Frühe DEFA-Klassiker

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Frühe DEFA-Klassiker

Bereits 1951 war Falk Harnacks "Das Beil von Wandsbek" (nach dem Exil-Roman von Arnold Zweig) verboten worden. Erst 1962 wurde diese DEFA-Produktion mit erheblichen Schnitten freigegeben, weil Erwin Geschonnecks differenzierte Darstellung eines Metzgers, der zum Nazi-Henker wird, nicht der offiziellen Schwarzweiß-Malerei entsprach. Die Unterdrückung von "Das Beil von Wandsbek" markierte das Ende einer Periode, die in nur fünf Jahren einige Klassiker des deutschen Films hervorgebracht hatte. Der erste dieser einmaligen Serie war Wolfgang Staudtes Anti-Nazifilm "Die Mörder sind unter uns", dessen Dreharbeiten im Althoff-Atelier bereits am 16. März 1946 begonnen hatten, noch vor der offiziellen Gründung der DEFA. Stilistisch greift "Die Mörder sind unter uns" auf die Tradition der expressionistischen Lichtführung der 1920er Jahre zurück. Die Kamera führten die seit vielen Jahren bewährten Friedl Behn-Grund und Eugen Klagemann. Das Dilemma der frühen DEFA bestand darin, wie man auf die "Ufa-Tradition" der Nazi-Filme reagieren sollte und wie man antifaschistische Geschichten produzieren konnte mit vielen Technikern und Künstlern, die in der Filmindustrie des "Dritten Reichs" Karriere gemacht hatten – für ein Publikum, das den glatten Zerstreuungsstil des Nazi-Kinos gewöhnt war.

Quelle: DIF© DEFA-Stiftung
Szenenfoto "Das Beil von Wandsbek" (1951)
 

In seinem ersten Spielfilm, Ehe im Schatten von 1947, erzählt Kurt Maetzig die an das Schicksal von Joachim Gottschalk angelehnte Geschichte eines Schauspieler-Ehepaars, das wegen der antisemitischen Verfolgung durch die Nazis in den Selbstmord getrieben wird. Der Film wurde in allen vier Besatzungszonen gezeigt und erreichte in drei Jahren über zehn Millionen Besucher. Bei der Aufführung in Hamburg wurde der NS-Regisseur Veit Harlan des Kinos verwiesen; dabei stammte die Musik zu "Ehe im Schatten" von Wolfgang Zeller, der 1940 auch die Musik zu Harlans Hetzfilm "Jud Süß" komponiert hatte. Der Produktionsplan der ersten Jahre war eine Mischung aus Unterhaltungsware und einigen interessanten Experimenten. So verknüpfte Gerhard Lamprecht mit "Irgendwo in Berlin" 1946 seinen erfolgreichen Jugendfilm "Emil und die Detektive" (1931) mit der Realität des zerstörten Berlin, indem die erwachsene Zentralfigur in beiden Filmen durch Fritz Rasp verkörpert wurde. In "Freies Land" versuchte Milo Harbich 1946 eine Synthese aus Stilelementen des sowjetischen Revolutionsfilms mit pädagogischen Traktaten zur Bodenreform; "Und wenn"s nur einer wär" von Wolfgang Schleif (Harlans ehemaliger Assistent) handelt vom Umgang mit "verwahrlosten" Jugendlichen. Die wichtigsten Filme benutzten historische Ereignisse, um zeitgenössische Probleme zu verhandeln. Erich Engels "Affaire Blum" schilderte 1948 ein authentisches Verbrechen der frühen 1930er Jahre, als die Behörden einen Mordfall "lösten", indem sie bewusst einen unschuldigen Juden verurteilten.

Quelle: DIF© DEFA-Stiftung
Werner Peters in "Der Untertan" (1951)
 

Kurt Maetzigs "Die Buntkarierten" und Wolfgang Staudtes "Rotation" präsentierten 1948/49 einen neuen Zugang zur deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sie anhand proletarischer Familien schilderten statt wie bisher vorherrschend aus bürgerlicher Perspektive. 1949/50 zeigten Maetzig und der Schriftsteller Friedrich Wolf in "Der Rat der Götter" die engen Verbindungen des Chemie-Giganten IG Farben mit den Nazis. Staudtes "Der Untertan", eine bissige Satire von 1951 nach dem Roman von Heinrich Mann über das deutsche Spießbürgertum, war in Westdeutschland jahrelang verboten. Diese Ära der DEFA endete um 1950, als nach Gründung der DDR die gebildeten und eher liberalen sowjetischen Kontrolleure und Filmoffiziere das Land verließen und die DEFA von deutschen Stalinisten wie Generaldirektor Sepp Schwab übernommen wurde.

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