2002

Titel

2002

1. Januar
In 15 europäischen Ländern wird der Euro (€) als gemeinsame Währung eingeführt.

1. Februar
Hildegard Knef, 75, stirbt in Berlin. Sie machte drei Karrieren: als Schauspielerin ("Die Mörder sind unter uns", "Die Sünderin"), als Buchautorin ("Der geschenkte Gaul") und als Sängerin (am Broadway und in eigenen Shows). Sie wird am 7. Februar unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen.

6. - 17. Februar
Bei der ersten Berlinale unter Leitung von Dieter Kosslick wird eine neue Sektion etabliert: "Perspektive Deutsches Kino", geleitet von Alfred Holighaus. Auch im Wettbewerb sind deutsche Filme sehr präsent: "Halbe Treppe" von Andreas Dresen (Silberner Bär), "Der Felsen" von Dominik Graf, "Baader" von Christopher Roth. Eröffnet wird das Festival mit Tom Tykwers "Heaven".

12. März
Der Kameramann Heinz Pehlke, 79, stirbt in Berlin. Er brachte in den westdeutschen Nachkriegsfilm einen realistischen Touch, zum Beispiel in "Die Halbstarken" (1956) von Georg Tressler

27. März
In Hollywood stirbt – im hohen Alter von 95 Jahren – der Autor und Regisseur Billy Wilder, der 1929 in Berlin seine Karriere begonnen hatte und 1933 aus Deutschland emigrieren mußte.

8. April
Deutschlands größter Medienkonzern, die "Kirch-Gruppe", meldet Insolvenz an. Der Filmhändler Leo Kirch mit seinen Konzerntöchtern Beta, Taurus, ProSieben, Sat.1, Premiere und seinen Beteiligungen bei Constantin, EM.TV und Springer ist einer der umstrittensten Medienmänner der Bundesrepublik. Die Kirch-Pleite hat tiefgreifende Folgen für die Film- und Fernsehbranche. Der Rechtebestand soll 15.000 Titel umfassen.

14. Juni
Deutscher Filmpreis: Gold für "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link (1,3 Millionen Zuschauer), Silber für "Halbe Treppe" und "Heaven". Ein Ehrenpreis geht an den Regisseur und Produzenten Ottokar Runze. Die Verleihung findet erstmals im Berliner "Tempodrom" statt.

10. Juli
Die Filmkritikerin und Essayistin Frieda Grafe, 68, stirbt in München. In Beiträgen für die "Filmkritik", die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Zeit" hat sie das Denken und Schreiben über Film entgrenzt, indem sie Musik und Literatur, Mode und Philosophie in den Umgang mit Film einbezog. Von ihr stammen die "13 filmischen Momente" in dieser "Geschichte des deutschen Films".

22. August
Die Filmemacherin und Fotografin Leni Riefenstahl feiert ihren 100. Geburtstag.

30. August
Der Filmproduzent Horst Wendlandt, 80, stirbt in Berlin. 37 "Goldene Leinwände", verliehen für Filme mit mehr als drei Millionen Zuschauern, schmückten das Büro seiner Produktionsfirma "Rialto Film". Mit Verfilmungen von Edgar Wallace und Karl May war er schon in den sechziger Jahren ein Mythos geworden.

2. Oktober
Insolvenz der "Ufa-Theater GmbH & Co KG". Mit 38 Filmtheatern, 234 Leinwänden und 55.000 Sitzplätzen ist sie die drittgrößte Kinokette in der Bundesrepublik. Sie kam nach einem Besucherrückgang von 7% und hohen Kapitalkosten in Liquiditätsprobleme.

22. Oktober
Als neue Staatsministerin wird die Literaturwissenschaftlerin Dr. Christina Weiss "Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien". Sie trägt damit – als Nachfolgerin von Julian Nida-Rümelin – auch die Verantwortung für die Filmpolitik des Bundes.

23. Oktober
Die Schauspielerin Marianne Hoppe stirbt im Alter von 93 Jahren in Oberbayern. Ihr Gesicht prägte einige große Melodramen der dreißiger und vierziger Jahre. Werner Schroeter widmete ihr zum Ende ihres Lebens den schönen Porträtfilm "Die Königin" (2000).

12. Dezember
Die Filmkritikerin Brigitte Desalm, 61, stirbt in Köln. Sie schrieb für den "Kölner Stadt-Anzeiger", dessen Filmteil sie zwanzig Jahre leitete, und die Zeitschrift "steadycam" Texte, in denen das Kino auf eindrückliche Art ernst genommen wurde.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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