1971

Titel

1971

18. April
Gründung des "Filmverlags der Autoren". Sein Vorbild ist der "Verlag der Autoren" (Literatur/Theater). Erste Gesellschafter sind: Pete Ariel, Hark Bohm, Uwe Brandner, Michael Fengler, Veith von Fürstenberg, Florian Furtwängler, Hans W. Geissendörfer, Peter Lilienthal, Hans Noever, Thomas Schamoni, Laurens Straub, Volker Vogeler und Wim Wenders.

25. April
Der Autor und Regisseur Erich Engels, 71, stirbt in München. Mit Kriminalfilmen hatte er in den dreißiger und vierziger Jahren Erfolg. In seinen eher konventionellen Komödien waren u.a. Karl Valentin und Heinz Erhardt die Protagonisten.

April - Juli
Das Münchner "Rationaltheater" wird spät abends zur Kinokneipe. Für 3,50 DM Eintritt kann man sich ein buntes Filmprogramm zusammenstellen. Wunschtitel sind vor allem die "Geschichten vom Kübelkind", 22 kurze Filme von Ula Stöckl und Edgar Reitz, zwischen 2 und 25 Minuten lang, in denen ein aufmüpfiges, erwachsenes Findelkind die Gesellschaft attackiert. Kristine de Loup spielt das rätselhafte Wesen.

13. Mai
In Hamburg stirbt Hubert von Meyerinck, 74. "Hubsi", der Komiker mit Glatzkopf, näselnder Stimme und tänzerischem Gang, war einer der meistbeschäftigten Chargenspieler des deutschen Films. Seine Erinnerungen erschienen 1969: "Meine berühmten Freundinnen".

27. Juni - 6. Juli
In Berlin findet das "1. Internationale Forum des jungen Films" statt. Es ist eine neue, parallel zum Wettbewerb organisierte Sektion des Festivals, die nach dem Berlinale-Eklat von 1970 eingerichtet wurde. Für Konzeption und Programm sind die "Freunde der Deutschen Kinemathek" verantwortlich. Zu den deutschen Beiträgen des 1. Forums gehören "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim, "Eine Sache, die sich versteht" von Harun Farocki und Hartmut Bitomsky, "Othon" von Straub/Huillet.

3. Dezember
In Frankfurt am Main wird das "Kommunale Kino" eröffnet, ein Lieblingsprojekt des Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Nach kurzem Gastspiel im Theater am Turm (TAT) bekommt das Kino seine Heimstatt im Historischen Museum am Römerberg, bis es 1984 als Teil des Deutschen Filmmuseums an den Schaumainkai umzieht.

22. Dezember
Der Filmtheater-Besitzer Heinz Riech (17 Kinos) erwirbt für 43 Millionen DM von der Gütersloher Verlagsgruppe Bertelsmann die Ufa-Theater AG (35 Kinos). Er ist damit der Größte in seiner Branche.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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