Macht und Omnipräsenz: Die vertikale Struktur der Ufa

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Macht und Omnipräsenz: Die vertikale Struktur der Ufa

Weil die Ufa nicht nur als Produktion, sondern auch als Filmverleih und als Kinobetreiber Gewinne einstrich, sicherte sie ihre Vormachtstellung. Das Verleihprogramm umfasste auch Filme fremder Produktionsgesellschaften, überdies hatte man über Beteiligungen zahlreiche kleinere Firmen an sich gebunden. Im Rückblick wird so leicht übersehen, dass unter dem Ufa-Signet nicht nur die Klassiker von Ernst Lubitsch, Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau herauskamen, sondern auch am Fließband produzierte Lustspiele, mittelmäßige Importware oder von deutschen Kleinproduzenten lizensierte Filme. Ein Beispiel für die übergreifenden Aktivitäten des vertikal strukturierten Konzerns ist "Fridericus Rex" (1921): ein reaktionärer Historienfilm, der den Alten Fritz glorifizierte und unverkennbar antirepublikanische Tendenzen aufwies. Regisseur Arsen von Cserépy hatte den Film selbst produziert, die Ufa nahm ihn in den Verleih und schloss, als sich der Erfolg abzeichnete, mit der Cserépy-Film-Company mbH einen Produktionsvertrag. Sofort wurde ein zweiter Teil nachgeschoben, ein dritter und ein vierter folgten – zahlreiche andere Fridericus-Filme, immer mit Otto Gebühr in der Hauptrolle, schwammen im Fahrwasser des Erfolgs. "Fridericus Rex" blieb, obschon keine Ufa-Produktion, im Bewusstsein der Öffentlichkeit bis heute mit dem Namen Ufa verbunden.

Quelle: DIF
F.W. Murnau gibt Regieanweisungen an Emil Jannings bei den Dreharbeiten zu "Faust" (1926) - hinter der Kamera: Erich Grohmann

Ihr Kino-Standbein hatte sich die Ufa schon bei ihrer Gründung mit der Übernahme der U.T. (Union Theater) Lichtspiele gesichert: So verfügte sie über ein Netz von 40 über ganz Deutschland verteilten Kinos. Fünf Jahre später hatte sich der Theaterpark verdoppelt, und die Expansion ging weiter. In Berlin gehörten der Ufa bald die Premierenkinos am Kurfürstendamm und um die Gedächtniskirche, z.B. der Ufa-Palast am Zoo, das Capitol, der Gloria-Palast und das elegante Marmorhaus. In Hamburg besaß die Ufa bereits das Lessing-Theater am Gänsemarkt, als man eine Ecke weiter das größte Kino Europas baute, den 1929 errichteten Ufa-Palast mit 2.667 Plätzen. Von dem Capitol in Aachen und dem Odin-Palast in Barmen bis zum Ufa-Palast in Wiesbaden und den Luitpold-Lichtspielen in Würzburg: Ufa-Kinos gab es überall im Reich. Und wenngleich man auch das Wort von der Monopolstellung zurechtrücken muss (die Ufa-Betriebe machten nicht einmal 10 Prozent aller Abspielstätten aus), so trugen doch die größten und schönsten Filmtheater im Ort fast immer das berühmte Rhombus-Markenzeichen der Ufa. Wo immer deutsche Filme gezeigt wurden, war die Ufa zur Stelle. Auf den Überseedampfern der Hapag richtete man das Ufa-Bordkino ein. Die abgerissenen Auslandsbeziehungen wurden wieder aufgebaut: Ufa-Filialen in Frankreich, Holland, Italien, New York, Polen, Schweden, Österreich, Ungarn usw. Die Ufa Handelsgesellschaft versorgte die Kinos mit Projektionsgeräten und Zubehör, den Schulen bot man spezielle Vorführgeräte für Schmalfilme an. Der Konzern verfügte über eine Abteilung für Werbe- und Industriefilme sowie über eigene Kopierwerke – die Afifa, Aktiengesellschaft für Filmfabrikation, in Berlin. Selbst die Auswertung der Nebenrechte sicherte sich die Ufa über ihren Buchverlag, über Zeitschriften und die beiden Musikverlage Ufaton und Wiener Boheme.

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