1979

Titel

1979

17. Januar
Die Schauspielerin Gertrud Kückelmann, 50, nimmt sich in München das Leben. In den fünfziger Jahren hat sie anmutig, beseelt und mit großem Ernst Filmrollen gespielt – "Die Stärkere", "Ein Herz spielt falsch" –, bei denen sie oft unterfordert war.

29. Januar
Der Schauspieler René Deltgen, 69, stirbt in Köln. Als Draufgänger oder als zynischer Bösewicht gehörte er von 1935 bis 1960 zur Personage des deutschen Films.

1. Februar
Günter Rohrbach, Leiter der Programmbereiche Fernsehspiel, Unterhaltung und Familie beim WDR, wird Geschäftsführer der Bavaria in München. Er erfindet einerseits den Begriff des "amphibischen Films" (für Leinwand und Bildschirm geeignet) und initiiert andererseits die großen Kinoerfolge der Bavaria: "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte".

2. - 9. Februar
In Gera findet des erste Nationale Kinderfilmfestival der DDR statt. Es wird künftig alle zwei Jahre veranstaltet. Als Preis wird der "Goldene Spatz" verliehen.

20. Februar
Die 29. Berliner Filmfestspiele werden mit der Uraufführung des Films "Die Ehe der Maria Braun" von Rainer Werner Fassbinder eröffnet. Es ist der erste Teil eines langfristig gedachten BRD-Zyklus. Das Melodram einer Frauenemanzipation (mit Hanna Schygulla) endet 1954. Einer der erfolgreichsten Filme des Regisseurs.

27. Februar
Uraufführung des Films "David" von Peter Lilienthal bei den Berliner Filmfestspielen. Die Geschichte einer Rabbinerfamilie in der Zeit nationalsozialistischer Judenverfolgung. Nur der Sohn überlebt, während die Familie nicht merkt, was um sie herum passiert. Der Film gewinnt den "Goldenen Bären".

13. März
Erich Kettelhut, 85, einer der exponierten Architekten des deutschen Films – "Metropolis", "F.P. 1 antwortet nicht", "Schlussakkord" – stirbt in Hamburg. Seine Bauten waren offen für Kamerabewegungen.

14. April
Der Regisseur Rudolf Jugert, 71, stirbt in München. Seine Filme aus den fünfziger Jahren – "Nachts auf den Straßen", "Illusion in Moll", "Ein Herz spielt falsch" – geben Auskunft über seelische Befindlichkeiten jener Zeit.

3. Mai
Uraufführung des Films "Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff. Sechs Genres sieht der Kritiker Hans C. Blumenberg in dieser Literaturverfilmung vereint: Horrorfilm, Heimatfilm, Slapstick, Heroisches Drama, Satyrspiel und Politische Satire. Endlich habe sich Schlöndorff seinen Traum vom Zirkusdirektor erfüllt. Die Ehrungen dafür sind hochkarätig: "Goldene Schale" als nationaler Filmpreis, "Goldene Palme" in Cannes und schließlich der "Oscar" in Hollywood als bester fremdsprachiger Film.

5. Juni
Der Komiker Heinz Erhardt, 70, stirbt in Hamburg. In den fünfziger Jahren haben seine Kalauer jedes Niveau außer Acht gelassen: "Immer die Radfahrer", "Drillinge an Bord", "Der letzte Fußgänger". Sein running gag: "Was bin ich für ein Schelm." In den achtziger Jahren wird man darauf zurückkommen.

1. Juli
In der Bundesrepublik tritt eine Neufassung des Filmförderungsgesetzes in Kraft. Die Kinos erbringen ihre Abgaben künftig prozentual (bis zu 3,75% vom jährlichen Gesamtumsatz) an die FFA (bisher: 15 Pfennig pro verkaufter Karte). Über die verschiedenen Förderungsanträge (Projektvorhaben, Filmtheater, Verleiher, Nachwuchs) entscheidet eine neunköpfige "Vergabe-Kommission".

15. September
Uraufführung der ersten Fassung von Alexander Kluges Film "Die Patriotin" in Berlin. In einem zentralen Zwischentitel verbindet der Film das Wort DEUTSCHLAND mit einem Satz von Karl Kraus: "Je näher man ein Wort ansieht, desto ferner sieht es zurück."

18. - 23. September
Nach vielen Querelen um ein Münchner Filmfest organisieren die westdeutschen Filmemacher ihr eigenes Festival: in Hamburg. Am Ende veröffentlichen sie eine Erklärung (Schlußsatz: "Wir müssen uns auf die Socken machen.") und initiieren eine Hamburger Filmförderung in Selbstverwaltung.

13. Oktober
In Hamburg wird das Kommunale Kino "Metropolis" eröffnet. Leitung: Heiner Roß, vormals Mitarbeiter des Berliner "Arsenals". Das Kino stammt aus den fünfziger Jahren und hieß zuvor "Dammtor Lichtspiele".

21. November
In West-Berlin wird der "Verband der Filmarbeiterinnen e.V." gegründet. Er soll der Forderung auf Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Vergabe von Förderungsmitteln, Arbeits- und Ausbildungsplätzen und Gremiensitzen Nachdruck verleihen.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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