Die X-Filme-Story in Bildern und Zitaten

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Die X-Filme-Story in Bildern und Zitaten
Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
Franka Potente in "Der Krieger und die Kaiserin"
 

Berlin, Juli 1994: Die drei Regisseure Wolfgang Becker, Dani Levy und Tom Tykwer und der Filmwirtschaftler Stefan Arndt gründen gemeinsam die Produktionsfirma X-Filme Creative Pool. Man will die Isolation von Regisseuren, Autoren und Produzenten überwinden. Zehn Jahre später besitzen X-Filme einen First-Look-Deal mit der amerikanischen Miramax, und haben den eigenen X-Verleih. "1994 war der absolute Tiefpunkt des deutschen Films, sowohl was den Marktanteil als auch die Inhalte betraf. Da haben sich etliche Berliner Regisseure regelmäßig getroffen, um über die Problematik zu reden – das war teilweise konstruktiv, teilweise auch eine Jammerbude. Es war auch eine Zeit der Verzettelung, die mit der Gründung von X-Filme ihr Ende fand." (Wolfgang Becker)

Eins, zwei, drei,...x Filme

Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
Dani Levy und Maria Schrader in "Meschugge"
 

"Wir sind sehr verschieden, aber wir bekennen uns zu allen unseren Filmen, auch wenn wir Hardcore-Kritiker sind und uns nicht mit Streicheleinheiten verwöhnen. X-Filme besteht aus vier individuellen Köpfen, die wir uns manchmal heiß reden oder auch einrennen. Aber die Konflikte laufen nicht auf der Erfolgs-, sondern auf der Inhaltsebene." (Dani Levy) "Wir sind nicht auf der deutschen Komödienwelle mitgeschwommen oder haben Remakes von deutschen Filmen hergestellt. Wir suchen authentische Stoffe, die in Deutschland spielen oder mit Deutschland zu tun haben, aber international funktionieren. Ziel ist ein anspruchsvolles Independent-Autorenkino, das eher in der Tradition der amerikanischen Independents liegt." (Stefan Arndt)

Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
Jürgen Vogel in "Das Leben ist eine Baustelle"
 

"Gemeinsam ist man stärker, man kommt aus der Vereinzelung heraus, es gibt ein konstruktives Korrektiv, das notwendige Feedback. Tom Tykwer und ich haben gemeinsam das Drehbuch zu "Das Leben ist eine Baustelle" geschrieben, der erste Fall konkreter Zusammenarbeit. Man ist auch nicht mehr so schnell spaltbar. Das beginnt mit ganz simplen Vertragsangelegenheiten." (Wolfgang Becker) "Normalerweise ist die Filmbranche ein Haifischbecken: Jeder bemüht sich, dem anderen die Flosse abzubeißen. Das Gute bei X-Filme ist, dass wir über unsere Projekte in aller Freundschaft reden können. Durch diese Konstellation können wir auch schwierigere Stoffe durchsetzen, Geschichten, die über das Alltägliche hinausgehen und auch international verständlich sind. Mit Budgets zwischen sechs und zehn Millionen Mark muss man Geschichten erzählen können, die auch für andere Länder von Interesse sind." (Stefan Arndt)

Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
Wolfgang Becker (rechts) am Set von "Good Bye, Lenin!"
 

"Ich glaube nicht, dass wir immer nur krasse, wahrhaftige, authentische Filme machen müssen. Trotzdem interessiert mich im Moment genau das." (Wolfgang Becker) "Die Bündelung von Interessen hilft. Man berät sich untereinander, diskutiert bis zur Schmerzgrenze. Man darf nicht nur in Harmonie machen, sondern muss sich auch schon mal hart ins Gewissen reden. Wir haften alle persönlich für den Film des anderen. Wenn einer von uns seinen Film in den Sand setzt, sind alle pleite. Das ist schon eine Art von Verbindlichkeit, die ich als Stärke empfinde, weil wir gemeinsam hinter unseren Filmen stehen." (Tom Tykwer)

Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
Giovanni Ribisi und Cate Blanchett in "Heaven"
 

"Das Schöne an dieser Firma ist, dass wir unberechenbar sind. Man braucht sich nur "Lola rennt" und "Meschugge" ansehen: zwei völlig unterschiedliche Filme im gleichen Jahr von der gleichen Firma. Das macht eine Firma sehr offen, trotzdem gibt es eine gemeinsame Sprache." (Dani Levy) "Es gibt kaum starke Stoffe, kaum starke Scripts, nicht, weil es keine Ideen gibt, sondern weil sich keiner traut, sie wirklich zu Ende zu denken oder zu Ende zu entwickeln. Natürlich lieferst du dich mehr aus, wenn du an deine Substanz gehst, und bist nachher auch angreifbarer. Und wenn der Film schiefgeht, ist es natürlich verheerender. Wenn aber der Film gelingt, ist es eben genau das, was wir brauchen." (Tom Tykwer)

Quelle: X-Filme Creative Pool, DIF
"Absolute Giganten": Jochen Nickel (links); Florian Lukas, Frank Giering (von rechts)
 

"Wir schaffen es langsam auch besser, uns selbst die Produktionsheimat so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen: über die Budgets Kontrolle zu haben, auch über die Verwendung des Geldes, mit entscheiden zu können, wie stark die Firma ins Risiko geht oder nicht. Wir haben niemanden auf der anderen Seite des Tisches, der in seine eigene Tasche wirtschaften will, dessen Interesse in erster Linie ein finanzielles und nicht ein inhaltliches ist." (Dani Levy) "Das Kinopublikum ist bereit, sich auch anspruchsvolle deutsche Filme anzusehen. Und wir sind gefordert, sie zu liefern, um dem Anspruch, den wir proklamieren, auch gerecht zu werden. Jetzt ist unsere Chance." (Tom Tykwer)

Zit. nach: Michael Töteberg (Hg.): "Szenenwechsel. Momentaufnahmen des jungen deutschen Films". Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999

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