In stark stilisierten, den Zeichnungen des Autors nachempfundenen Kulissen agiert Christel Bodenstein, die Prinzessin aus „Das singende, klingende Bäumchen“ und Ehefrau des Regisseurs, in einer Hosenrolle als Titelheld.
Als repräsentative Produktion für den Start des DDR-Farbfernsehens vorgesehen, scheiterte die Ausstrahlung des Films, den Konrad Wolf selbst für misslungen hielt, an der versäumten Einholung der Rechte sowohl an der literarischen Vorlage als auch ihrer deutschen Übersetzung. Die Erstausstrahlung im Fernsehen erfolgte daher erst am 21. Mai 1972, ein erster Kinoeinsatz, mit dem Erlöschen sämtlicher Rechte möglich geworden, sogar erst im Dezember 2015 innerhalb der Defa-Filmreihe „Sturm und Zwang“ im Berliner Zeughauskino.
Pitt Herrmann