1981

Titel

1981

Januar
In Osnabrück findet der 1. "Experimentalfilm-Workshop" statt: ein nun alljährlich veranstaltetes Festival, das für experimentelle Filmemacher zum wichtigsten Treffpunkt wird.

22. Februar
Der Regisseur Kurt (Curtis) Bernhardt stirbt 81jährig in Pacific Palisades. Seine Filme in Deutschland (1926-1933) waren Sozial- und Heldendramen. 1933 emigriert. In Amerika wurde er zum Spezialisten für Melos.

5. März
Der Volksschauspieler Paul Hörbiger, 86, stirbt in Wien. Sein Repertoire reichte vom Dienstmann bis zum Kaiser. In rund 200 Filmen hat er kauzige, aber freundliche Chargen gespielt. Seine Erinnerungen, aufgezeichnet von Georg Markus, erschienen 1979: "Ich hab für euch gespielt".

17. Juni
Lotte Reiniger, die Erfinderin des Silhouettenfilms, stirbt 82jährig in der Nähe von Tübingen. Paul Wegener hatte sie zum Film gebracht. In den Dreißigern wurde sie international bekannt. Ihr berühmtester Film: "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (1923-26). 

23. Juni
Zarah Leander
, Ufa-Star von 1937 bis 1943 – "Zu neuen Ufern", "Heimat", "Die große Liebe" – stirbt im Alter von 79 Jahren in Stockholm. Ihre Filmpartner waren schöne, mondäne Männer: Willy Birgel, Hans Stüwe, Ferdinand Marian. Als Sängerin war sie bis ins hohe Alter gefragt. Ihre Erinnerungen erschienen 1973: "Es war so wunderbar".

28. Juni
Der Komponist Peter Kreuder, 76, stirbt in Salzburg: 13 Musicals, 1.200 Songs, 180 Filmmusiken. Seine Autobiografien trugen die Titel "Schön war die Zeit" (1955) und "Puppen haben keine Träume" (1971).

27. August
Das Land Bayern beginnt mit einem eigenen Filmförderungsprogramm. "Zur Steigerung der Qualität und der Leistungsfähigkeit der bayerischen Filmwirtschaft" werden bedingt rückzahlbare Darlehen für die Produktion und den Verleih programmfüllender Kinofilme sowie Zuschüsse für Erstlingsfilme, Drehbuchentwicklung und Filmwochen vergeben.

4. September
Margarethe von Trottas
"Die bleierne Zeit" wird bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt und mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet. Zwei Schwestern (Barbara Sukowa und Jutta Lampe) in einer widerspenstigen Beziehung zueinander und zur Welt. Die eine wird Terroristin, die andere engagiert sich mit Sinn für Realität. Die Motive des Handelns führen zurück in die fünfziger Jahre. Nach dem Vorbild der Ensslin-Schwestern.

18. September
Uraufführung des Bavaria-Films "Das Boot", Regie: Wolfgang Petersen, nach dem Buch von Lothar-Günther Buchheim. Mit 25 Millionen DM Produktionskosten der bisher teuerste deutsche Film. Er wird ein Welterfolg und in sechs Kategorien für den "Oscar" nominiert. Buchheim ist bei der Premiere nicht mehr an Bord.

November
Kurz vor der geplanten Premiere wird dem DEFA-Film "Jadup und Boel" von Rainer Simon, in dem sich ein Kleinstadt-Bürgermeister (Kurt Böwe) selbstkritisch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, die Zulassung verweigert. Die Uraufführung des Films findet erst im Mai 1988 statt.

7. November
Der Komponist Werner Eisbrenner stirbt in West-Berlin. Von den dreißiger bis in die sechziger Jahre hat er mehr als hundert Spielfilme musikalisch betreut, darunter "Große Freiheit Nr. 7", "Berliner Ballade" und "Nachts auf den Straßen".

11. November
Alf Brustellin
, 41, stirbt in München nach einem Taxiunfall. Zunächst als Kritiker, später als Autor und Regisseur – meist gemeinsam mit Bernhard Sinkel – war er dem Kino zugeneigt.

3. Dezember
Der Schauspieler Rudolf Prack, 76, stirbt in Wien. Er war als Förster, Kaiser und Arzt ein vielseitiger Held im Kino der fünfziger Jahre. Einen Schurken durfte er nie spielen.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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