Opfergang

Opfergang

Deutschland 1942-1944, Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

Inhalt

Die reiche temperamentvolle Aels aus dem Norden lebt am Hamburger Elbeufer. Neben ihr in einer Villa wohnt das frisch verheiratete Paar Albrecht und Octavia. Die Freundschaft zwischen Aels und Albrecht stört die Harmonie dieser Ehe nicht. Doch eines Tages bricht bei Aels ein altes Tropenleiden aus, sie fiebert, und weil sie ans Bett gefesselt ist, reitet Albrecht jeden Tag an ihrem Fenster vorbei und grüßt sie.

Als aber auch er an einer Seuche erkrankt, übernimmt seine Frau Octavia diesen Liebesdienst und grüßt in seiner Reitkleidung die Kranke, um sie nicht zu beunruhigen. Doch die Ahnungslose stirbt an gebrochenem Herzen. Sie kann ohne Albrechts Liebe nicht leben – er erfährt es aus ihrem letzten Brief. Nach der gleichnamigen Novelle von Rudolf G. Binding.

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"Unrettbar"

Himmel - was für eine Sinfonie an falschen Tönen! Damit ist nicht nur der Schwulst gemeint, mit dem Komponist Hans Otto Borgmann, im besten Wagner Verschnitt, mit aufjauchzenden Frauenstimmen die Emotionen steigern hilft. Nein - es sind die Darsteller, denen kein gerades Wort, kein natürliches Gefühl, kein nachvollziehbarer Dialog gelingt (als sich Söderbaum und Raddatz im Pferdestall näherkommen, sagt sie: „Wir lieben uns, mein Freund. Das wird schlimm, sehr schlimm“). Alle reden gestelzt und unnatürlich - wenn Kristina Söderbaum sich mit ihrem Liebhaber ins Heu wirft, da geht von ihrer gewollten Erotik kein Hauch von Sinnlichkeit aus. Dann Irene von Meyendorff, die vor lauter Vornehmheit und Abgehobenheit das Leben und die Liebe nur auf „Armeslänge“ erträgt und sich daher als das Opfer des „Opfergangs“ bereit macht. Schließlich Carl Raddatz, der von der „himmlischen“ Meyendorff genauso angezogen ist wie von der „erdnäheren“ Söderbaum und den Konflikt nicht bewätigt. Die Todessehnsucht der schönen Äls wird durch ihre Vitalität camoufliert. Alles auf Effekt gestellt. Wobei zu fragen ist, warum die Autoren die Bindingsche Novelle, in der Albrecht stirbt und die beiden Frauen weiterleben und sich schätzen lernen, einfach ins Gegenteil verkehrte. Harlans Kameramann Bruno Mondi setzt die Pastell-Farben von Agfacolor in einfache Symbole um: helle, cremige Töne für die „Heilige“, knallig rotes Kleid, roter Lippenstift, für die Söderbaum. Das „Sumpfblüten-Aroma“ (Graf) des Films verfliegt nicht. Es gibt allerdings eine Szene, da hört der Spaß auf. Der alte Reeder liest aus den Dionysos Dithyramben von Nietzsche: mit großem Pathos, ein „tiefer“ , kulturell „hochstehender“ Deutscher. Während die Horden der anderen Deutschen draussen Millionen von Juden bestialisch und grausam ermordeten. Aber von dem Aussen wollte Harlan nichts wissen. Umso mehr befremdet es, dass die Murnau-Stiftung Geld und Arbeit in die Restaurierung dieses von Goebbels als „unrettbar“ bezeichneten Epos gesteckt hat. „Wer Harlan sagt, muss auch ,Jud Süss‘ sagen“ (Möller). Das bleibt so.

Credits

Regie:Veit Harlan
Drehbuch:Veit Harlan, Alfred Braun
Kamera:Bruno Mondi
Schnitt:Friedrich Karl von Puttkamer
Musik:Hans-Otto Borgmann
  
Darsteller: 
Carl RaddatzAlbrecht
Kristina SöderbaumAels
Irene von MeyendorffOctavia Froben
Franz SchafheitlinMathias
Ernst Stahl-NachbaurSanitätsrat Terboven
Otto TresslerSenator Froben
Annemarie SteinsieckFrau Froben
Edgar PaulyDiener
Charlotte SchultzKrankenschwester
Ludwig SchmitzDer "Karnevalsnarr", Ansager auf der Düsseldorfer Rutschbahn
Franz W. Schröder-SchromArzt
Valy ArnheimDiener bei Froben
Charly BergerMitglied bei der Empfangssitzung
Paul BildtAels' Notar
  
Produktionsfirma:Ufa-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Veit Harlan)

Alle Credits

Regie:Veit Harlan
Drehbuch:Veit Harlan, Alfred Braun
hat Vorlage:Rudolf G. Binding (Frei nach der Novelle)
Kamera:Bruno Mondi
Optische Spezialeffekte:Gerhard Huttula
Bauten:Erich Zander, Karl Machus
Schnitt:Friedrich Karl von Puttkamer
Schnitt-Assistenz:Christa Loose
Ton:Heinz Martin
Musik:Hans-Otto Borgmann
  
Darsteller: 
Carl RaddatzAlbrecht
Kristina SöderbaumAels
Irene von MeyendorffOctavia Froben
Franz SchafheitlinMathias
Ernst Stahl-NachbaurSanitätsrat Terboven
Otto TresslerSenator Froben
Annemarie SteinsieckFrau Froben
Edgar PaulyDiener
Charlotte SchultzKrankenschwester
Ludwig SchmitzDer "Karnevalsnarr", Ansager auf der Düsseldorfer Rutschbahn
Franz W. Schröder-SchromArzt
Valy ArnheimDiener bei Froben
Charly BergerMitglied bei der Empfangssitzung
Paul BildtAels' Notar
  
Produktionsfirma:Ufa-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Veit Harlan)
Herstellungsleitung:Veit Harlan
Produktionsleitung:Erich Holder
Aufnahmeleitung:Conny Carstennsen, Ernst Liepelt
Dreharbeiten:21.08.1942-1943: Umgebung von Berlin und Eutin, Hiddensee, Hamburg
Erstverleih:Deutsche Filmvertriebs GmbH (DFV) (Berlin)
Länge:2682 m, 98 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:Agfacolor, Ton
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 14.02.1944, B.59952, Jugendverbot
Aufführung:Berliner Erstaufführung (DE): 29.12.1944, Berlin, U.T. Wojnitzstraße

Titel

Originaltitel (DE) Opfergang

Fassungen

Original

Länge:2682 m, 98 min
Format:35mm, 1:1,37
Bild/Ton:Agfacolor, Ton
Prüfung/Zensur:Zensur (DE): 14.02.1944, B.59952, Jugendverbot
Aufführung:Berliner Erstaufführung (DE): 29.12.1944, Berlin, U.T. Wojnitzstraße
 

Prüffassung

Länge:2581 m, 95 min
Prüfung/Zensur:FSK-Prüfung (DE): 05.09.1950, 01748, Jugendfrei ab 16 Jahre / nicht feiertagsfrei;
FSK-Prüfung (DE): 18.01.1984, 01748 [5. FSK-Prüfung]