Troubadour: Miserere Nr. 80 (1909)

Troubadour: Miserere Nr. 80 (1909)
14.11.2017 | 03:11 min
Deutsche Bioscope GmbH (Berlin)
Tonbilder

Quelle: Deutsches Filminstitut - DIF / Sammlung Neumayer

Tonbild zum Duett mit Chor aus dem Vierten Akt von Verdis Oper "Der Troubadour": "Quel suon, quelle preci" ("Misere" oder "Hab Erbarmen, o Herr, mit einer Seele"). Die Oper wurde 1853 in Rom uraufgeführt. Die "Misere" ist die letzte große Liebeserklärung von Leonora und Manrico, bevor deren dunkles Schicksal seinen Lauf nimmt. Leonora, auf der Tonaufnahme von Elsa Band gesungen, wird hier von der Darstellerin verkörpert, die üblicherweise als Hauptdarstellerin in Opern-Tonbildern von der Deutschen Bioscope GmbH eingesetzt wurde. Manrico, von Leo Slezak interpretiert, befindet sich im Gefangenenturm und im Film nicht zu sehen. Dasselbe Hintergrundmotiv wurde von Deutsche Bioscope auch als stimmungsvoller Hintergrund einer Universitätsstadt im Tonbild zu Franz von Suppés Operette "Flotte Bursche" verwendet.

Tonbild ist die Bezeichnung für frühe Kinofilme mit Synchronton (aufgezeichnet und abgespielt im Nadeltonverfahren). In Deutschland begann die Produktion der Tonbilder um 1903: Die Kamera filmte Schauspieler im Playback-Verfahren zu einer auf Schellackplatte vorliegenden Tonaufnahme. In der Kinovorführung wurde der (normalerweise noch handgekurbelte) Projektor mit dem Grammophon synchronisiert. Die kurzen Filme zeigten vorzugsweise beliebte Musikstücke aus Oper, Operette und Revue. Es entstanden sogar spezielle Tonbild-Theater für das extrem populäre Genre. Noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 endete die kurze Ära des Tonbildes wieder. Um 1908 in großer Zahl gedreht, gehören sie heute zu den Raritäten des frühen Filmerbes.