2000

Titel

2000

5. Januar
Der Schauspieler und Regisseur Bernhard Wicki, 80, stirbt in München. Sein berühmtester Film ist das Antikriegsdrama "Die Brücke" (1959). Ihm ging es in seinen 14 Regiefilmen immer wieder um Grenzerfahrungen in schwieriger Zeit. Für Produzenten war er anspruchsvoll und bis zur Besessenheit unbequem.

9. - 20. Februar
50. Berlinale. Sie findet erstmals am Potsdamer Platz statt. 12 000 Fachbesucher haben sich akkreditieren lassen, es werden rund 400 000 Zuschauer gezählt. Drei Preise gehen an deutsche Filme: der Spezialpreis der Jury an "The Million Dollar Hotel" von Wim Wenders, der Preis für die besten Darstellerinnen an Bibiana Beglau und Nadja Uhl in "Die Stille nach dem Schuss" und ein Sonderpreis an das Schauspielerensemble in Rudolf Thomes "Paradiso – Sieben Tage mit sieben Frauen". In der Retrospektive geht es um Künstliche Menschen im Film.

Februar
"X Filme Creative Pool" legt sich einen eigenen Verleih zu: "X Verleih". Im Oktober übernimmt die "Senator Entertainment AG" 51 Prozent der Anteile von "X Filme".

7. März
Premiere des Films "Marlene" von Joseph Vilsmaier in Berlin. Das Dietrich-Biopic, produziert für 18 Millionen Mark, wird zu einem denkwürdigen Flop. Die Branche spricht von einem Komplott der Filmkritik.

14. Mai
Uraufführung des Films "Die Unberührbare" von Oskar Roehler in Cannes: der Schwarzweißfilm über das Leben und Sterben einer Schriftstellerin (gemeint ist Gisela Elsner, Roehlers Mutter) porträtiert sehr persönlich und doch paradigmatisch eine Exzentrikerin, die an der deutschen Einigung verzweifelt. In der Hauptrolle: Hannelore Elsner.

16. Juni
50. Verleihung des Deutschen Filmpreises in der Staatsoper Unter den Linden. Den Filmpreis in Gold erhält Oskar Roehlers "Die Unberührbare". Die Filmpreise in Silber gehen an "Sonnenallee" von Leander Haußmann und "Absolute Giganten" von Sebastian Schipper. Mit dem Ehrenpreis wird der Produzent Gyula Trebitsch ausgezeichnet.

9. Juni
Der Regisseur Alfred Weidenmann, 84, stirbt in Zürich. Mit Komödien ("Scampolo") und Biografien ("Canaris") hat er in den fünfziger und sechziger Jahren dem westdeutschen Kino zu Erfolgen verholfen. Sein Autor war häufig Herbert Reinecker. Ab 1972 war Weidenmann vor allem für das Fernsehen tätig.

12. Juni
Der Filmemacher Hellmuth Costard stirbt 59jährig. Aus der Hamburger Coop-Gruppe kommend, entwickelte er seine Projekte auf der Basis von querköpfigen Ideen, technischen Erfindungen und gesellschaftlichen Visionen. Sein Film "Der kleine Godard an das Kuratorium junger deutscher Film" (1978) war reflexiv, autobiografisch und sehr originell.

Juni/Juli
Die Stiftung Deutsche Kinemathek, die Freunde der Deutschen Kinemathek mit ihren Kinos Arsenal 1 + 2 und die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) beziehen das "Filmhaus" am Potsdamer Platz. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Berlinale hat die Filmkultur in Berlin künftig eine gemeinsame Adresse.

31. August
In Berlin wird erstmals ein Preis für Abschlußarbeiten an Filmhochschulen im deutschsprachigen Raum verliehen: "First Steps", gestiftet von Mercedes Benz, SAT.1, Constantin und teamWorx. Er wird nunmehr jährlich für Kurzfilme, mittellange und lange Spielfilme und für Dokumentarfilme vergeben.

26. September
Die Stiftung Deutsche Kinemathek eröffnet im neuen Filmhaus am Potsdamer Platz das "Filmmuseum Berlin". Mit einer Ständigen Ausstellung zur Deutschen Filmgeschichte und zu den Künstlichen Welten der Special Effects wird dem Film ein Ort der Selbstreflexion gegeben. Marlene Dietrich schwebt als Ikone über allem.

12. Oktober
Fünf deutschsprachigen Filmschauspielern sind die Wohlfahrtsmarken des Jahres 2000 gewidmet: Gert Fröbe, Curd Jürgens, Lilli Palmer, Heinz Rühmann und Romy Schneider. Der Finanzminister Hans Eichel präsentiert sie im Berliner Schloß Bellevue.

7. Dezember
Tendenzwende: Bei der Hauptversammlung der "Cinemaxx AG" muß das Vorstandsmitglied Hans Joachim Flebbe eine Verlusterwartung in zweistelliger Millionenhöhe mitteilen. Der Aktienkurs bricht ein. Die Branche befindet sich offensichtlich in einer Krise.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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