Joseph Vilsmaier

Joseph Vilsmaier

Weitere Namen: Sepp Vilsmaier (Weiterer Name)
Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
*24.01.1939 München

Biografie

Joseph Vilsmaier, geboren am 24. Januar 1939 in München, wächst in Pfarrkirchen und München auf und besucht in der Nähe von Augsburg fünf Jahre ein Franziskanerinnen-Internat. Von 1953 bis 1961 absolviert er eine filmtechnische Ausbildung bei Arnold & Richter (ARRI) in München, zur gleichen Zeit studiert er Musik am Münchner Konservatorium und spielt in einer Jazzband. Dann arbeitet er sich bei der Bavaria Film vom Material- zum Kameraassistenten hoch und führt 1969 gemeinsam mit Gernot Roll die Kamera beim Fernsehdreiteiler "Wie eine Träne im Ozean". Ab 1972 ist er eigenständiger Kameramann, ab 1978 arbeitet er freischaffend. Er dreht zahlreiche TV-Filme und Serien (zum Beispiel "Tatort", "Rote Erde") sowie Kino-, Werbe- und Dokumentarfilme.

Als Vilsmaier auf Anna Wimschneiders Roman "Herbstmilch" aufmerksam wird, kauft er die Filmrechte, gründet die Produktionsfirma "Perathon Film" und verpflichtet den Autor Peter Steinbach ("Heimat") fürs Drehbuch. Der Kinofilm "Herbstmilch" wird Vilsmaiers erste Regiearbeit; die Hauptrolle spielt seine Ehefrau Dana Vávrová. Der 1,9 Millionen Mark teure Film über das Leben und die große Liebe einer Bäuerin wird zum Kassenschlager, Regisseur und Darsteller erhalten für ihre Leistungen den Deutschen Filmpreis. Wieder mit Dana Vávrovrá und Werner Stocker als Liebespaar dreht Vilsmaier 1991 nach eigener Idee das Trümmerdrama "Rama dama" (bayrisch: "räumen tun wir").

Mit einem Budget von 20 Millionen Mark und enormem Aufwand an Material und Technik dreht Vilsmaier 1991/1992 das Schlachtengemälde "Stalingrad". Das zum 50. Jahrestag der deutschen Niederlage 1993 ins Kino gebrachte Drama um vier Wehrmachtsoldaten erreicht im Kino 1,3 Millionen Zuschauer.

Danach widmet sich Vilsmaier wieder der Adaptation von Buchvorlagen: Nach "Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen", einer nach Schottland verlegten Neufassung des Erich-Kästner-Klassikers, verfilmt er Robert Schneiders Bestseller "Schlafes Bruder" um den musikalischen Wunderknaben und Sonderling Elias, der in einem Bergdorf aufwächst. Der Film wird jedoch zu einem finanziellen Misserfolg, ebenso wie die wesentlich weniger aufwändige Verfilmung von Siegfried Sommers Erstlingsroman "Und keiner weint mir nach" um sechs Freunde in einem Münchner Mietshaus in den 1920er/1930er Jahren.

Dagegen wird "Comedian Harmonists", der wiederum in der Weimarer Republik spielt, mit 2,8 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres 1998. Vilsmaier schildert die Geschichte der berühmten Vokalgruppe in Form eines opulent ausgestatteten, unterhaltsamen Publikumsfilms. Während die Kritik – wie meist bei Vilsmaiers Werken – verhalten bis ablehnend reagiert, erhält der Film zahlreiche Auszeichnungen, unter anderen den Deutschen Filmpreis und den Bayerischen Filmpreis. Verrisse erntet Vilsmaier in Deutschland für "Marlene" über das Leben von Marlene Dietrich mit Katja Flint in der Hauptrolle - doch beim Hollywood Film Festival in Los Angeles wird die erneut äußerst aufwändige Leinwandbiografie als "Bester Spielfilm" ausgezeichnet.

Der Kinoregisseur, der in der Branche als Erneuerer des Heimatfilms gilt, fungiert meist auch als Produzent, Co-Autor und Kameramann seiner Filme. Er dreht neben seinen Kinofilmen auch Werbespots und Fernsehfilme ("August, der Glückliche" und "Vera"), und betätigt sich gelegentlich als Produzent für andere Filmemacher, etwa bei "Hunger – Sehnsucht nach Liebe", dem Regiedebüt seiner Ehefrau, bei dem Thriller "Straight Shooter" und dem Klamauk "Pura Vida Ibiza". Im Dezember 1998 übernimmt die Berliner Senator Film AG 51 Prozent seiner Münchner Produktionsfirma Perathon.

Im Jahr 2000 veröffentlicht das Ehepaar Vilsmaier ein Kinderbuch: "Der Bär ist los" wird unter dem gleichen Titel als Familienprojekt (Regie: Vávrová, Produktion: Vilsmaier, Hauptrolle: Tochter Janina Vilsmaier) zum Kinofilm. Neben der TV-Komödie "Das Weihnachts-Ekel" (2006) und der Adalbert-Stifter-Verfilmung "Bergkristall" (2004) realisiert Vilsmaier in den 2000er Jahren drei Filme, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Dritten Reichs und des 2. Weltkriegs befassen: "Leo und Claire" (2001) erzählt die wahre Geschichte eines Juden, der von den Nazis wegen "Rassenschande" zum Tode verurteilt wird; "Der letzte Zug" (2006) handelt von der unmenschlichen Deportation einer Gruppe von Juden im Jahr 1943. Beim Bayerischen Filmpreis 2007 wird "Der letzte Zug" mit einem Spezialpreis geehrt. Der von der Kritik zwiespältig rezipierte TV-Zweiteiler "Die Gustloff" schließlich versucht sich an einer Rekonstruierung der Umstände, die zur tragischen Torpedierung des deutschen Flüchtlingsschiffs "Wilhelm Gustloff" (2008) durch die sowjetische Armee im Jahr 1945 führten.

Mit dem komödiantisch angehauchten, prominent besetzten "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" bringt Vilsmaier 2008 einen der berühmtesten bayerischen Stoffe in die Kinos. Im Januar 2010 läuft sein nächstes Projekt in den Kinos an, das Bergsteigerdrama "Nanga Parbat", das die Besteigung der Rupalwand des Achttausenders durch Reinhold und Günter Messner schildert, die nur Reinhold überlebt. Ebenfalls im Januar 2010 wird Joseph Vilsmaier beim Bayerischen Filmpreis der Ehrenpreis verliehen.

Fürs Fernsehen inszeniert Vilsmaier den zweiteiligen Thriller "Russisch Roulette" (2012), über eine deutsche Ex-Journalistin, die in St. Petersburg in die kriminellen Machtspiele russischer Oligarchen und EX-KGBler hineingezogen wird. Ebenfalls fürs Fernsehen verfilmt er Ludwig Anzengrubers Volksstück "Der Meineidbauer" (2012), mit Suzanne von Borsody und Günther Maria Halmer in den Hauptrollen.

Eine Hommage an seine Heimat dreht Vilsmaier mit "Bavaria - Traumreise durch Bayern" (2012), einem Kino-Dokumentarfilm, in dem er die schönsten Orte und Landschaften des Freistaats porträtiert.

Vilsmaier heiratete 1986 die tschechische Schauspielerin Dana Vávrová, die am 5. Februar 2009 im Alter von nur 41 Jahren einem Krebsleiden erlag. Das Ehepaar hat drei Töchter: Janina (geb. 28.9.1986), Theresa (geb. 8.6.1989) und Josefina (geb. 8.12.1992).

Filmografie

2015/2016 Marie Curie
Co-Produzent
 
2015-2017 Bayern sagenhaft
Regie, Kamera
 
2011/2012 Bavaria - Traumreise durch Bayern
Sprecher, Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
2011/2012 Russisch Roulette
Regie, Kamera
 
2009/2010 Nanga Parbat
Regie, Kamera, Produzent
 
2008 Heimat - Deine Filme
Mitwirkung
 
2008 Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Regie, Kamera, Produzent
 
2007/2008 Die Gustloff
Regie
 
2005/2006 Das Weihnachts-Ekel
Regie, Kamera
 
2005/2006 Der letzte Zug
Regie, Kamera, Co-Produzent
 
2004 Bergkristall
Regie, Kamera, Co-Produzent
 
2003/2004 Pura Vida Ibiza
Co-Produzent
 
2003 Den Frieden in der Hand. Das Holzkirchner Wallfahrtsgelübde
Regie
 
2000/2001 Leo und Claire
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1999/2000 Der Bär ist los!
Produzent, Ausführender Produzent
 
1999/2000 Marlene
Regie, Kamera, Produzent, Ausführender Produzent
 
1998/1999 Straight Shooter
Produzent
 
1997 Comedian Harmonists
Regie, Kamera, Ausführender Produzent
 
1996/1997 Hunger - Sehnsucht nach Liebe
Produzent
 
1996 Hollywood, Germany - Die amerikanische Herausforderung
Mitwirkung
 
1995/1996 Und keiner weint mir nach
Regie, Kamera, Produzent
 
1995 Wia die Zeit vergeht
Regie, Idee, Kamera, Produzent
 
1994/1995 Schlafes Bruder
Regie, Drehbuch-Mitarbeit, Kamera, Produzent
 
1993/1994 Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen
Regie, Kamera, Produzent
 
1993/1994 Der Prinz von Homburg
Kamera
 
1991/1992 Stalingrad
Regie, Drehbuch-Mitarbeit, Kamera, Ausführender Produzent
 
1990 Rama dama
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent
 
1988/1989 Jakob und Adele. 10. Kurerlebnisse
Kamera
 
1988 Rosinenbomber
Kamera
 
1988 Herbstmilch
Regie, Kamera, Produzent
 
1987/1988 Didi - Der Experte
Kamera
 
1986 Didi auf vollen Touren
Kamera
 
1984/1985 Doppelspiel
Kamera
 
1984 Ambrose Temple
Kamera
 
1984 Geld oder Leben
Kamera
 
1983 Die goldenen Schuhe
Kamera
 
1983 Rote Erde
Kamera
 
1983 Sag nein - Künstler für den Frieden
Kamera
 
1982 Ein Stück Himmel
Kamera
 
1981/1982 Das Mädchen auf der Treppe
Kamera
 
1980/1981 Schwarze Fracht
Kamera
 
1980 Schönes Wochenende
Kamera
 
1980 Tommys Trip
Kamera
 
1980 Fliegender Start
Kamera
 
1980 Ganoven unter sich
Kamera
 
1980 Nur eine kleine Verwechslung
Kamera
 
1980 Vollgas
Kamera
 
1979 Fallstudien
Kamera
 
1979 Schweigegeld
Kamera
 
1979 ... es ist die Liebe
Kamera
 
1978 Der harte Handel
Kamera
 
1978 Lockruf
Kamera
 
1978 Rechnung mit einer Unbekannten
Kamera
 
1977/1978 Tagebuch des Verführers
Kamera
 
1977 Drei Schlingen
Kamera
 
1976/1977 Krock & Co
Regie, Kamera
 
1976 Abendstern
Kamera
 
1975/1976 Fortuna III
Kamera
 
1974 Das blaue Palais
Kamera
 
1973/1974 Acht Jahre später
Kamera
 
1971-1973 Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck
Kamera
 
1967/1968 Träume von Attenham
Kamera
 
1967/1968 Jet-Generation
Kamera-Assistenz
 

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