Vicco von Bülow

Vicco von Bülow

Weitere Namen: Bernhard Viktor Christoph-Carl von Bülow (Geburtsname); Loriot (Pseudonym)
Darsteller, Regie, Drehbuch
*12.11.1923 Brandenburg an der Havel; †22.08.2011 Ammerland (Münsing)

Biografie

Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel als Sohn des Offiziers Johann-Albrecht von Bülow und seiner Frau Charlotte geboren. Zwischen 1927 und 1933 lebte er zusammen mit seinem jüngeren Bruder bei seiner Großmutter und Urgroßmutter in Berlin. Charlotte von Bülow verstarb 1929; 1932 kehrten die Geschwister zum Vater, der inzwischen wieder geheiratet hatte, zurück. 1938 zog die Familie nach Stuttgart. Dort besuchte von Bülow das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, welches er 1941 mit dem Notabitur abschloss. Zuvor hatte er seinen ersten, winzigen Filmauftritt als Komparse in dem nationalistisch gefärbten Biopic "Friedrich Schiller. Der Triumph eines Genies" von Herbert Maisch.

Während seines Militärdienstes im 2. Weltkrieg wurde von Bülow an der Ostfront eingesetzt und erlangte den Rang eines Oberleutnants. Nach Kriegsende schlug er sich zeitweilig als Holzfäller durch, und holte 1946 in Northeim sein Abitur nach, bevor er an der Landeskunstschule in Hamburg sechs Semester lang Malerei und Grafik studierte.

Ab 1950 arbeitete er als Werbegrafiker bei dem Hamburger Magazin "Die Straße" und publizierte als freier Karikaturist Zeichnungen in verschiedenen Zeitschriften, darunter Stern, Weltbild und Quick, allerdings noch ohne großen Erfolg. In dieser Zeit legte sich von Bülow auch seinen Künstlernamen zu – "Loriot" ist das französische Wort für den Pirol, das Wappentier der Familie von Bülow.

1954 konnte er seinen ersten eigenen Karikaturenband "Auf den Hund gekommen", beim Diogenes Verlag veröffentlichen. Er blieb dem Verlag, zu dessen ersten Autoren er zählte, sein Leben lang treu – in 60 Jahren erschienen dort 114 verschiedene Bände von ihm. In formvollendeter Diktion verfasste er satirische Ratgeber für alle Lebenslagen, und seine Zeichnungen – insbesondere die unverwechselbaren Knollennasenmännchen – waren auch als Werbeträger äußerst populär. 1957 zog er von Hamburg nach Gauting bei München, ab 1963 lebte er in einer Villa im Ammerland am Starnberger See.

Seinen ersten richtigen Filmauftritt hatte Vicco von Bülow 1957 als Matrose im U-Boot-Drama "Haie und kleine Fische" von Frank Wysbar. Es folgten weitere Soldatenrollen in Bernhard Wickis maßgeblichem Anti-Kriegsfilm "Die Brücke" sowie in "The Longest Day", einem aufwändigen, international produzierten Epos über die Invasion der Alliierten in der Normandie. Erneut unter der Regie von Wicki konnte er dann 1960 in der Satire "Das Wunder des Malachias" gegen die Festlegung auf militärische Rollen anspielen. Im Februar 1967 strahlte die ARD erstmals die von Loriot präsentierte Reihe "Cartoon" im Abendprogramm aus. Damals schon auf einem – indes noch roten – Gründerzeitsofa sitzend, stellte er internationale Zeichentrickfilme vor.

Alsbald begann Loriot, vermehrt eigene Filme für die Sendung zu produzieren. Zu den Animationsfilmen kamen Sketche, in denen er selbst die Hauptrollen übernahm. Vor allem die genau beobachteten Alltagsszenen, in denen er Manierismen und Marotten seiner Figuren liebevoll beleuchtete, jedoch nie boshaft ausstellte, zeichneten dabei seinen für die deutsche Fernsehlandschaft revolutionären – und dabei zutiefst feinsinnigen – Humor aus. Auch die Parodien von Politikerinterviews und populären Sendeformaten wie etwa Tierdokumentationen galten bald als moderne Klassiker, und Loriots Sendungen, wie die ab 1974 produzierte Reihe "Telecabinett", erfreuten sich immenser Popularität.

Ruhm war auch dem Hund "Wum" und dem Elefanten "Wendelin" beschieden, zwei Zeichentrickfiguren, die Loriot ursprünglich für die Aktion Sorgenkind entwickelte. Durch ihre Auftritte in der ZDF-Show "Der große Preis" wurde das Duo einem breiten Publikum bekannt und in Folge äußerst erfolgreich in Form von Büchern, Postern und diversen anderen Merchandise-Artikeln vermarktet.

Ein weiterer Meilenstein in der Karriere Loriots war zweifellos die 1976 beginnende Zusammenarbeit mit Evelyn Hamann, die erstmals in der von Radio Bremen produzierten Sendung "Loriot" als seine Filmpartnerin auftrat. Als kongeniales Darsteller- und Moderatorenpaar auf dem nunmehr grünen Sofa schrieben sie fortan mit satirischen Familien- und Paarbeziehungssketchen bundesdeutsche Fernsehgeschichte.

Neben seiner vielfältigen Fernsehtätigkeit – u.a. auch als politischer Karikaturist für das TV-Magazin "Report" – widmete sich Loriot seit den 1970er Jahren auch wieder verstärkt seiner Leidenschaft für klassische Musik. So verfasste er Libretti für diverse Opern, und inszenierte später auch selbst an verschiedenen Häusern mit großem Erfolg.

Im Kino war der multitalentierte Künstler lange nur in kleineren Rollen als prominenter Gaststar zu sehen, doch 1988 gelang Loriot mit "Ödipussi" ein fulminanter Leinwandauftritt: Als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller – wiederum an der Seite von Evelyn Hamann – machte er die vielfach ausgezeichnete Satire über einen gealterten Muttersohn und seine therapeutischen wie romantischen Bemühungen zu einem überwältigenden Erfolg bei Publikum und Kritik. Zwei Jahre später folgte mit "Pappa ante portas" der zweite Kinofilm: Darin spielt Loriot einen unvorhergesehen pensionierten Manager, der seine Ehefrau (wieder Evelyn Hamann) mit seinen wohlmeinenden, aber heillos chaotischen Versuchen der Haushaltorganisation an den Rand der Verzweiflung bringt.

In den folgenden Jahren widmete sich Loriot verstärkt seinen musikalischen und publizistischen Projekten, und im Jahr 2006 verkündete er seinen Abschied vom aktiven Fernsehgeschäft. Anlässlich seines 85. Geburtstags präsentierte das Filmmuseum Berlin von November 2008 bis März 2009 eine umfangreiche Ausstellung zu seinem Gesamtwerk.

Im Verlauf seiner Karriere wurden Loriot zahlreiche Ehrungen zuteil: Er erhielt u.a. den Adolf-Grimme-Preis, den Bambi, die Goldene Kamera, den Karl-Valentin-Orden sowie den Ernst-Lubitsch-Preis. Zudem wurde er mit dem Jacob Grimm Preis Deutsche Sprache und dem Wilhelm Busch Preis ausgezeichnet. Des weiteren wurde er zum Ehrendoktor und Honorarprofessor ernannt, erhielt den Verdienstorden des Landes Berlin sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, und wurde von seiner Heimatstadt Brandenburg an der Havel und seiner Wahlheimat Münsing jeweils zum Ehrenbürger ernannt. 2010 wurde ihm ein Stern auf dem "Boulevard der Stars" in Berlin gewidmet.

Vicco von Bülow war seit 1951 mit Rose-Marie "Romi", geb. Schlumbom verheiratet. Aus der Ehe stammen die beiden Töchter Bettina (1954) und Susanne (1958). Am 22. August 2011 verstarb Vicco von Bülow im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See.

Filmografie

2006 Musik im Fahrtwind
Mitwirkung
 
1992 Herzlichen Glückwunsch: Heinz Rühmann zum 90. Geburtstag
Mitwirkung
 
1990/1991 Pappa ante portas
Darsteller, Regie, Drehbuch, Dialoge, Idee
 
1989 Otto, der Außerfriesische
Darsteller
 
1987/1988 Ödipussi
Darsteller, Regie, Drehbuch
 
1986/1987 Evelyn und die Männer oder Wie Hund und Katze
Darsteller, Drehbuch
 
1981/1982 Wer spinnt denn da, Herr Doktor?
Darsteller
 
1981 Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Darsteller
 
1978/1979 Noch 'ne Oper. Ein musikalischer Spaß
Darsteller
 
1978 Herren im Bad
Regie
 
1977 Kommunikation
Regie
 
1974/1979 Auf der Rennbahn
Regie
 
1968 Satirische Palette: Loriot
Mitwirkung
 
1961/1962 The Longest Day
Darsteller
 
1960/1961 Das Wunder des Malachias
Darsteller
 
1959 Die Brücke
Darsteller
 
1957 Haie und kleine Fische
Darsteller
 

Übersicht

Fotogalerie

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