1967

Titel

1967

Januar
Die "Atlas-Film GmbH" in Duisburg (Firmensignet: kleines a im schwarzen Kreis), seit fünf Jahren wichtigste Verleihheimstatt des jungen deutschen und des anspruchsvollen ausländischen Films, gerät in Liquididätsschwierigkeiten. Der Hauptgesellschafter Hanns Eckelkamp bildet fünf unabhängige Kleinfirmen und kann den Konkurs abwenden. Seine Zukunft ist der Schmalfilm.

21./22. Januar
In Ost-Berlin wird der "Verband der Film– und Fernsehschaffenden" gegründet, der den seit 1953 bestehenden "Club der Filmschaffenden" ersetzt. Vor allem sollen damit "die Rivalitäten zwischen Leinwand und Bildschirm" überwunden werden. Erster Präsident ist der Dokumentarist Andrew Thorndike.

31. Januar
Der Experimentalfilmer Oskar Fischinger, 66, stirbt in Hollywood. Seine "Studien" zu Beginn der dreißiger Jahre synchronisierten abstrakte Formen mit Musik. Frühe Farbfilmversuche (u.a. "Komposition in blau") brachten ihm große Erfolge. 1936 in die USA ausgewandert.

17. März
Der Regisseur Frank Wisbar (bis 1938 Wysbar) stirbt im Alter von 67 Jahren in Mainz. Sein berühmtester Film der dreißiger Jahre war "Fährmann Maria". 1938 nach Hollywood emigriert, 1956 nach Deutschland zurückgekehrt. Dann wurden Kriegsfilme seine Spezialität.

7. Mai
Der Produzent und Regisseur Peter Ostermayr, 84, stirbt in München. Er war der Gründer der Studios in Geiselgasteig und ein Vater der Bavaria, drehte über 400 Filme, davon 300 in der Stummfilmzeit.

28. Mai
In der fränkischen Stadt Hof findet "Das kleinste Filmfestival der Welt" statt. Daß daraus in den folgenden Jahren ein wirkliches Festival und der wichtigste Treffpunkt des jungen westdeutschen Films wird, ist dem Initiator Heinz Badewitz zu danken. Traditionell gehört seit 1968 ein Fußballspiel zu den "Hofer Filmtagen".

29. Mai
Georg Wilhelm Pabst, 81, stirbt in Wien. Zwischen 1925 und 1932 war er neben Fritz Lang der bedeutendste Filmregisseur in Deutschland. "Das Revolutionäre in Pabstens Wirksamkeit lag weniger in einem neuen Stil, einer neuen Technik der Filmregie – wie etwa bei F.W. Murnau oder Lupu Pick – als in dem moralischen Mut, der moralischen Verantwortlichkeit seiner Filme." (Willy Haas).

5. - 7. Oktober
Bei einem "Film-In" in der Brüderstraße gründet sich die "Hamburger Filmmacher-Cooperative", ein Kreis phantasiebegabter Außenseiter, zu denen Hellmuth Costard, Theo Gallehr, Werner Grassmann, Helmut Herbst, Thomas Struck, Klaus Wildenhahn, Franz Winzentsen und Klaus Wyborny gehören. Sie stehen für das "Andere Kino", initiieren die "Hamburger Filmschau" und organisieren einen eigenen Verleih.

6. November
In München wird die "Hochschule für Fernsehen und Film" (HFF) eröffnet. Träger ist das Land Bayern. Ausgebildet wird in drei Abteilungen: Film, Dokumentarfilm und Fernsehspiel. Gründungspräsident ist der Kommunikationswissenschaftler Prof. Otto B. Roegele. Zu den Studenten des ersten Jahrgangs gehören Dagmar Damek, Klaus Emmerich, Ingemo Engström, Hajo Gies, Hartmut Griesmayr, Gaby Kubach, Rüdiger Nüchtern, Michael Schanze, Gerhard Theuring und Wim Wenders.

 

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Hans Helmut Prinzler: Chronik, 1895-2004. In: Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hg.): Geschichte des deutschen Films. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2004

© 2004 J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart.

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