Stars und Sternstunden der Ufa

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Stars und Sternstunden der Ufa

Mitte der 1920er Jahre, als der Gründer und Direktor der Decla, Erich Pommer, zur Ufa stieß, erlebte die Ufa (und mit ihr der deutsche Stummfilm) ihre international bejubelte Hochphase. Fritz Lang drehte seinen Zweiteiler "Die Nibelungen" (1922-24) und bald darauf seine damals zwar finanziell erfolglose, dafür jedoch künstlerisch und filmhistorisch ungemein einflussreiche Zukunftsphantasie "Metropolis" (1925/26). Friedrich Wilhelm Murnaus "" (1924) mit Emil Jannings in der Rolle eines alten stolzen Portiers, der in die Herrentoilette versetzt wird und mit seiner Uniform auch seinen Lebensinhalt verliert, wurde in den USA gefeiert, ebenso E. A. Duponts "Varieté" (1925), erneut mit Jannings in der Hauptrolle. Kurzerhand wurden Murnau und Jannings nach Hollywood verpflichtet, wo Jannings 1927 mit dem ersten Oscar ausgezeichnet wurde. Beider Abschiedsgruß für die Ufa wurde – nach Murnaus "Tartüff" (1925) mit Werner Krauß und Lil Dagover neben Jannings – die nicht minder gelungene Filmversion des "Faust" (1926).

Quelle: DIF, SDK
Emil Jannings und Yvette Gilbert in "Faust" (1926)
 

Hatte bis Anfang der 1920er Jahre die Ufa im Atelier Tempelhof produziert, wurde nach der Übernahme von Pommers ehemaliger Konkurrenzfirma Decla-Bioscop im November 1921 deren Filmgelände von Neubabelsberg zum Zentrum der Ufa-Produktionen. Im Herbst 1924 schilderte ein Fachbesucher die Aktivitäten auf dem Gelände Neubabelsberg folgendermaßen: "Zur Zeit stehen eine große Anzahl Bauten auf dem Gelände (...), wie der düstere 'Turm des Schweigens' (Regie: Dr. Guter) aus dem gleichnamigen Film und das Innere des höchsten Turmgemaches, das im Atelier 1 aufgebaut ist. Aus der 'Chronik von Grieshuus' (Regie: v. Gerlach) sind der Burghof mit seiner packenden Romantik und seinem trübe schillernden Burggraben, das einsame, ginsterüberwachsene Heidehaus und die Dorfkirche mit ihrem verfallenen Kirchhof aus dem gleichen Film noch nicht abgebrochen, und von weither, schon vom Eingang herüber, grüßt die Mauer aus den "Nibelungen", an welcher die Hunnen emporkletterten (Regie: Fritz Lang), und hinter einem Gebüsch guckt noch der (nun tote) Drache hervor. Gehen wir weiter, so sehen wir die gigantische, 60 m hoch als Freibau aufgeführte Hinterhausmauer aus dem "Letzten Mann" (Regie: F. W. Murnau), die mit ihren zahllosen Fenstern und ihrer unendlichen Monotonie die Großstadt verkörpern soll und Jannings eine Folie zu seiner Kunst gegeben hat. Zu demselben Film gehört auch der Großstadtplatz mit seinem Riesenhotel, das in Wirklichkeit nur aus 4 Stockwerken besteht, im Film aber als Wolkenkratzer erscheinen wird. (Fabrikationsgeheimnis!) 60 Autos, richtige und Modelle, sind über die Straßenkreuzung gefahren, und bewunderungswürdig ist ihr perspektivischer Aufbau." (A. Kossowsky, Film-Kurier, 25.9.1924). So stieg Neubabelsberg zum unbestrittenen Zentrum der deutschen, wenn nicht der europäischen Filmproduktion auf, was 1926 durch die Errichtung der Großen Halle unterstrichen wurde – des "größten Filmateliers Europas".

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