1982

Titel

1982

18. Februar
Rainer Werner Fassbinders
"Die Sehnsucht der Veronika Voss" wird bei den Berliner Filmfestspielen uraufgeführt und gewinnt den "Goldenen Bären". Ein Schwarzweiß-Film über die fünfziger Jahre, der an das Schicksal der Schauspielerin Sybille Schmitz erinnert.

4. März
Uraufführung von Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo". Die Geschichte eines Visionärs, der ein Opernhaus im Urwald bauen will und ein Schiff über einen Berg ziehen läßt. Der fast vierjährige Kraftakt des Regisseurs Herzog endet erfolgreich. Mit Klaus Kinski.

7. März
In Ost-Berlin stirbt der Regisseur Konrad Wolf im Alter von 56 Jahren. Er war eine herausragende Persönlichkeit im offiziellen Kulturleben der DDR – einerseits. Andererseits: "Es gibt Filme, die von der Macht angesteckt werden, von den Visionen der Herrschenden, infiziert von Ruhm, Sieg und Größe. Nicht die von Konrad Wolf. Überall Staunen über Widersprüchliches und Sinnloses und über den plötzlichen Verrat der Hoffnung. Ein unzerstörbares Netz von Bedenken, die dem Leben selber gelten, nicht der Macht." (Peter Lilienthal).

12. März
In Düsseldorf wird erstmals der "Helmut Käutner-Preis" verliehen. Er soll Persönlichkeiten auszeichnen, "die durch ihr Schaffen die Entwicklung der deutschen Filmkultur nachdrücklich unterstützt und beeinflußt, ihr Verständnis gefördert und zu ihrer Anerkennung beigetragen haben". Erste Preisträgerin ist die Filmhistorikerin Lotte H. Eisner. Laudator ist Werner Herzog.

29. Mai Die deutsch-österreichische Schauspielerin Romy Schneider, die ihre besten Filme in Frankreich gedreht hat, stirbt 43jährig in Paris. Für das deutsche Kinopublikum bleibt sie als "Sissi" in Erinnerung.

5. Juni
In Ammerland am Starnberger See stirbt Gunter Groll im Alter von 67 Jahren. I. Seine Profession: Filmkritiker der "Süddeutschen Zeitung" von 1946 bis 1961. II. Seine Maxime: Der Filmkritiker sage das Schwere leicht. III. Sein Testament: zwei Bände mit Kritiken: "Magie des Films" (1953), "Lichter und Schatten" (1956).

10. Juni
Rainer Werner Fassbinder stirbt mit 37 Jahren in München. Die Trauerfeier am 16. Juni ist ein fassungsloser Abschied. Hanna Schygulla hält eine Gedenkrede und fragt "Wer wird ein solches Kraftfeld aufbauen?"

18. Juni
In Wien stirbt der Schauspieler Curd Jürgens, 69. Typ: Draufgänger. Er ließ sich auf alle Etagen des Films ein, führte viermal selbst Regie und inszenierte auch sein Privatleben für die Öffentlichkeit. Seine Memoiren hatten den Titel "… und kein bißchen weise" (1976).

5. August
In Nürnberg stirbt der Schauspieler Dieter Borsche, 72. Als Partner von Maria Schell und Ruth Leuwerik war er eine Leitfigur für das westdeutsche Kinopublikum der fünfziger Jahre.

6. August
In West-Berlin stirbt der Kulturfilmregisseur Hans Cürlis, 93. Er war Kunsthistoriker und drehte etwa 500 Filme. 1922 begann er den Zyklus "Schaffende Hände", den er vierzig Jahre lang fortführte.

4. September
Wim Wenders" Film "Der Stand der Dinge" wird in Venedig uraufgeführt und mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet. Eine Zwischenbilanz des Regisseurs: Film im Film, Reflexionen über das Kino zu Beginn der achtziger Jahre.

12. September
Der Komponist Franz Grothe, 74, stirbt in Köln. Von den dreißiger bis in die sechziger Jahre hat er für deutsche Filme Melodien erfunden. Seine besten Kompositionen gelangen ihm für die Komödien von Kurt Hoffmann.

25. Oktober
Der Produzent Walter Koppel, 76, stirbt in Marburg. Zusammen mit Gyula Trebitsch gründete er die Real-Film in Hamburg. Er war vom reinen Kinofilm überzeugt, mochte das Fernsehen nicht und ging 1962 mit Produktion und Verleih in die Pleite.

30. Oktober
Uraufführung des Films "Das Gespenst" von Herbert Achternbusch in Hof: eine Christus-Travestie, in der Jesus (Achternbusch) vom Kreuz steigt und mit einer Oberin durch ein fremdes, heutiges Bayern wandert. Blasphemie? Die FSK will den Film verbieten, der Innenminister verweigert Achternbusch eine ihm zustehende Förderungsrate. "Das Gespenst" wird zum auslösenden Streitfall bei der "Wende" der bundesdeutschen Filmpolitik.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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