2001

Titel

2001

1. Januar
Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie und bisher Kulturdezernent der Stadt München, übernimmt als Nachfolger von Michael Naumann das Amt des "Staatsministers für Kultur und Medien". Er ist auch für den Film zuständig.

7. - 18. Februar
Letzte Berlinale unter Leitung von Moritz de Hadeln. Und das letzte "Internationale Forum des jungen Films" unter Ulrich Gregor. Sein Nachfolger Christoph Terhechte gehört schon seit mehreren Jahren zum Team.

11. Februar
17 deutsche Produktionsfirmen gründen die Interessengemeinschaft "Film 20". Sie tritt unter diesem Label künftig als Sprachrohr unabhängiger Produzenten auf. Als Generalsekretärin hat die Journalistin Georgia Tornow das Sagen.

12. Februar
Die Schauspielerin Kristina Söderbaum stirbt 88jährig in Hitzacker. Die gebürtige Schwedin, Typ "Kindfrau", spielte ihre entscheidenden Rollen zwischen 1937 und 1945 in den Melodramen und Propagandafilmen ihres Mannes Veit Harlan. Ihre Autobiografie trug den Titel "Nichts bleibt immer so" (1983).

25. März
"Oscar" für Florian Gallenberger. Sein 36-Minuten-Film "Quiero Ser" gewinnt die Auszeichnung in der Kategorie "Short Film".

1. Mai
Michael Schmid-Ospach wechselt vom WDR in die Leitung der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Dort wird er als neuer Geschäftsführer Nachfolger des künftigen Berlinale-Direktors Dieter Kosslick.

22. Juni
Der Deutsche Filmpreis trägt erstmals den Namen "Lola". Die höchste Auszeichnung erhält der Film "Die innere Sicherheit" von Christian Petzold. Filmpreise in Silber gehen an "Der Krieger und die Kaiserin" und "Crazy". Ein Ehrenpreis wird dem Animationsfilmer Curt Linda verliehen.

25. Juni
Der Regisseur Kurt Hoffmann, 90, stirbt in München. Seine Spezialität waren Komödien. Mit ihnen (beispielhaft: "Das Wirtshaus im Spessart") hat er das westdeutsche Kinopublikum der fünfziger Jahre glücklich gemacht.

11. September
Ein terroristischer Anschlag auf das World Trade Center in New York erschüttert die Welt.

19. Oktober
Premiere des Film "Der Schuh des Manitu" von und mit Michael "Bully" Herbig. Mit zwölf Millionen Besuchern wird die Westernparodie der erfolgreichste deutsche Film nach 1945. "Der nationale Überraschungserfolg im Kino unserer Tage ist ein generationsübergreifendes Sampling synthetischer Bilder des komisch zerfallenden und beständig rekonstruierten Glücks." (Georg Seeßlen).

20. Oktober
Der Filmpublizist und Regisseur Theodor Kotulla, 73, stirbt in München. Für die "Filmkritik" schrieb er über 200 Texte. Ab 1967 drehte er Filme. Sein wichtigster: "Aus einem deutschen Leben" (1977) über den KZ-Kommandanten von Auschwitz.

30. Oktober
Die Filmverleiherin und Produzentin Ilse Kubaschewski stirbt in München. Mit Heimat-, Schlager- und Soldatenfilmen hatte sie in den fünfziger Jahren ihre größten Erfolge. Ihre Maximen hießen: "Keine unsympathischen Charaktere als Hauptfiguren, keine Rückblenden, viele Bilder von der Heimat, und "immer wat zum Lachen"" (Der Spiegel, 1957). Ihr Geburtsjahr hielt sie mit Erfolg geheim.

8. - 17. November
Zum 50. Mal findet das Internationale Filmfest in Mannheim (und Heidelberg) statt. Mit seiner Hinwendung zu "New Independents & Art Films" hat es seit zehn Jahren einen neuen Schwerpunkt gefunden.

1. Dezember
Bei der Vergabe der Europäischen Filmpreise im Berliner Tempodrom ist Deutschland nach langer Pause wieder einmal erfolgreich: mit dem Dokumentarfilm "Black Box BRD" von Andres Veiel.

19. Dezember
Das Unternehmen "Kinowelt Medien AG" stellt in München den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Es wird von 800 Millionen DM Schulden gesprochen – Resultat riskanter Rechtedeals. In der deutschen Medienlandschaft grassiert ein Vertrauensschwund.

31. Dezember
Das Filmjahr endet für die Kinobranche mit einem positiven Ergebnis: 177,9 Millionen Besucher, die besten Zahlen seit der Wende. Der Marktanteil des deutschen Films liegt bei 18,4 Prozent. Das ist dem "Schuh des Manitu" zu danken.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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