Wie sagen wir es unseren Kindern?

Wie sagen wir es unseren Kindern?

Deutschland 1944/1945, Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Käthe Westhoff ist geschieden und lebt mit ihren drei Kindern in einem Vorort von Dresden. Ihnen gegenüber lebt der verwitwete Architekt Thomas Hofer mit seinen vier Söhnen. Zwar gibt es flüchtige Begegnungen zwischen den Erwachsenen, doch zu einem wirklichen Kennenlernen kommt es zunächst nicht. Ganz anders die Kinder, die sich ständig in den Haaren liegen. Nach einer weiteren Rauferei sucht Käthe das Gespräch mit dem Vater der Jungen. Aus der geplanten Konfrontation wird ein schöner Familienausflug. Die Erwachsenen verstehen sich auf Anhieb, bald gestehen sie sich ihre Liebe und wollen heiraten. Diese Entscheidung trifft bei den Kindern auf Unverständnis. Die Streitereien der Sprösslinge gehen weiter und schließlich so weit, dass eines der Kinder verunglückt. Als Konsequenz daraus entscheidet sich Mutter Westhoff gegen die Hochzeit. Aber schließlich kommt es doch noch zu einem Happy End.

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Verlogene Dresdner Idylle

Es ist gar nicht so einfach, diesem Film nicht auf den Leim zu gehen, weil er so leicht und „natürlich“ daherkommt. Aber diese Sicht ist zu eindimensional. Ab 1939 beherrschte der Krieg die Filmdramaturgie. Auch die Komödie diente nur noch „...der Mobilisierung strategischer Ziele“ (Witte). „Natürlichkeit“ liebte der Faschismus besonders. Goebbels 1935: “Natürlich zu sein, wie das Leben natürlich ist“. Je mehr die Realität des Krieges die Filmproduktion beherrschte, desto realitätsferner wurden die Produkte. - In diesem Film sind sieben rein arische Kinder versammelt - blond, blauäugig, verläßlich, auch wenn sie sich balgen, gut erzogen: mit diesen Menschen liess sich der neue Staat bauen. Dabei zeigt sich, wie „meisterhaft“ es Hans Deppe, der Regisseur verstand, jeglichen Realitätsbezug aus dem Film herauszuhalten. Krieg kommt nicht vor. Wir befinden uns im bürgerlich-harmonischen Biotop Dresden. Die drei Westhoff-Kinder und die vier Hofer-Kinder können sich nicht ausstehen. Beide Eltern sind lediglich geschieden, keinesfalls im Krieg umgekommen. Die Eltern lernen sich kennen, lernen sich lieben und nun wollen die Kinder nicht, dass sich diese beiden Familien zusammentun. - Das wird sehr zügig und unprätentiös erzählt - in einfachen Einstellungen, in pointierten Dialoge. Mathias Wiemann und Leny Marenbach sind ganz „natürlich“ und zeigen, dass es sich auch im Jahre 1944 sorgenlos leben lässt. Wiemann, gewandt (und sonst eher keinem Propagandaauftritt abhold), mit einer fein ausformulierten Sprache, bewegt sich elegant und lässig durch den Film. Die ganze Atmosphäre dieser „Natürlichkeit“ bleibt ein Ablenkungsmanöver. Die Botschaft sitzt: die guten Kräfte werden belohnt, wir werden siegen, wenn wir nur alle Hindernisse überwinden. Im Dresdner Zwinger vollbringt dieses Wunder ein Ballett, bei dem sich Vater und Mutter finden, während draussen in der rauen Wirklichkeit gebombt und gemordet wurde. Zwei Monate nach Beendigung der Dreharbeiten versank Dresden als Ergebnis dieses Krieges in einem Inferno. Aber da waren die Filmleute ja schon weg.

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Am Drehbuch hat Luiselotte Enderle, die Lebensgefährtin von Erich Kästner mitgeschrieben. Und man hat fast das Gefühl, einen Erich-Kästner-Film zu sehen. Die Kinder werden ernst genommen, die Erwachsenen erziehen sie modern und human. Die Kinder sprechen auf Augenhöhe mit ihnen. Die Dialoge sind witzig und unprätentiös. Wenn man sich vorstellt, dass der Film mitten im „Totalen Krieg“ gedreht wurde, dann wirkt dieser menschliche Ton und die feine Charakterisierung aller Personen überraschend anders. Matthias Wieman und Leni Marenbach spielen liebenswert natürlich, ebenso alle Kinder. Nirgends ist ein Befehlston oder ein künstliches Gefühl. Nichts zu spüren von der häufigen Staatstheater-Schauspiel-Schwere, die so viele NS-Filme so bedeutungsschwanger und statisch machen. Der Krieg wird am Rande erwähnt, es geht um überfüllte Züge, Lebensmittelmarken – und alle essen immer nur Butterbrote. Der Film ist kurz vor der Bombardierung Dresdens gedreht; man sieht die alte Stadt, eine Elbfahrt und Schloß Pillnitz. Die beiden Erwachsenen machen einen Fahrradausflug dorthin, man sieht auch keine Autos auf den Straßen, nur einmal kommt ein Wagen mit verdunkelten Scheinwerfern. Man spürt im Film immer eine Sehnsucht nach Frieden, die Eltern sind müde von den Kämpfen der Kinder – und vor allem die Mutter wirkt auch sonst manchmal müde und hoffnungslos. Wie bei Kästner so häufig nehmen am Ende die Kinder die Dinge in die Hand und lösen die Konflikte. Mich hat der Film berührt, weil er so eine altmodische Aufrichtigkeit und Zartheit ausstrahlt.

Credits

Alle Credits

Regie:Hans Deppe
Drehbuch:Volker von Collande, Luiselotte Enderle
hat Vorlage:Toni Huppertz (Manuskript), Wilhelm Ehlers
Idee:Wilhelm Ehlers (basierend auf einer Idee von), Heinz Riedel
Kamera:Robert Baberske
Bauten:Wilhelm Vorwerg, Rudolf Linnekogel
Ton:Erich Schmidt
Musik:Hans-Otto Borgmann
  
Darsteller: 
Leni MarenbachKäthe Westhoff
Mathias WiemanDr. Thomas Hofer
Hilde KörberAdele
Ernst WaldowDiesing
Babsi ReckewellSigrid
Edmund van KannKlaus
Jürgen TuschWölfchen
Hans-Dieter GotzmannErich
Herbert StetzaTheo
Hans NeieKurt
Jürgen Peter JacobyPepi
Franz Schafheitlin
Alexa von Porembsky
  
Produktionsfirma:Ufa-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Erich Holder)
Herstellungsleitung:Erich Holder
Produktionsleitung:Erich Holder
Aufnahmeleitung:Ernst Liepelt
Dreharbeiten:08.1944-11.1944: Sächsische Schweiz, Dresden
Erstverleih:Viktoria Filmverleih GmbH (München), Stern-Film Verleih GmbH (Hamburg), Südwestdeutscher Filmverleih
Länge:2296 m, 84 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 03.07.1950, 01477, freigegeben ab 12 Jahren
Aufführung:Uraufführung (DE): 21.12.1949, Berlin, Filmtheater Lübars

Titel

Originaltitel (DE) Wie sagen wir es unseren Kindern?
späterer Verleihtitel Ehe mit Hindernissen

Fassungen

Original

Länge:2296 m, 84 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:s/w, Ton
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 03.07.1950, 01477, freigegeben ab 12 Jahren
Aufführung:Uraufführung (DE): 21.12.1949, Berlin, Filmtheater Lübars
 

Prüffassung

Länge:2450 m, 89 min
Prüfung/Zensur:Französische Militärzensur (DE): 03.1949;
Zensur (DE): 03.1945, Jugendfrei
 

Übersicht

Fotogalerie

Alle Fotos (3)

Materialien

Literatur

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