100 Jahre Babelsberg

Titel

100 Jahre Babelsberg
Ein Jahrhundert Filmgeschichte – Babelsberg unter allen Umständen

Die Anfänge des größten deutschen Filmstudios lassen sich bis in das Jahr 1911 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurde Guido Seeber, der Chef-Kameramann der Deutschen Bioscop Filmgesellschaft, mit der Suche nach einem neuen Produktionsgelände beauftragt, und die Wahl fiel auf ein freies Areal in Babelsberg. Mitte Oktober beantragte die Bioscop die Bauerlaubnis für ein Glashaus, die Anfang November erteilt wurde. Vier Monate später, im Februar 1912, wurde das Gebäude mit den Dreharbeiten des Asta-Nielsen-Films "Der Totentanz" eingeweiht.

Quelle: DIF
"Totentanz": Szene mit Asta Nielsen (oben)

Babelsberg beginnt
Der Anfang wurde geprägt durch die Filme eines internationalen Stars, der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann Urban Gad und Guido Seeber drehte Asta Nielsen für die Babelsberger Studios noch viele weitere Filme, unter anderem "Nachtfalter" bis hin zu "Die Suffragette", dem letzten Film des kreativen Trios 1913. Guido Seeber arbeitete von nun an mit Paul Wegener und Stellan Rye zusammen – ein weiterer Schritt in der Babelsberger Filmgeschichte. Aufsehen erregende Tricks wie die Mehrfachbelichtungen in "Der Student von Prag" (1913) ließen Großes für die folgenden Jahre erwarten. Mit dem Ersten Weltkrieg kam allerdings auch die erste Krise des Studios; viele Mitarbeiter wurden eingezogen, und sowohl die wirtschaftliche als auch die politische Lage in Deutschland hatten Auswirkungen auf die Filmproduktion in Babelsberg. Nach dem Krieg verbesserte sich die Lage nur langsam, bis im Jahr 1920 die Deutsche Bioscop Gesellschaft mit der Eclair Decla zur Decla-Bioscop AG fusionierte und ein Jahr später mit der Universum-Film AG (Ufa). Die folgenden Jahre in der Weimarer Republik wurden stark von filmischen Experimenten und neuen Ideen beeinflusst, vor allem der Produzent und spätere Leiter der Ufa Erich Pommer leistete einen großen Beitrag zu dieser Entwicklung.

Quelle: Murnau-Stiftung, DIF, SDK
"Das Cabinet des Dr. Caligari": Conrad Veidt, Lil Dagover

Die Weimarer Zeit – stilprägende Jahre
Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegsjahre waren sowohl für die gesamtdeutsche Wirtschaft als auch für die deutsche Filmproduktion schwierig. Die entscheidenden Änderungen der Besitzverhältnisse fanden im November des Jahres 1921 statt, als das Babelsberger Gelände in den Besitz der Ufa überging. Obwohl die Ufa-Gründung 1917 und die vorangegangene politische Forderung einer "Vereinheitlichung der deutschen Filmindustrie" durch Erich Ludendorff in der Hoffnung auf adäquate "Filmpropaganda" und "Stärkung der deutschen Werbemöglichkeiten" geschehen war, begann man früh, insbesondere am künstlerischen Renommee zu arbeiten. Anfang der 1920er Jahre wurden angrenzende Grundstücke aufgekauft, die Filmstätte um neue Anlagen erweitert und durch Erich Pommer, Vorstand der Ufa seit 1923, Filmschaffende in Babelsberg versammelt, die das Bild des deutschen Films entscheidend prägen sollten. Die Innovationskraft der von Pommer unterstützten Persönlichkeiten und Teams um z.B. den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, den Autor Carl Mayer und den Kameramann Karl Freund bestand nicht zuletzt darin, bereits etablierte Ästhetiken in neue Richtungen weiter zu entwickeln.

Neue Filmformen
Filme wie "Das Cabinett des Dr. Caligari" (1919/20) und "Genuine" (1920) von Regisseur Robert Wiene hatten mit ihren kunstvoll verzerrten Kulissen, ihrem Spiel mit der Perspektive, fantasievollen Kostümen und unheimlichen Filmplots den deutschen Film-Expressionismus mitbegründet. Die folgenden Produktionen nun bauten nicht allein auf diesem Stil auf, sondern führten ihn insofern weiter, als sie nach dem spezifisch Filmischen des Kinos fragten – danach, was Film von den anderen Künsten unterscheidet. Wichtige Größen dieser Weiterentwicklung waren die Architekten Robert Herlth und Walter Röhrig, deren Arbeit in Filmen wie etwa "Der müde Tod" (1921) oder "Der letzte Mann" (1924) Höhepunkte erreichte.

Der letzte Mann
Quelle: Murnau-Stiftung, SDK
"Der letzte Mann": Karl Freund mit der entfesselten Kamera, Regisseur F.W. Murnau rechts neben ihm

Dank ihres großen Könnens gerade im Bereich des perspektivischen Erzählens arbeiteten die Filmbauten einem neuen Kino-Realismus zu und hatten ihren Anteil daran, eine andere Art des Filmens zu entwickeln: die entfesselte Kamera, die 1924 durch F.W. Murnaus international gefeierten Film "Der letzte Mann" berühmt wurde. Der Kameramann Karl Freund setzte seine Kamera auf Fahrräder, Kräne oder befestigte sie an sich selbst, um eine eigene Sprache entstehen zu lassen, die Geschichten in besonderer Weise filmisch zu erzählen half. Die letzten Jahre der Stummfilmzeit in Babelsberg standen unter dem Einfluss dieser beweglichen Kamera, mit der Narration durch Bilder und Bewegung, kurz: durch das Kino, Ausdruck und Anerkennung fand.

Umbrüche
Trotz der weltweiten Anerkennung trugen mehrere Aspekte, darunter Ehrgeiz, Gigantomanie, Misserfolge wie z.B. von "Metropolis" (1925/26), die allgemein angespannte wirtschaftliche Lage sowie ein Knebelvertrag mit den amerikanischen Firmen Paramount und Metro-Goldwyn-Mayer dazu bei, dass die Ufa, die 1926 das bis dahin größte Filmatelier Europas, die so genannte "Große Halle", fertig stellte, noch im gleichen Jahr kurz vor dem Ruin stand. Damit schlug die Stunde des nationalkonservativen Dr. Alfred Hugenberg. Der Kopf der Scherl-Verlagsgruppe übernahm im März 1927 durch den "Hugenberg Coup" den Ufa-Konzern mit 140 Tochtergesellschaften, 134 Kinos im In- und Ausland und den großen Studiokomplexen in Tempelhof und Babelsberg.

Quelle: DIF
"Die drei von der Tankstelle": Oskar Karlweis. Lilian Harvey

Schon ab 1925 waren in den Ufa-Studios unter der Leitung von Guido Bagier Tonfilmversuche durchgeführt worden. Jedoch begann die Ufa erst ab 1927, als Hollywood die ersten Tonfilmerfolge feierte, auch die Babelsberger Studios den neuen tontechnischen Anforderungen anzupassen. Auf die Errichtung eines neuen Studiogebäudes, des "Ton-Kreuzes", folgte nach und nach die Umgestaltung der vorhandenen Stummfilmateliers.
Die technischen Neuerungen zeitigten ästhetische und dramaturgische Veränderungen: Die in den 1920er Jahren viel gepriesene Beweglichkeit der "entfesselten Kamera" erstarrte zunächst erneut. Als erster vollständiger Tonfilm der Ufa wurde 1929 "Melodie des Herzens" auf dem Babelsberger Gelände realisiert, und mit dem Tonfilm setzte sich auch ein neues Spielfilmgenre in der Weimarer Republik durch: die musikalische Komödie. Tonfilmstars wie Marlene Dietrich wurden geboren, Filme wie "Der blaue Engel" (1929/30) und "Die Drei von der Tankstelle" (1930) zu Exportzwecken als Mehrsprachenversionen produziert. Internationalität, seit den ersten Tagen mit Asta Nielsen und Stellan Rye ein Schwerpunkt in Babelsberg, stellte die Filmproduktion vor neue Herausforderungen.

Quelle: DIF
Joseph Goebbels (1.v.l. sitzend) beim Besuch der Rosenhügel-Ateliers in Wien

"Nationale Umwälzungen" – Babelsberg im Nationalsozialismus
Diese Tendenz der Filmindustrie sollte jedoch im nationalsozialistischen Deutschland sehr bald einer anderen Platz machen. Das NS-Regime, insbesondere Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, sah im Film eine wesentliche und mit eigenen Aufgaben und Möglichkeiten versehene Regierungstechnologie. Als zentrale Instanz war das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) für Filmfragen zuständig. Bereits 1933 mussten alle Kino- und Filmschaffenden der neu errichteten Reichsfilmkammer beitreten. Die vage Forderung einer "für das Filmgewerbe erforderliche[n] Zuverlässigkeit" öffnete den Machthabern juristisch die Tür zur willkürlichen Berufsverboten, die insbesondere gegen jüdische Filmschaffende ausgesprochen wurden, um die so genannte "Arisierung" des deutschen Films durchzusetzen. Tatsächlich sollten die Vorgaben der neuen Machthaber die Filmproduktion schon unmittelbar nach dem Regierungswechsel und auf unterschiedlichen Ebenen bestimmen. So wurde bereits in der Ufa-Vorstandssitzung vom 29. März 1933 folgendes beschlossen: "Mit Rücksicht auf die infolge der nationalen Umwälzung in Deutschland in den Vordergrund getretene Frage über die Weiterbeschäftigung von jüdischen Mitarbeitern und Angestellten in der Ufa beschließt der Vorstand grundsätzlich, daß nach Möglichkeit die Verträge mit jüdischen Mitarbeitern und Angestellten gelöst werden sollen." So früh die NS-Führung das Potential des Films erkannt hatte, die Massen durch sowohl Unterhaltungs- als auch Propagandafilme zu erreichen, so anhaltend wurde diese Filmpolitik bis zum Ende des Regimes betrieben. Ein wichtiges Kontrollmittel des RMVP war dabei die Vorzensur, ausgeführt durch den Reichsfilmdramaturgen. Zu den berüchtigtsten Babelsberg-Produktionen der Ufa, die zwischen 1933 und 1945 in unterschiedlichen Formen dem Geist des völkischen Rassismus der NS-Ideologie entsprachen und zuarbeiteten, gehören "Hitlerjunge Quex" (1933), "Jud Süß" (1940) und "Kolberg" (1943/45).

Quelle: DIF
"Hitlerjunge Quex": Szene mit Jürgen Ohlsen (rechts)

Verstaatlichung und Zwangsarbeit
Die schrittweise Verstaatlichung der Ufa und damit auch Babelsbergs wurde schließlich im Januar 1942 offiziell mit der Gründung der "Ufa-Film GmbH", genannt UFI, vollzogen, in der alle existierenden Produktionsfirmen zusammengeführt wurden. Unter dem Verlust der verfolgten und ausgegrenzten Filmschaffenden litt die Qualität der Produktionen, und der Kriegsbeginn und Kriegseinsatz der Studiobeschäftigten verstärkte das Problem. Sowohl fehlendes Können als auch das nötige Personal mussten "ersetzt" werden. Der regimegetreue Nachwuchs sollte zunächst durch die Ufa-Lehrschau und später durch die 1938 gegründete Deutsche Filmakademie in Babelsberg ausgebildet werden. Gleichzeitig wurde der Mangel an Arbeitskräften durch den Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern kompensiert – ein eigens auf dem Ufa-Gelände errichtetes Arbeitslager war für über 600 Menschen ausgerichtet. Erst das Kriegsende und die Zerschlagung des "Dritten Reiches" bedeuteten auch das Ende der Zwangsarbeit, ohne die das Studio die Produktion nicht hätte aufrechterhalten können.

Neuanfang mit der DEFA
Der Krieg hatte auch auf dem ehemaligen Ufa-Gelände deutliche Spuren hinterlassen. Geplündert, zerstört und völlig verwildert war vom Glanz der alten Tage nicht viel übrig geblieben. Die ehemaligen Ufa-Studios standen nun unter sowjetischer Verwaltung, und bereits 1945 wurde nach der Bewilligung von Josef Stalin eine deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft zur Produktion von Filmen gegründet. Parallel zu den Vorbereitungen zur Gründung der Deutschen Film AG (DEFA) entstand die Arbeitsgruppe "Filmaktiv", zu deren Mitgliedern unter anderen Kurt Maetzig, Willy Schiller und Hans Klering zählten. Im Mai 1946 schließlich wurde die DEFA offiziell gegründet und ein Jahr später mit den Instandsetzungsmaßnahmen in Babelsberg begonnen. Ab Januar 1948 konnten in den Studios erste Arbeiten für den Trümmerfilm "1-2-3 Corona" (1947/48) in Angriff genommen werden. Die endgültige Übergabe der Filmbetriebe an die DDR erfolgte im Juli 1950.

Die zentrale Organisation vieler Belange in der DDR rief bei vielen Filmschaffenden den Wunsch nach der Bildung künstlerischer Arbeitsgruppen für die eigenständige Arbeit hervor. Die festen Strukturen im Entscheidungssystem zur Bewilligung eines Films jedoch waren und blieben insbesondere in künstlerischer Hinsicht eine wesentliche Einschränkung. Diese Ordnungen und Entscheidungen wurden sowohl befolgt als auch kritisiert, blieben Reibungsflächen innerhalb der DEFA, die auf unterschiedliche Weise in den Filmen zum Ausdruck kamen.

 
Das DEFA-Logo

Das Studio und die Mauer
Mit dem Bau der Mauer 1961, die nur wenige Meter vom Filmstudio entfernt verlief, wurden die Studios verkehrstechnisch isoliert und die direkte Verbindung nach Berlin gekappt. So stellte sich für nicht wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun die entscheidende Frage zwischen West und Ost. Die Abwanderung, die Entscheidung für Leben und Arbeit im Westen, hatte große Auswirkungen auf die Filmproduktion der DEFA-Studios. Zugleich inspirierten die Isolation und die daraus folgenden Alltagsprobleme Filmemacher zu wichtigen Gegenwartsfilmen wie Konrad Wolfs "Der geteilte Himmel" (1964).

1965 befassten sich etliche andere Filme mit den aktuellen Lebensverhältnissen in der DDR und verbanden Unterhaltung mit der Darstellung gesellschaftlicher Widersprüche. Die Parteiführung reagierte. Aufgeschreckt durch Filme wie "Das Kaninchen bin ich" und "Denk bloß nicht ich heule" ließ das Zentralkomitee der SED nach der Tagung seines 11. Plenums im November 1965 alle abgedrehten und im Drehprozess befindlichen Spielfilme des Jahres noch einmal überprüfen und schließlich zwölf von ihnen verbieten.

DDR adé
Mit der Ablösung Walter Ulbrichts als Erstem Sekretär des Zentralkomitees der SED durch Erich Honecker, der später auch das Amt des Staatsoberhaupts übernahm, kam eine gewisse Entspannung in die Filmpolitik der 1970er. Produktionen wie "Die Legende von Paul und Paula" und "Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow" und "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" sorgten für Hoffnung, die sich jedoch auf lange Sicht nicht erfüllen sollte.

Quelle: BArch, DIF, FMD, FMP
"Die Legende von Paul und Paula": Winfried Glatzeder

Zwar wurde den Verantwortlichen in den 1980er Jahren angesichts der mangelnden Akzeptanz durch das Publikum zunehmend klarer, dass sich die DEFA-Produktionen in mehr als einer Hinsicht "öffnen" mussten, wofür unter anderem Produktionen wie "Der Aufenthalt" (1982/83) und "Winter adé" (1987/88) sowie die deutsch-deutschen Kooperationen "Frühlingssinfonie" (1982) und "Der Bruch" (1988) exemplarisch stehen. Für eine Zukunft des Films in der DDR kam diese Entwicklung jedoch zu spät. Die DEFA sollte den Fall der Mauer nur um wenige Jahre überleben – und das Babelsberger Studiogelände erneut den Besitzer wechseln. Einmal mehr kam es zunächst in staatliche Obhut.

Wendeprobleme
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde das Studio 1990 der Treuhandgesellschaft übertragen, die den Auftrag hatte, die staatlichen Unternehmen der DDR und damit auch die DEFA-Studios an private Unternehmen zu verkaufen: Das "VEB DEFA-Studio für Spielfilme" wurde in die Kapitalgesellschaft "DEFA Studio Babelsberg GmbH" umgewandelt und fast die Hälfte der 2400 Beschäftigten entlassen. Zusätzlich zu den finanziellen Problemen traf die Filmproduktion im direkten zeitlichen Umfeld der Wende eine inhaltliche Krise. Die Filme taten sich schwer, den immer schneller voranschreitenden politischen Ereignissen zu folgen, und das Publikum schien wenig mit den DEFA-Filmen von 1989/90 anfangen zu können. Um die kritische Finanzsituation zu entspannen, entwickelte eine Arbeitsgruppe der Treuhand 1991 eine DEFA-Studiotour für Touristen. Zum Zweck der Erhaltung und Nutzung der filmischen Hinterlassenschaft der DEFA sollte eine Stiftung errichtet werden, doch zog sich die tatsächliche Umsetzung über Jahre hin, bis Ende 1998 die DEFA-Stiftung in ihrer heutigen Form gegründet wurde.

Quelle: DIF
Volker Schlöndorff zu Besuch im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt (2008)

Von der Film- zur Medienstadt
Der Weg zur Privatisierung endete 1992 mit dem Verkauf der DEFA an die Tochterfirma CPI (Compagnie Immobiliére Phénix) des französischen Mischkonzerns CGE (Compagnie Générale des Eaux) und der Umbenennung der Filmstudios in "Babelsberg Studio GmbH". Nach dem Verkauf hatte auch der Name DEFA keinen Platz mehr im neuen Unternehmen. Ab Februar 1993 liefen die Dreharbeiten zum letzten DEFA-Spielfilm "Novalis – Die blaue Blume", und im gleichen Jahr begann mit "Mesmer" die erste internationale Filmproduktion des neuen Unternehmens, der viele weitere folgen sollten.

Der Verkauf führte zudem zu weiteren Veränderungen auf dem Areal der Studios. Nutzungskonzepte wurden ausgearbeitet, die einerseits den Standort als Filmproduktionsstätte erhalten, andererseits aber auch zusätzliche Dienstleistungssektoren bedienen sollten. Vor allem standen bald Produktionen für das deutsche Fernsehen im Mittelpunkt, sukzessive begann sich die Film- in eine Medienstadt zu wandeln. Unter dem neuen Geschäftsführer der Studios, Volker Schlöndorff, siedelten sich im Laufe der Jahre viele Medienunternehmen an – darunter auch die UFA Film- & Fernsehproduktion, die Mitte der 1990er Jahre als wichtige Fernsehproduktion mit Tradition und Ambition der alten Ufa jedoch nur noch namentlich verbunden war. Zu den vorhandenen Gebäuden kamen Neubauten, in denen zahlreiche Fernsehproduktionen wie Serien, Werbespots oder Shows entstehen sollten. Besonders Mitte der 1990er Jahre waren deutsche TV-Serien beim Publikum so beliebt, das ein regelrechter Boom entstand. So wurden in Babelsberg 100 Millionen DM investiert, um einen modernen TV- Studiokomplex zu errichten.

Auf dem Weg zu internationalen Erfolgen
Trotz dieser Entwicklung stellte der Filmpark mit der Studiotour noch 1996 die Haupteinnahmequelle dar und benötigte die Realisierung der "Medienstadt Babelsberg" weiterhin viele Investitionen. Leander Haußmanns Kinoerfolg "Sonnenallee" (1998/99), für den auf dem Studiogelände ein ganzer Straßenzug, die inzwischen berühmte und vielfach umgebaute "Berliner Straße" entstand, mochte zwar Hoffnungen wecken, Babelsberg könne zum neuen Produktionszentrum des deutschen Films werden.

Quelle: Delphi, DIF
"Sonnenallee": Peter-Joachim Krause (2.v.l.), Detlev Buck (3.v.l.), Leander Haußmann (4.v.l.) (Dreharbeiten)

Die Zukunft aber gestaltete sich anders. 2004 wechselte das verschuldete Studio noch einmal die Besitzer und wurde an die bislang kaum bekannten Medienmanager Dr. Carl Woebcken und Christoph Fisser veräußert, die das Studio als Aktiengesellschaft im Jahr 2005 an die Börse brachten. Unter ihrer Leitung verstärkte sich die Ausrichtung, internationale Produktionen nach Babelsberg zu holen. Der zuvor schon durch starbesetzte Großprojekte wie "Duell – Enemy at the Gates" (2000), "Der Pianist" (2001/2002) und "In 80 Tagen um die Welt" (2003/2004) begonnene Trend sollte verstetigt werden.

Und der Zukunft zugewandt
Um ganz in diesem Sinne auch die Postproduktion zu einem international wettbewerbsfähigen Standbein Babelsbergs zu machen, wurden die Anlagen zur digitalen Bearbeitung von Filmen ausgebaut. Filme wie "V wie Vendetta" (2005), "Black Book" (2005/2006), "Operation Walküre" (2007/2008), "Speed Racer" (2007/2008), Tarantinos "Inglourious Basterds" (2009) und Tom Tykwers Hollywood-Thriller "The International" (2007-2009) bestätigten das internationale Interesse und Format des Studios.

Quelle: Universal, DIF. © 2009 Universal Studios, Foto: Francois Duhamel
"Inglourious Basterds": Christoph Waltz

Bereits 2007 zählte es zu den erfolgreichsten größeren Produktionsstandorten in Europa, ein Jahr später folgte die strategische Allianz der Studio Babelsberg AG mit dem Hollywood-Produzenten Joel Silver zur Produktion großer internationaler Kinofilme. Internationale Großproduktionen geben sich bis heute in Babelsberg die Klinke in die Hand, und seit 2010 wird hier auch in 3-D gedreht: Nach dem Spektakel "Die drei Musketiere" (2010) begannen im März 2011 die Dreharbeiten zu der abenteuerlichen 3-D-Märchen-Adaption "Hansel and Gretel – Witchhunters". Angesichts des wachsenden Anteils von 3-D-Produktionen an den "erfolgreichsten Filmen an der Kinokasse", so eine Pressemitteilung des Studios vom Mai 2011, "sieht sich Studio Babelsberg als erfahrener Produktionsstandort technisch und personell bestens aufgestellt". So blickt Babelsberg weiter optimistisch in eine Zukunft, die sich am Weltmarkt orientiert.

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