Harald Reinl

Harald Reinl

Darsteller, Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Schnitt
*09.07.1908 Bad Ischl, Österreich; †09.10.1986 Puerto de la Cruz, Teneriffa, Spanien

Biografie

Harald Reinl wurde am 9. Juli 1908 im österreichischen Bad Ischl geboren. Nachdem er seine Matura an einem humanistischen Gymnasium in Hall abgelegt hatte, begann er ein Jurastudium in Innsbruck, wo er zudem 1938 promovierte, seine Referendarzeit jedoch nicht beendete. Neben seinem Studium fuhr Reinl leidenschaftlich Ski, wurde so Mitglied der österreichischen Ski-Nationalmannschaft und 1931 gar Akademischer Skiweltmeister. Er belegte 1936 den zweiten Platz beim Skifliegen in Planica und gilt nicht zuletzt als Erfinder der Ski-Stahlkanten.
Bereits 1930 war Bergfilm-Pionier Arnold Fanck auf den jungen Wintersportler aufmerksam geworden und hatte ihn für "Stürme über dem Mont Blanc" und im Jahr darauf für "Der weiße Rausch" verpflichtet, wo er als Skifahrer unter anderem Leni Riefenstahl doubelte. In Max Obals "Abenteuer im Engadin" (1932) war er dann sowohl vor als auch hinter der Kamera aktiv, wo er dem Regisseur als 3. Regieassistent zur Hand ging. Nachdem sein Interesse am Film so geweckt worden war, arbeitete Reinl gegen Ende der 1930er Jahre zusammen mit seinem Fanck-Kollegen Guzzi Lantschner schließlich an Schnitt, Buch und Regie der an Originalschauplätzen gedrehten Kurzfilme "Wildwasser" (1939) und "Oster-Skitour in Tirol" (1939), sowie "Bergbauern" (1940).

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der unabkömmlich gestellte Reinl dann Regieassistent Leni Riefenstahls, die zuvor die Lantschner/Reinl-Kurzfilme produziert hatte, und arbeitete an ihrem letztem Film, dem umstrittenen "Tiefland" sowohl als Assistent als auch als künstlerischer Berater für Buch und Schnitt. Die Zusammenarbeit endete 1944 mit dem Ende der Dreharbeiten. In den Nachkriegsjahren schlug sich Reinl mit der Herstellung und dem Vertrieb von Hausschuhen durch, bevor er als Editor wieder eine erste Anstellung im Filmbereich finden konnte.

1949 markierte schließlich das Jahr der ersten komplett eigenständigen Spielfilmregie des Österreichers. Nachdem er sich mit dem Kurz-Dokumentarfilm "Zehn Jahre später", der kriegsversehrte Skifahrer zum Thema hatte und bei den Filmfestspielen Venedig ausgezeichnet wurde, das Vertrauen der Produzenten Josef Plesner und Hubert Schonger erarbeitet hatte, zeigte sein Film "Bergkristall" – nach der Stifter-Novelle – klassische Themen des Heimatfilms. Auch die folgenden Reinl-Filme sollten im Bergmilieu spielen. Zu den Genrearbeiten gehörten insbesondere Verfilmungen von Ganghofer-Romanen wie "Der Herrgottschnitzer von Ammergau" (1952) oder "Der Klosterjäger" (1953). Mit der Adaption von Johanna Spyris "Rosen-Resli" gelang dem Regisseur 1954 dann ein großer Publikumserfolg, der nicht zuletzt Christine Kaufmann zu verdanken war, die mit diesem Film zum Kinderstar wurde. Die junge Schauspielerin war zudem auch in "Der schweigende Engel" (1954) und "Ein Herz schlägt für Erika" (1956) zu sehen.

Zu Diskussionen führten in den späteren 1950er Jahren einige Kriegsfilme, an deren militaristischen Tendenzen sich viele Betrachter stießen. Insbesondere "Solange du lebst" (1955), in dem die Bombardierungen Spaniens durch die faschistische "Legion Condor" allzu unkritisch behandelt werden, ist hier zu nennen. Kriegsbeschönigende Neigungen finden sich aber auch in "U 47 – Kapitänleutnant Prien" (1958) und "Die grünen Teufel von Monte Cassino" (1958).

1959 drehte Reinl dann den ersten Film einer Reihe, welche die Säle der bundesdeutschen Kinos über fast ein Jahrzehnt immer wieder aufs Neue füllen sollte: Die dänische Produktion "Der Frosch mit der Maske" ("Frøen") brachte zum ersten Mal die Mischung aus nebligen Londoner Nächten, einem wiedererkennbaren deutschsprachigen Cast, latent komödiantischem Spiel und ungewöhnlichen Kriminalfällen auf die Leinwand, die eine Edgar-Wallace-Verfilmung ausmachen sollte. In der Folge inszenierte er noch vier weitere Krimis der Reihe, allesamt Erfolge an der Kinokasse.

Auch bei seinen nächsten Filmen richtete sich der Regisseur nach den Wünschen des Publikums, das an der 1960 von Fritz Lang mit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" wiederbelebten Mabuse-Thematik Geschmack gefunden hatte. So zeichnete er 1961 und 1962 für gleich zwei Reißer verantwortlich, die den legendären Schurken in den Mittelpunkt und ihren Titel stellten, "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" und "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse". Lex Barker, der zu Reinls Vorzugsschauspielern gehörte, hinterließ hier als FBI-Agent Joe Como einen ersten Eindruck, sollte jedoch durch Reinls nächsten Coup ungleich berühmter werden, nämlich der Verfilmung der Romane von Karl May. Allen voran: die Winnetou-Trilogie. Unter Reinls Regie wurden die deutschen Western zu ungeheuren Erfolgen und "Old Shatterhand" Barker sowie "Winnetou" Pierre Brice schlagartig bekannt. Der Regisseur wurde mit populären Preisen wie dem Bambi ausgezeichnet, sowie mehrfach mit der "Goldenen Leinwand" prämiert. Die Indianer-Thematik behielt er in der Adaption von James Fenimore Coopers "Der letzte Mohikaner" (1965) erfolgreich bei.

Für besonderes Augenmerk, vor allem im Ausland, sorgte wenig später Reinls Zweiteiler "Die Nibelungen" (1966). Das von Artur Brauner produzierte Großwerk stellte den bis dato teuersten deutschen Nachkriegsfilm dar, blieb trotz all seiner Ambition aufgrund seiner mitunter naiven Machart nicht frei vom Reinl-typischen "Trash-Faktor", der auch den kultigen Horrorstreifen "Die Schlangengrube und das Pendel" (1968) mit Christopher Lee, Karin Dor und erneut Lex Barker ausmachte. Der "Meister des deutschen Trivialfilms" wurde jedoch zum Beispiel positiv von den "Cahiers du Cinéma" aufgenommen, die Reinl in eine Reihe mit den Regie-Granden des Hollywood-Serienfilms stellten. In den späten 1960er Jahren sind als Serien mit Beteiligung des Regisseurs dabei insbesondere die Jerry Cotton-Filme zu nennen ("Dynamit in grüner Seide", 1967; "Der Tod im roten Jaguar", 1968; "Todesschüsse am Broadway", 1969), sowie die ebenfalls deutsch-italienisch produzierte Kommissar X-Reihe. Dort zeichnete er 1971 für "Kommissar X jagt die roten Tiger" verantwortlich.

Im gleichen Jahr kam es auch zu Reinls erster und einziger Oscar-Nominierung; allerdings nicht für ein Serienwerk, sondern für den Dokumentarfilm "Erinnerungen an die Zukunft" (1970), nach dem gleichnamigen populärwissenschaftlichen Buch Erich von Dänikens. Zudem spielte der Regisseur seine Stärken in weiteren Genrefilmen aus, darunter zwei "Lümmelfilme" ("Pepe, der Paukerschreck", 1969; "Wir hau'n die Pauker in die Pfanne", 1970), heitere Komödien, bei denen er auf die Publikumswirksamkeit von Uschi Glas setzte ("Wer zuletzt lacht, lacht am besten", 1971; "Verliebte Ferien in Tirol", 1971), sowie im Verlauf der 1970er erneut in Abenteuerfilmen wie "Der Schrei der schwarzen Wölfe" (1972), "Die blutigen Geier von Alaska" (1973), "Ein toter Taucher nimmt kein Gold" (1974) und schließlich, wie zu Beginn seiner Karriere heimelige Ganghofer-Verfilmungen ("Schloss Hubertus", 1973; "Der Jäger von Fall", 1974).

Gegen Ende der siebziger Jahre ließ das Arbeitspensum Reinls schließlich etwas nach. Neben den beiden dokumentarischen Arbeiten "Botschaft der Götter" (1976), "...und die Bibel hat doch recht" (1977) und der TV-Serie "Sieben Weltwunder der Technik" (1980/81) entstanden lediglich noch zwei Spielfilme: In Wolfgang Liebeneiners Verfilmung des Goethe-Dramas "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" zeichnete der erfahrene Reinl für die Action-Regie verantwortlich, seine Karriere beschloss er dann 1982 mit der Abenteuerklamotte "Im Dschungel ist der Teufel los".

Als handwerklich talentierter Filmemacher ohne Starallüren, dafür mit professioneller Arbeitsmoral und einem fast unfehlbaren Gespür für den Geschmack des Publikums, den er stets bediente, wurde Reinl einer der erfolgreichsten Regisseure des westdeutschen Nachkriegskinos. Auch wenn seine Ausrichtung stets eine kommerzielle war und er selten künstlerisch Bedeutsames schuf, prägten seine Filme die unterschiedlichsten Genres der deutschsprachigen Kinolandschaft. Neben einem festen Stab an technischen Mitarbeitern, wie Kameramann Ernst Wilhelm Kalinke, Editor Hermann Haller, und den Regie-Assistenten Charles M. Wakefield und Lothar Gündisch förderte er dabei nicht unerheblich die Karrieren von Stammschauspielern wie Joachim Fuchsberger, Carl Lange, Eddi Arent und dem bereits oben genannten Lex Barker.

Harald Reinl, der verhinderte Jurist, dessen Zwillingsbruder und Kommilitone Kurt als Rechtsanwalt praktizierte, war mehrere Male verheiratet: Zu Beginn seiner Regie-Karriere mit Corinna Frank, für lange Jahre (1954-68) mit seiner Stammschauspielerin Karin Dor (Kätherose Derr), mit der er 1955 auch den Sohn Andreas bekam, und seit Mitte der 1970er Jahre mit der tschechischen Aktrice Daniela Maria Delis. Die beiden lebten in einer gemeinsamen Wohnung in Puerto de la Cruz auf Teneriffa, bis die als psychisch krank geltende Delis ihren Mann am 9. Oktober 1986 nach einem Streit erstach und Harald Reinls Leben ein tragisches Ende fand.

Den künstlerischen Werdegang Reinls und seine Bedeutung für den deutschen Film stellen die beiden TV-Dokumentationen "Die heile Welt und ihre Märchenhelden" (1974) sowie "Harald Reinl – Kino ohne Probleme" (1985) dar. 2011 wurde die erste Biografie Reinls herausgegeben.

Filmografie

1986/1987 Sri Lanka - Leuchtendes Land
Regie
 
1986 Wöhlund, der Schmied
Regie
 
1985 Harald Reinl - Kino ohne Probleme
Mitwirkung
 
1982 Im Dschungel ist der Teufel los
Regie
 
1980/1981 Sieben Weltwunder der Technik
Regie
 
1978 Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand
Regie
 
1976/1977 ...und die Bibel hat doch recht
Regie
 
1975/1976 Erich von Däniken: Botschaft der Götter
Regie
 
1974 Der Jäger von Fall
Regie
 
1973/1974 Ein toter Taucher nimmt kein Gold
Regie
 
1973 Schloß Hubertus
Regie
 
1973 Die blutigen Geier von Alaska
Regie
 
1972/1973 Die heile Welt und ihre Märchenhelden
Mitwirkung
 
1972 Der Schrei der schwarzen Wölfe
Regie
 
1972 Grün ist die Heide
Regie
 
1971/1972 Sie liebten sich einen Sommer
Regie, Drehbuch
 
1971 Verliebte Ferien in Tirol
Regie, , Drehbuch
 
1971 Kommissar X: Kommissar X jagt die Roten Tiger
Regie
 
1970/1971 Wer zuletzt lacht, lacht am besten
Regie
 
1970 Wir hau'n die Pauker in die Pfanne
Regie
 
1969/1970 Erinnerungen an die Zukunft
Regie, Drehbuch
 
1969 Dr. med. Fabian - Lachen ist die beste Medizin
Regie
 
1969 Pepe, der Paukerschreck
Darsteller, Regie
 
1968/1969 Todesschüsse am Broadway
Regie
 
1968 Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
Regie, Drehbuch
 
1968 Der Tod im roten Jaguar
Regie
 
1967 Die Schlangengrube und das Pendel
Regie
 
1967 Dynamit in grüner Seide
Regie
 
1966/1967 Die Nibelungen. 2. Kriemhilds Rache
Regie, Drehbuch
 
1966 Die Nibelungen. 1. Siegfried von Xanten
Regie, Drehbuch
 
1965 Der unheimliche Mönch
Regie
 
1965 Winnetou III
Regie
 
1965 Der letzte Mohikaner
Regie
 
1964 Winnetou II
Regie
 
1963/1964 Zimmer 13
Regie
 
1963 Der Würger von Schloß Blackmoor
Regie
 
1963 Winnetou I
Regie
 
1963 Die weiße Spinne
Regie
 
1962 Der Schatz im Silbersee
Regie
 
1962 Der Teppich des Grauens
Regie
 
1961/1962 Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
Regie
 
1961 Im Stahlnetz des Dr. Mabuse
Regie
 
1961 Der Fälscher von London
Regie
 
1960 Wir wollen niemals auseinandergehn
Regie
 
1960 Die Bande des Schreckens
Regie
 
1959 Der Frosch mit der Maske
Regie
 
1959 Paradies der Matrosen
Regie
 
1958 Die grünen Teufel von Monte Cassino
Regie
 
1958 U 47 - Kapitänleutnant Prien
Regie
 
1958 Romarei - das Mädchen mit den grünen Augen
Regie
 
1957 Almenrausch und Edelweiß
Regie
 
1957 Die Zwillinge vom Zillertal
Regie, Drehbuch
 
1957 Die Prinzessin von St. Wolfgang
Regie, Drehbuch
 
1956 Johannisnacht
Regie
 
1956 Die Fischerin vom Bodensee
Regie, Drehbuch
 
1955/1956 Ein Herz schlägt für Erika
Regie
 
1955 Solange du lebst
Regie, Drehbuch
 
1954 Der schweigende Engel
Regie, Drehbuch
 
1954 Rosen-Resli
Regie, Drehbuch
 
1953 Der Klosterjäger
Regie
 
1952 Der Herrgottschnitzer von Ammergau
Regie
 
1951/1952 Hinter Klostermauern
Regie, Drehbuch
 
1951 Weiße Hölle Mont Blanc
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1950/1951 Gesetz ohne Gnade
Regie, Schnitt
 
1950/1951 Funk und Sport
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1948/1949 Bergkristall
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1947/1948 Zehn Jahre später
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1939/1940 Bergbauern
Regie-Assistenz
 
1939 Oster-Skitour in Tirol
Regie, Drehbuch, Schnitt
 
1938/1939 Wildwasser
Regie-Assistenz, Drehbuch, Schnitt
 
1932 Abenteuer im Engadin
Darsteller, Regie-Assistenz
 
1930/1931 Der weiße Rausch. Neue Wunder des Schneeschuhs
Darsteller
 
1930 Stürme über dem Montblanc
Darsteller
 

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