Wie sagen wir es unseren Kindern?

Wie sagen wir es unseren Kindern?

Deutschland 1944/1945, Spielfilm

Films from the National-Socialist period must be considered in the context of state-influenced production and reception. Further informations »

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Verlogene Dresdner Idylle

Es ist gar nicht so einfach, diesem Film nicht auf den Leim zu gehen, weil er so leicht und „natürlich“ daherkommt. Aber diese Sicht ist zu eindimensional. Ab 1939 beherrschte der Krieg die Filmdramaturgie. Auch die Komödie diente nur noch „...der Mobilisierung strategischer Ziele“ (Witte). „Natürlichkeit“ liebte der Faschismus besonders. Goebbels 1935: “Natürlich zu sein, wie das Leben natürlich ist“. Je mehr die Realität des Krieges die Filmproduktion beherrschte, desto realitätsferner wurden die Produkte. - In diesem Film sind sieben rein arische Kinder versammelt - blond, blauäugig, verläßlich, auch wenn sie sich balgen, gut erzogen: mit diesen Menschen liess sich der neue Staat bauen. Dabei zeigt sich, wie „meisterhaft“ es Hans Deppe, der Regisseur verstand, jeglichen Realitätsbezug aus dem Film herauszuhalten. Krieg kommt nicht vor. Wir befinden uns im bürgerlich-harmonischen Biotop Dresden. Die drei Westhoff-Kinder und die vier Hofer-Kinder können sich nicht ausstehen. Beide Eltern sind lediglich geschieden, keinesfalls im Krieg umgekommen. Die Eltern lernen sich kennen, lernen sich lieben und nun wollen die Kinder nicht, dass sich diese beiden Familien zusammentun. - Das wird sehr zügig und unprätentiös erzählt - in einfachen Einstellungen, in pointierten Dialoge. Mathias Wiemann und Leny Marenbach sind ganz „natürlich“ und zeigen, dass es sich auch im Jahre 1944 sorgenlos leben lässt. Wiemann, gewandt (und sonst eher keinem Propagandaauftritt abhold), mit einer fein ausformulierten Sprache, bewegt sich elegant und lässig durch den Film. Die ganze Atmosphäre dieser „Natürlichkeit“ bleibt ein Ablenkungsmanöver. Die Botschaft sitzt: die guten Kräfte werden belohnt, wir werden siegen, wenn wir nur alle Hindernisse überwinden. Im Dresdner Zwinger vollbringt dieses Wunder ein Ballett, bei dem sich Vater und Mutter finden, während draussen in der rauen Wirklichkeit gebombt und gemordet wurde. Zwei Monate nach Beendigung der Dreharbeiten versank Dresden als Ergebnis dieses Krieges in einem Inferno. Aber da waren die Filmleute ja schon weg.

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In einem Vorort von Dresden wohnt in einem kleinen Haus Käthe Westhoff, geschieden, mit ihren drei Kindern. Auf der anderen Seite eines unbebauten Grundstücks lebt der verwitwete Architekt Thomas Hofer in einer Villa mit seinen vier Jungs. Hin und wieder begegnen sich die Erwachsenen, finden sich auch sympathisch, aber keiner weiß vom anderen, wer er ist. Nur die Kinder wissen Bescheid, denn ihr gemeinsamer Kampf- und Spielplatz ist das Grundstück. Da gehören blaue Flecken und Raufereien zwischen den Westhoff- und den Hoferkindern zur Tagesordnung, bis es Käthe zu bunt wird und sie dem Vater der Viererbande einmal die Meinung sagen will. Dabei verlieben sich die Eltern ineinander und beschließen später zu heiraten. Das aber ruft den Protest der Kinder hervor: Die "Feinde" als Geschwister, nein, das wollen sie nicht. Erst ein Unfall der kleinen Sigrid und der (vorübergehende) Verzicht der Eltern auf die Heirat bringt die Wendung.
Am Drehbuch hat Luiselotte Enderle, die Lebensgefährtin von Erich Kästner mitgeschrieben. Und man hat fast das Gefühl, einen Erich-Kästner-Film zu sehen. Die Kinder werden ernst genommen, die Erwachsenen erziehen sie modern und human. Die Kinder sprechen auf Augenhöhe mit ihnen. Die Dialoge sind witzig und unprätentiös. Wenn man sich vorstellt, dass der Film mitten im „Totalen Krieg“ gedreht wurde, dann wirkt dieser menschliche Ton und die feine Charakterisierung aller Personen überraschend anders. Matthias Wieman und Leni Marenbach spielen liebenswert natürlich, ebenso alle Kinder. Nirgends ist ein Befehlston oder ein künstliches Gefühl. Nichts zu spüren von der häufigen Staatstheater-Schauspiel-Schwere, die so viele NS-Filme so bedeutungsschwanger und statisch machen. Der Krieg wird am Rande erwähnt, es geht um überfüllte Züge, Lebensmittelmarken – und alle essen immer nur Butterbrote. Der Film ist kurz vor der Bombardierung Dresdens gedreht; man sieht die alte Stadt, eine Elbfahrt und Schloß Pillnitz. Die beiden Erwachsenen machen einen Fahrradausflug dorthin, man sieht auch keine Autos auf den Straßen, nur einmal kommt ein Wagen mit verdunkelten Scheinwerfern. Man spürt im Film immer eine Sehnsucht nach Frieden, die Eltern sind müde von den Kämpfen der Kinder – und vor allem die Mutter wirkt auch sonst manchmal müde und hoffnungslos. Wie bei Kästner so häufig nehmen am Ende die Kinder die Dinge in die Hand und lösen die Konflikte. Mich hat der Film berührt, weil er so eine altmodische Aufrichtigkeit und Zartheit ausstrahlt.

Credits

All Credits

Director:Hans Deppe
Screenplay:Volker von Collande, Luiselotte Enderle
based on:Toni Huppertz (Manuskript), Wilhelm Ehlers
Story:Wilhelm Ehlers (basierend auf einer Idee von), Heinz Riedel
Director of photography:Robert Baberske
Production design:Wilhelm Vorwerg, Rudolf Linnekogel
Sound:Erich Schmidt
Music:Hans-Otto Borgmann
  
Cast: 
Leni MarenbachKäthe Westhoff
Mathias WiemanDr. Thomas Hofer
Hilde KörberAdele
Ernst WaldowDiesing
Babsi ReckewellSigrid
Edmund van KannKlaus
Jürgen TuschWölfchen
Hans-Dieter GotzmannErich
Herbert StetzaTheo
Hans NeieKurt
Jürgen Peter JacobyPepi
Franz Schafheitlin
Alexa von Porembsky
  
Production company:Ufa-Filmkunst GmbH (Berlin) (Herstellungsgruppe Erich Holder)
Line producer:Erich Holder
Unit production manager:Erich Holder
Location manager:Ernst Liepelt
Shoot:08.1944-11.1944: Sächsische Schweiz, Dresden
Original distributor:Viktoria Filmverleih GmbH (München), Stern-Film Verleih GmbH (Hamburg), Südwestdeutscher Filmverleih
Length:2296 m, 84 min
Format:35mm, 1:1,37
Picture/Sound:s/w, Ton
Rating:FSK-Prüfung (DE): 03.07.1950, 01477, freigegeben ab 12 Jahren
Screening:Uraufführung (DE): 21.12.1949, Berlin, Filmtheater Lübars

Titles

Originaltitel (DE) Wie sagen wir es unseren Kindern?
späterer Verleihtitel Ehe mit Hindernissen

Versions

Original

Length:2296 m, 84 min
Format:35mm, 1:1,37
Picture/Sound:s/w, Ton
Rating:FSK-Prüfung (DE): 03.07.1950, 01477, freigegeben ab 12 Jahren
Screening:Uraufführung (DE): 21.12.1949, Berlin, Filmtheater Lübars
 

Prüffassung

Length:2450 m, 89 min
Rating:Französische Militärzensur (DE): 03.1949;
Zensur (DE): 03.1945, Jugendfrei
 

Overview

Materials

Literature

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