Summary
My Blind Date With Life
Film adaptation of Saliya Kahawatte's eponymous autobiography: At age 15, Saliya Kahawatte almost entirely loses his eyesight. Albeit nearly blind, his faith in life remains unbroken and he is unwilling to be put down as "disabled" by society. Without a white cane or other aids he feels his way through life, compensating his lack of ability to see by sharpening the remaining senses. He graduates from a regular high school, finishes a training as a hotel clerk, studies hotel management und starts working as a waiter in a five-star hotel – without anyone realizing that he is practically blind. For 15 years he succeeds in his career and nobody is the wiser.
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„Pause machen kann ich nach dem Abi“: Gegen den Widerstand seines Vaters, der ihn auf eine Spezialschule schicken will, büffelt Sali mit seiner Schwester rund um die Uhr fürs Abi, das er mit dem Notendurchschnitt 2,7 besteht – ohne jeden Behindertenbonus. Auch sein Vater ist nun stolz auf ihn, kann das aber nicht offen zeigen. Im Gegenteil, er zieht sich immer mehr von seiner Familie zurück. Seit seinem Schülerpraktikum in einer Hotelküche ist für Sali klar, dass für ihn nur eine aufregende Karriere in einem Luxus-Hotel in Frage kommt. Auch wenn ihm der Berufsberater des Arbeitsamtes rät: „Hören Sie auf zu träumen.“ Sali erwähnt in seinen Bewerbungsschreiben sein Handicap einfach nicht – und wird vom Bayerischen Hof in München, einem der besten Hotels der Republik, zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Dessen Personalleiter Fried, ein harter Hund mit weichem Herz, die dreihundert Bewerber im Stundentakt antreten lässt. Zeitgleich mit Sali trudelt der sympathische Hallodri Max Schröder ein, also um exakt sechzig Minuten zu spät. Doch Sali hilft ihm mit einer Notlüge aus der Patsche und so machen beide gemeinsam die Runde zu ihren künftigen Ausbildern, bei denen sie wenig zu lachen haben werden – vom peniblen Küchenchef Krohn bis hin zum pedantischen Restaurantleiter Kleinschmidt, der auch Herrscher über die gut bestückte Hotelbar ist. Beide erhalten einen Ausbildungsvertrag – und werden Freunde fürs Leben. Max, gelangweilter Sohn eines Münchner Restaurantbesitzers, der nicht wirklich davon träumt, einmal den väterlichen Edelschuppen zu übernehmen, bleibt nicht verborgen, warum Sali ständig ans Mobiliar aneckt oder über Kleinigkeiten stolpert.
Plötzlich sieht der verwöhnte Draufgänger für sich eine Aufgabe, die ihn herausfordert. Die erste schier unüberwindliche Hürde: Sali soll an der Aufschnittmaschine italienische Mortadella so hauchdünn schneiden, dass man eine Zeitung durch die Scheiben lesen kann. Doch nicht nur der aus Afghanistan geflüchtete Spüler Hamid, den er immer wieder bei Behördenangelegenheiten unterstützt, sondern auch der Küchenchef Krohn selbst erweisen sich als verständnisvolle Helfer. An der Rezeption kann Sali seine Stärken voll ausspielen: Seine Freundlichkeit, seine Eloquenz, sein Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt sein phänomenales fotografisches Gedächtnis für Stammkunden und ihre Vorlieben. So könnte es von Station zu Station weitergehen, hätte sich Sali nicht in Laura verliebt, die beinahe täglich frische Ware vom elterlichen Biohof anliefert. Als Max herausbekommt, dass die alleinerziehende Mutter schon einen Freund hat, zieht Sali sich enttäuscht zurück, obwohl ihm Laura durchaus Interesse signalisiert hat.
Und dann landet er auch noch in der Bar beim Menschenschinder Kleinschmidt, der Sali nur abschätzig „Krawatte“ nennt. Nachts lernt er zusammen mit Max die exakten Positionen der veritablen Flaschenbatterien der Alkoholika aus aller Welt auswendig – und in einem Betrieb aus dem verzweigten Schröder-Imperium das Mixen exotischter Cocktails. Auch mit Laura könnte endlich 'was laufen, hat sie sich doch nun ganz offiziell von ihrem Freund getrennt. Ein erstes Date in einem der Restaurants, die dem Vater von Max gehören und wo Sali sich blind auskennt, gibt Hoffnung. Doch als Sali einmal auf ihren fünfjährigen Sohn Oskar aufpassen soll und ihn im Gewimmel des Abenteuerspielplatzes aus den Augen verliert, zieht die entsetzte Laura einen Schlussstrich. Und Sali zieht nachts durch die Kneipen der Isar-Metropole: Er ist bereit, alles hinzuschmeißen, zumal ihn auch die Nachricht erreicht hat, dass sein Vater die Familie im Stich gelassen hat und nach Sri Lanka zurückgekehrt ist. Max hat die rettende Idee einer allseits ernüchternden Mutprobe: Auf BMX-Rädern einen Berghang herunter – und dann zu den Abschlussprüfungen...
In „Mein Blind Date mit dem Leben“ tauchen die Zuschauer höchst kurzweilig in die besondere Welt des Saliya Kahawatte ein: Bernhard Jasper und Frank Heidbrink lassen uns mit Salis Augen die Räume durchmessen und mit seinem ausgezeichnet ausgebildeten Gehör Menschen, die er nicht wirklich sehen kann, wahrnehmen. Marc Rothemund hat seinen auf einer unglaublichen und doch wahren Geschichte beruhenden Film „eine Tragikomödie mit Feelgood-Faktor“ genannt. Er ist weit mehr, nämlich zuerst einmal eine großartige und grandios gespielte Buddy-Komödie, die zu Tränen rührt – zu Tränen des Lachens.
Kostja Ullmann ist von Saliya Kahawatte in einem Hamburger Luxushotel auf seine Rolle vorbereitet worden. Dabei trug der Schauspieler eine Simulationsbrille, die ihm 95 Prozent des Sehvermögens nahm. Kahawatte, der als Jugendlicher durch die schwere Augenkrankheit Morbus Behcet einen Großteil seines Sehvermögens verlor, über den Hauptdarsteller: „Kostja wollte alles im Detail begreifen. Am Ende unserer Drehvorbereitungen benutzte er seine Finger als Tastwerkzeuge beim Eindecken von Tischen und beim Schneiden von Gemüse. Kostja konnte tatsächlich mit seinen Ohren sehen.“ Free-TV-Premiere war am 14. Oktober 2018 auf Sat 1.
Pitt Herrmann